Sentiero Pier Giorgio Frassati
Traumpfad im piemontesischen Mairatal
Der Sentiero Pier Giorgio Frassati gehört zu den schönsten Wanderungen im gesamten Mairatal. Und das ist gar nicht so einfach, denn das Valle Maira bietet wirklich viele herausragende Touren.
Malerische Bergseen, tiefe Alpkessel, alte Militärruinen und aussichtsreiche Gipfelkreuze sind nur einige der Highlights dieser herausragenden Rundwanderung im italienisch-französischen Grenzgebiet.
Ich habe diese wunderschöne Wanderung im Hochsommer unternommen und freue mich schon darauf, sie im Herbst, in ganz anderem Licht und hoffentlich etwas weniger anderen Wandern zu wiederholen.
Hier findest Du meinen Wanderbericht und alles Wissenswerte für Deine Wanderung auf dem Sentiero Pier Giorgio Frassati im oberen Mairatal.

KOMPASS Wanderführer Piemont, Valle Maira
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Ich habe den Sentiero Pier Giorgio Frassati und weitere, wunderschöne Wanderungen im Mairatal in diesem Wanderführer gefunden!
Mein Wanderbericht: Sentiero Pier Giorgio Frassati
Quelle des Mairaflusses
Los geht’s an der Quelle des Mairaflusses. Ich habe wirklich gesucht, aber anderes als bei z.B. der Quelle des Po, unterhalb des majestätischen Monviso, habe ich keinerlei Hinweistafel oder ähnliches auf die exakte Quelle gefunden. Sieht halt aus wie ein Wildbach.
Egal…, schön ist es hier trotzdem und die Italiener stört’s auch nicht. Die sitzen bereits mit ihren Picknickdecken am kühlen Wasser und genießen die Sonne, als ich am Vormittag (eigentlich viel zu spät) hier ankomme.
Am Ende des Parkplatzes geht es sanft, auf einem breiteren Schotterweg oder alternativ, einem schmalen Bergpfad, um einen Mast herum, aufwärts.
Nur kurze Zeit später muss man sich an einer gut beschilderten Wegtafel entscheiden, in welche Richtung man den Sentiero Pier Giorgio Frassati wandern möchte.
Mein Tipp: Mache es wie ich, und wandere im Uhrzeigersinn. So hast Du die starke Steigung gleich am Anfang, wenn Du noch fit bist.
Ich wandere also nach links und es geht gleich richtig los: Glücklicherweise erfolgt dieser, teils echt steile Aufstieg durch einen schattigen Lärchenwald. Hätte ich dieses Wegstück bergab wandern müssen, hätte ich es wahrscheinlich großteils im Sitzen und Rutschen bewältigt!
Gut verschwitzt, komme knappe 40 Minuten später aus dem lichten Wald und auf einen kleinen Pass.
Höhenweg zum Bivacco Bonelli
Ich hole ein paar Mal tief Luft, regeneriere mich und genieße anschließend die wunderschöne Aussicht auf den vor mir liegenden Talkessel. Tief unten liegen die Ruine des ehemaligen Rifugio Pricipe di Piemonte und der schimmernde Bergsee Lago Visaisa.
Der Sentiero Pier Giorgio Frassati verläuft nun glücklicherweise eine Zeitlang recht flach und wunderbar aussichtsreich auf einem Höhenweg, links entlang des Talkessels. Nach der Abzweigung des Sentiero Roberto Cavallero Richtung Il Colletto wird der Pfad schottriger und führt immer näher an die massiven Felswände des Berges Auto Vallonasso (2885m).
Und dann folgen die nächsten Serpentinen berghoch.. Diesmal allerdings in der prallen Sonne, denn auch die letzten, schattenspendenden Lärchen habe ich mittlerweile hinter mir gelassen.
Die nächste Höhenterrasse bietet nochmal einen traumhaften Ausblick auf den Lago Visaisa und in der Ferne kann ich wunderbar das Bergdorf Chiappera mit der markanten Rocca Provenzale erkennen. Soooo schön!
Aber ich wende mich ab und marschiere über die Grasebene auf das Bivacco Bonelli zu. Man könnte auch außen herumgehen und ein bisschen Wegstrecke abkürzen, aber ich weiß, dass sich dahinter noch ein Bergsee versteckt und den will ich natürlich sehen.
Die Anhöhe vor dem Biwak eignet hervorragend für eine Verschnaufpause. Von hier habe ich eine malerische Aussicht auf den tiefer gelegenen, dunkelblauen Bergsee Lago d’Apsoi vor mir.
Links erhebt sich der italienischen Gipfel Auto Vallonasso und rechts des Sees die französischen Grenzgipfel Monte Oronaye (fr. Tête de Moïse (3104m)) und Aiguilles Orientales de l’Orrenaye (2833m).
Wer auf der GTA unterwegs ist, wird hier den Sentiero Frassati verlassen, zum See absteigen und an den beeindruckenden Bergen Richtung Osten weiter wandern.
Info: Der kleine Biwak ist übrigens unbewirtschaftet und verschlossen. Den Schlüssel bekommt man Ponte Maira.
Zum höchsten Punkt, auf den Passo della Cavella
Normalerweise versuche ich Mittagspause erst auf dem höchsten Punkt zu machen, aber der Cavalla Pass ist noch ein bisschen entfernt und ich brauche Energie. Beim Aufstehen bemerke ich das Feld von Edelweiss neben mir, wie schön!
Zurück auf dem Hauptweg führt der Sentiero Pier Giorgio Frassati wieder ein paar Serpentinen weiter nach oben zur nächsten Gras-Hochebene.
Hinter dem unscheinbaren Colle di Villadel, nah dem fast ausgetrockneten Lago delle Munie könnte man die Wanderung etwas verlängern und über den Grenzpass Colle delle Munie laufen.
Angeblich soll dieser Munie-Pass wirklich wunderschön sein: natürlich, mit traumhafter Panoramasicht auf die umliegenden Alpengipfel und einem Grenzstein aus dem Jahr 1823. Ich habe diese Kraft heute aber nicht mehr und nehme den direkten Weg, gekennzeichnet mit „S15“ zum Passo della Cavalla.
Auf einem kleinen, aussichtsreichen Hügel steht eine bescheidene Militärruine und neben dem Wanderweg entdecke ich immer wieder Überreste von alten Grenzbefestigungen.
Dann endlich erreiche ich den, mit 2539m.ü.M., für mich heute höchsten Punkt dieser aussichtsreichen Rundwanderung auf dem Sentiero Frassati. Auf dem Pass steht ein ehemaliges Wasserbecken und wiedermal Überreste von Grenzzäunen, die mit bunten Fahnen verschönert wurden.
Abwärts zur Grange Pausa
Als ich vom Passo della Cavalla in meine neue Laufrichtung blicke, schwindelt es mir ein bisschen: Ich hasse Geröllhalden! Es ist zwar nur ein wirklich kurzes Stück vom Pass zur direkt darunter gelegenen Kaserne, aber dank des rutschigen Gerölls dauert der kurze Abstieg eine gefühlte Ewigkeit.
Ohne Wanderstöcke hätte ich mich hier auf dem Allerwertesten herunterrutschen lassen! Auf der Ebene der ehemaligen Militärkaserne angekommen, mache ich drei Kreuze!
Ich laufe einmal durch die verschiedenen, leere Räume und erkunde das verlassene Gebäude. Normalerweise ein typisches Versteck für Steinböcke in dieser Höhe, aber wohl nicht heute oder nicht hier.
Dann geht es endlich bergab und das auf wunderschön, sanft abfallendem Pfad. Anfangs auf Schotter (aber nicht steil oder rutschig) und dann auf Erde und Gras, sehr angenehmem Untergrund. Malerische schlängelt sich der Weg zwischen den Bergrücken und Hochweiden hindurch.
Am Gipfelkreuz Croce di Caraglio (2336m) kann ich zum erstem Mal wieder ins Mairatal und auf den im Tal liegenden Stausee Lago di Saretto blicken.
Auf dem nächsten kleinen Hügel gibt es zwei Abstiegsvarianten: Etwas flacher und länger auf dem offiziellen Sentiero Pier Giorgio Frassati oder eine etwas verkürzte und steilere Variante.
Ich laufe ja ungern steil bergab und wähle die längere Runde, die malerisch, im weiten Bogen durch die Vallone della Pausa absteigt.
Wenn ich die gezackten Gipfel und Steilhänge des Monte Viraysse und des Vallonasso di Sautron neben und vor mir bewundere, verstehe ich den Beinamen „Dolomiten von Cuneo“ für diese Region.
Granga Pausa ist wieder eine malerische, breite Grasebene mit einem Hof und glücklichen piemontesischen Kühen, die man netterweise durch einen Zaun von mir getrennt hat. Habe ja etwas Respekt oder besser gesagt, Angst vor diesen Tieren.
Militärpiste zurück zur Maira-Quelle
Als ich mich nochmal umdrehe, bevor ich die Hochebene verlasse, sehe ich kurz oberhalb meines Wanderweges, den ich so gemütlich bergab geschlendert bin, eine weitere Militärkaserne (Caserma Vallo Alpino), die ich beim Abstieg absolut nicht gesehen habe….
Oftmals ist es ja so, dass das letzte Wegstück am unspektakulärsten ist und man eigentlich nur noch ankommen will. Nicht so hier: Der breite Militärweg verläuft anfangs in langgezogenen Serpentinen bergab.
Da die Aussicht auf das Mairatal vor mir sooooo schön ist, nehme ich nicht jeder der Abkürzungen, um beim Wandern gleichzeitig Landschaft genießen zu können. Wäre bei den Abkürzungen nicht möglich, da die teils recht steil sind und man sich voll und ganz auf den Weg konzentrieren muss.
Auf dem letzten Kilometer gibt es keine Pfade zum Abkürzen mehr, die Militärstraße führt sanft absteigenden schnurgerade aus. Und das mit einer Wahnsinnsaussicht!
Nun sehe ich nicht nur ins Valle Maira, sondern auch wieder den Weiler Chiappera, mit der sich dahinter steil auftürmende Rocca Provinzale und die Seitentäler Infernetto und Maurin.
Auf diesem Wegstück habe ich doch fast die meisten Fotos gemacht! Dann gibt es nochmal kurz ein bisschen Schatten als ich das letzte Wegstück wieder durch den lichten Lärchenwald wandere.
Nach ca. 5,5std auf dem herausragenden Sentiero Pier Giorgio Frassati bin ich wieder an meinem Ausgangspunkt, an der Quelle des Mairaflusses angekommen. Fazit: Traumtour!!!!!
Und nun: Ab auf die Picknickdecke, Jan telefonisch von meiner Wanderung vorschwärmen und wie richtige Italiener am Wasser entspannen.
Tipps & Infos zum Sentiero Frassati
- Laufrichtung: Die Wandertafel beschreibt die Laufrichtung gegen den Uhrzeigersinn, doch ich rate Euch andersherum, so wie oben beschrieben zu laufen. So habt ihr den steilen Anstieg am Anfang und den aussichtsreichen Militärweg am Ende!
- Beste Wanderzeit: Der Sentiero Pier Giorgio Frassati ist nicht nur eine meiner Lieblingswanderungen im Piemont. Er ist genauso beliebt wie die Maira-Quelle und ihre Picknick-Wiese. In der Hochsaison solltest Du früh ankommen, wenn Du einen Parkplatz an der Quelle haben willst.
- Nimm genug Wasser und Verpflegung mit, es gibt unterwegs keine Einkehrmöglichkeiten
- Denk an Sonnencreme und Sonnenschutz. Ausschließlich am Anfang gibt es etwas Schatten. Der Rest der Wanderung liegt in der prallen Sonne.
Anreise, Parken und Übernachten
Anreise und Parken
Um zum Startpunkt des Sentiero Pier Giorgio Frassati an der Quelle der Maira zu gelangen, musst Du ab Dronero, auf der SP422, durch das gesamte Mairatal fahren. Für die knapp 40km brauchst Du etwas eine Stunde mit dem Auto.
Am Ortsausgang des Weilers Saretto, an der Staumauer des Lago Sarreto, biegst Du scharf links ab und folgst dem Wegweiser zur „Sorgenti del Maira“ noch 1,3km berghoch, durch den Wald folgen.
Direkt neben dem Fluss und der Quelle befindet sich ein Schotterparkplatz und darunter liegend, ein als Parkplatz genutztes Feld (⇨ Lage).
Übernachten
Den angezeigten Campingplatz an der Mairaquelle gibt es nicht mehr. Als autarker Camper ist der Parkplatz jedoch eine wunderbare, kostenfrei Übernachtungsoption.
Vom ehemaligen Campingplatz funktioniert die Toilette (und Spülung) des Toilettenhäuschens noch, Wasser für die verschiedenen Waschbecken wurde jedoch abgeschaltet.
Auch der Wasserhahn am Picknickplatz ist trocken, lediglich der kleine Brunnen, direkt am Mairafluss ist funktionstüchtig.
Für Camper gibt es alternativ, 4km entfernt, den beliebten Campingplatz am Rifugio Campo Base oberhalb des malerischen Dorf Chiappera. In den einfachen Gästezimmern habe ich während meiner Alpenüberquerung 2016 auch übernachtet.
Am nächstgelegen, nur 1km entfernt und dementsprechend auch als Ausgangspunkt für den Sentiero Frassati geeignet, ist die Visaisa taverna & foresteria in Saretto.
Wer war Pier Giorgio Frassati
Pier Giorgio Frassati war der Sohn des Gründers der italienischen Tageszeitung La Stampa und ein leidenschaftlicher Berggänger und Mitglied im Club Alpino Italiano. Er verstarb 1925, mit nur 24 Jahren, an einer schweren Meningitis.
Aufgrund seines Einsatzes für die Armen und Bedürftigen in Turin wurde er in einer Seitenkapelle der städtischen Kathedrale beigesetzt und 1990 von Johannes Paul II. seliggesprochen.
Dieser Wanderweg im Mairatal ist einer von zahlreichen Wegen in ganz Italien, die ihm gewidmet wurden; in jeder Region existiert mindestens ein Sentiero Frassati.