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Meine Alpenüberquerung
Wanderung von Chamonix nach Menton am Mittelmeer

Ich habe meine Alpenüberquerung zwar recht gründlich geplant, doch trotzdem verlief sie oft anders als gedacht.

Ausserdem bin ich einfach losgelaufen, ohne Training und wirklich viel Alpenwissen. Nicht unbedingt clever. Rückblickend gab ich meiner mega tollen Tour den Beinamen: Einen Alpenpass pro Tag!

Hier erfährst Du alles über meine Alpenüberquerung, einer Wanderung in 35 Tagen von Chamonix am Mont Blanc bis nach Menton am Mittelmeer.

Tag 1: Ankunft für meine Alpenüberquerung in Chamonix

Aufstehen, morgens um 4:00 Uhr früh…..
Was tut man nicht alles für den grossen Traum einer Alpenüberquerung!

Flug von Düsseldorf nach Genf um 7:20 Uhr und von Genf weiter mit dem Shuttle über die Grenze nach Chamonix. Nach 1,5std Fahrt bin ich in der touristischen Bergstadt angekommen.

Nach dem Einchecken in der Chamonix Lodge* geht es zum Einkaufen und Sightseeing in die Innenstadt. Das Hostel liegt zwar ein bisschen außerhalb des Zentrums, dafür ist das Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar.

Erster Schockmoment beim Einkaufen im Supermarkt: mein Geldbeutel ist nicht da. Von der peinlichen Situation an der Kasse mal abgesehen, habe ich gedanklich bereits die Polizei eingeschaltet, telefonisch meine Kreditkarte sperren lassen und meine Mutter angerufen, um mir Geld zu schicken.

Glücklicherweise entschließe ich mich doch erstmal im Hostel zu fragen, bevor ich die Kavallerie auf den Plan rufe.

Anscheinend habe ich den Geldbeutel beim Check-in nicht wieder eingepackt und er wurde im Hostel gefunden. Zur Krönung des Tages muss ich den 2. Einkaufsversuch in strömendem Regen eines niedergehenden Gewitters erledigen. Wenigstens kann ich diesmal bezahlen.

Aussicht von Chamonix auf die Alpen, am ersten Tag meiner Alpenüberquerung
Denkmal von Jacques Balmat und Michel-Gabriel Paccard in Chamonix, die auf den Mont Blanc, den höchsten Berg Europas zeigen

Tag 2: Chamonix Lodge – Gite Michel Fagot

Eigentlich wollte ich meinen ersten Wandertag der Alpenüberquerung ruhig angehen lassen. Bin das Bergwandern ja nicht wirklich geübt und habe auch nicht trainiert…..

Der Plan war, mit der Seilbahn zum Brévent Gipfel auf 2525m hochzufahren und von dort gemütlich zu meiner ersten Unterkunft nach Les Houches runter zu wandern.

Das erste Teilstück der Gondelfahrt zum Berg Planpraz kostet mich allerdings schon €14.00 und der Geizhals in mir, wollte nicht nochmal das Gleiche für weitere 625 Höhenmeter zahlen. Also bin ich auf 1900m los gewandert, statt die Gondel für das 2. Teilstück der Fahrt zu nehmen.

Nach nur 10 Minuten war ich nassgeschwitzt, musste meine Wanderstöcke zweimal anpassen und habe mich auch zweimal wettertechnisch umgezogen.

Nach dem Überqueren von ein paar Schneefeldern und dem empor kraxeln mehrerer Leitern an steinigen Berghängen, hatte ich es 2,5std später auf den Brévent Gipfel geschafft.

Auf dem Berggipfel des Brévent mit Aussicht auf den Mont Blanc am ersten Tag meiner Alpenüberquerung
Auf dem Berggipfel des Brévent mit Aussicht auf den Mont Blanc

Während des Ausruhens auf dem Gipfel sprach, mich ein kleines Mädchen an wo ich denn mit meinem riesen Rucksack hinlaufen wolle.

Als ich ihr sage, dass ich eine Alpenüberquerung mache und bis ans Meer laufen wollte, sah sie mich mit grossen Augen an, rief ihren Vater zu uns und erklärt ihm, dass ich ihre Heldin wäre und dass sie dies auch mal machen wollen würde.

Glücklicherweise fragte sie mich nicht wieviel Wegstrecke ich bereits hinter mir hatte… Der Heldin in mir ging es nach dieser Begegnung bedeutend besser und mit neuer Energie lief ich erneut los.

Während des wunderbar entspannten Abstiegs nach Les Houches hatte ich fast durchgängig traumhaft schöne Aussichten auf Chamonix, das Tal unter mir und den Mer de Glace Gletscher auf der anderen Bergseite. Wunderschön!

Um 15:00 Uhr erreichte ich ziemlich erschöpft den Gite Michel Fagot im Dörfchen Les Houches. Eine Stunde später, während ich meine Schokoladen Crêpe genoss, fing es wieder an wie aus Eimern zu regnen. Was ein erster Tag meiner Alpenüberquerung….

Auf dem Berggipfel des Brévent mit Aussicht auf den Mont Blanc, am ersten Tag meiner Alpenüberquerung
Auf dem Berggipfel des Brévent mit Aussicht auf den Mont Blanc

Tag 3: Gite Michel Fagot – Réfuge Les Contamines

Von Les Houches hätte man in nur 5min Gondelfahrt das Plateau de Bellevue erreichen können. Ich bin die 800 Höhenmeter mal wieder lieber gelaufen. Die 2std Aufstieg waren wunderbar menschenleer. Anders ab dem Plateau….

Hier wurde es voll. Aufgrund vieler größerer Menschengruppen entstand auf dem beliebten Wanderweg rund um den Mont Blanc fast Autobahn-Feeling.

Mehrere asiatische Kleingruppen, teilweise unterwegs in Flipflops, mussten selbst auf den schmalsten Pfaden ohne Überholmöglichkeiten, Fotosessions abhalten.

Der Wanderweg über den Gebirgspass Col du Tricot auf 2120 m, ist landschaftlich ein wirklich atemberaubender Streckenabschnitt meiner Alpenüberquerung.

Nach dem sonnigen Tag fing es um 16:00 Uhr (man kann anscheinend den Wecker danach stellen) wieder an zu regnen. Glücklicherweise war ich bereits im CAF Réfuge Les Contamines angekommen.

Aussicht auf Chamonix, am zweiten Tag meiner Alpenüberquerung
Aussicht auf Chamonix
Aussicht auf die Bergwelt des Mont Blanc Gletschers, am zweiten Tag meiner Alpenüberquerung
Bergwelt des Mont Blanc Gletschers

Tag 4: Réfuge Les Contamines – Réfuge du Plan de la Lai

Da ich meine bisher längste Etappe der Alpenüberquerung vor mir habe, bin ich bereits früh auf den Beinen.

Schön, am Bach entlang ging es langsam aber stetig 1200 Höhenmeter hoch, auf den Alpenpass Col du Bonhomme (2300m).

Immer noch auf dem Rundweg um den Mont Blanc ist der Wanderweg weiterhin noch gut besucht. Auf dem Pass, meiner heutigen Maximalhöhe von 2400m verlasse ich diesen Touristenpfad, biege auf den GR5 ab und lasse die meisten Menschen zurück.

Info: Der GR5 ist einer der beliebtesten Weitwanderwege Frankreichs und ein Teilstück des Fernwanderweges E2

Die nun folgende Gratwanderung bietet bei gutem Wetter atemberaubende Aussichten. Ich hatte Nebel und starken Wind und nur lückenweise etwas Sicht.

Doch selbst diese konnte ich nicht wirklich genießen, da ich dank starkem Wind, mehr mit mir selbst und meinem Gleichgewicht beschäftigt war. Zum ersten Mal seit Beginn meiner Alpenüberquerung musste ich meine Jacke gegen die Kälte und den Wind anziehen.

Nach dem Grat ging es schön bergab und auch der Wind hatte sich gelegt. Am Réfuge du Plan de la Lai, auf 1818 m, kann ich sogar noch etwas Sonne geniessen. Handy aufladen ist heute leider nicht möglich; der Strom aus Sonnenenergie ist rationiert.

Wanderweg zum Col du Bonnehomme, am vierten Tag meiner Alpenüberquerung
Wanderweg zum Col du Bonnehomme

Tag 5: Réfuge du Plan de la Lai – Réfuge de la Balme

Anfangs lief ich einen sehr schönen aber absolut schlammigen Wanderweg am Berghang entlang.

Beim Überqueren einer Weide werde ich von einer Horde Kühe angegriffen und kann mich nur durch Rennen, in letzter Minute auf die andere Seite des Gatters retten. Ist mir auch noch nie passiert….

Auf dem steinigen und steilen Wanderweg über den Alpenpass Col du Presset (2515m) lerne ich 3 französische Studenten kennen. Zusammen machen wir nach dem Abstieg auf der anderen Seite eine nachmittägliche Siesta auf einer wunderschönen Blumenwiese am Ufer eines Bergbaches.

Am Abend lerne ich im Réfuge de la Balme Dani und Matthias aus Stuttgart kennen. Das Paar ist ebenfalls auf einer Alpenüberquerung unterwegs.

Lustigerweise habe ich mit den Beiden bereits an meinem 2. Tag in Les Houches beim Abendessen am selben Tisch gesessen. Da ich die vorherigen Abende immer alleine verbracht habe, geniesse ich den Tagesausklang mit den beiden am Kaminfeuer beim Quatschen.

Alphütte Refuge de la Balme auf meiner Alpenüberquerung
Vor der Almhütte Refuge de la Balme

Tag 6: Réfuge de la Balme – La Portette

Da Dani und Matthias denselben Weg haben, brechen wir am nächsten Tag gemeinsam auf.

Ein langer und sehr einfacher Abstieg führt uns über breite Forstwege in ca. 2,5std in das Bergdorf Valezan. Überall laufen Murmeltiere über die Wiesen und die sind überhaupt nicht schüchtern.

Vesper (Mittagessen in Hochdeutsch) ist ganz wichtig für die beiden Schwaben. Dies verbringen wir am Flussufer der Isère, im Tal. Dann stellt sich mal wieder raus, wie unvorbereitet ich doch bin. Ich ging davon aus, ganz in der Nähe meiner Herberge zu sein.

Laut Google ist diese nur 500 Meter von dem netten Bergdorf entfernt. Zur Belustigung meiner Begleiter stellt sich jedoch heraus, dass dies nur Luftlinie ist und ich noch weitere 1,5std wieder Berghoch, ins Dorf Bellentre kraxeln muss….

Murmeltiere in den Alpen und auf vielen Alpenpässen
Unsere Wegbegleiter bei der Alpenüberquerung: Murmeltiere

Nach unserer Pause trennen sich unsere Wanderwege also erstmal wieder. Die Schwaben haben in einem anderen Dorf ihre Unterkunft gebucht und ich mache mich an den Aufstieg.

Meine schöne Unterkunft La Portette* ist nah dem niedlichen Skiort Monchavin, in welchem ich den Rest des Nachmittags in der Sonne verbringe, während alle meine elektrischen Geräte im Zimmer endlich wieder aufgeladen werden können.

Nach 2 Tagen habe ich mal wieder Strom und auch Internet. Schon komisch, so ganz ohne…

Übernachtungshütte Refuge de la Balme auf meiner Alpenüberquerung
Teil des Refuge de la Balme

Tag 7: La Portette – Réfuge de Rosuel

Nach dem reichhaltigsten aber auch spätestens Frühstück meiner bisherigen Alpenüberquerung breche ich um 8:45 Uhr auf. Heute zum ersten Mal in meinen Wandersandalen.

Dies stellt sich allerdings als keine gute Wahl heraus. Nach dem gefühlt 100sten Stein im Schuh wechsel ich wieder in meine Wanderstiefel.

Heute habe ich mich auch zum ersten Mal seit Beginn meiner Wanderung verlaufen:
Die Ausschilderung oberhalb des Bergdorfes Montchavin war wirklich mehr als dürftig und absolut irreführend.

Erst nach 45min im Kreis laufen, haben sich Lola (mein Wander-Navi) und ich auf einen Weg geeinigt. Ob es wirklich der GR5 war…. keine Ahnung!

Insgesamt wieder eine recht kurze und einfache Etappe auf meiner Alpenüberquerung. Bereits um 12:30 Uhr und das inklusive meiner Irrwanderung am Morgen, komme ich im Réfuge de Rosuel (1550 m), am Eingang des Nationalpark Vanoise an.

Noch nicht ausgelastet, wandere ich am Nachmittag noch eine Runde um die Herberge und lege mich an den kleinen Fluss (Le Ponturin) in die Sonne.

Alpensicht im Nationalpark Vanoise, am siebten Tag meiner Alpenüberquerung
Alpensicht im Nationalpark Vanoise

Tag 8: Réfuge de Rosuel – Réfuge du Col du Palet

Ich starte den 8. Tag meiner Alpenüberquerung mit einem sanften und schönen Aufstieg entlang einer Bergwand aus vielen, kleinen Wasserfällen.

Ca. eine Stunde später durchwandere ich eine herrliche Ebene und anschließend eine Stein- und Blumenlandschaft, entlang eines Gebirgsbaches.

Genauso habe ich mir die Wandertage meiner Alpenüberquerung vorgestellt! Todesmutig überquere ich eine Kuhwiese und schlage 3 Kreuze, die Wiese ohne Beachtung der Tiere durchquert zu haben.

Bereits um die Mittagszeit erreiche ich mein Tagesziel, das Réfuge du Col du Palet auf 2590 m. Diese frühe Ankunft nutze ich, um auf der Terrasse Crêpes in der Sonne zu genießen. Mal wieder gibt es keinen Strom oder Internet, doch daran gewöhne ich mich langsam.

Am Nachmittag gibt es zur Überraschung und Freude aller anwesenden Gäste ein Impro-Theaterstück, aufgeführt durch die Dorfbewohner.
Die Nacht ist kuschelig, da die 70 cm breiten Matratzen, ohne Abstand, direkt nebeneinander liegen.

Wanderweg entlang vieler Wasserfälle auf meiner Alpenüberquerung
Toller Wanderweg entlang vieler Wasserfälle
Bergsee in den Alpen auf meiner Alpenüberquerung
Wunderschöner Bergsee
Sonnenuntergang in den Alpen nah dem Refuge du Col du Palet, mit Blick auf einen Alpenpass
Wunderschöne Stimmung beim Sonnenuntergang

Tag 9: Réfuge du Col du Palet – Réfuge de la Leisse

Herunterkommend von dem schönen, grünen Tal der Vanoise, stehe ich plötzlich im Skigebiet von Tigne.

Auf diesen Anblick war ich nicht vorbereitet: Lauter Skilift und -anlagen sowie Schneemaschinen und ein Dorf, dass nur für den Tourismus gebaut worden zu sein scheint.

Diese Aussichten gehören wohl heutzutage leider auch zu einer Alpenüberquerung und ins Landschaftsbild….

Der Wanderweg führt an mehreren Liftstationen vorbei und bietet eine tolle Talsicht auf den weniger schönen Ort. Nach einer erfolglosen Suche nach Internet im leeren Touristendorf, geht es auf der gegenüberliegenden Hangseite, parallel zum nächsten Skilift wieder Berghoch.

Glücklicherweise verlässt der Wanderweg die Lifte irgendwann und das Gelände wird steiniger. Je höher ich komme, desto windiger wird es auch. Mal wieder muss ich Reste von Schnee- und Eisfeldern überqueren.

Ab dem Alpenpass Col de la Leisse (2760 m) geht es sanft abwärts, durch eine weite und menschenleere Steinebene.

Kurz nach meiner Ankunft im Réfuge de la Leisse, wieder nur betrieben mit Solarenergie und somit ohne Strom und Internet für mich, fängt es an zu regnen. Und es hört auch nicht wieder auf….

Bergwelten hinter dem Refuge Col du Palet im Vanoise am neunen Tag meiner Alpenüberquerung
Refuge Col du Palet im Vanoise
Aussicht auf das Alpendorf Tigne auf meiner Alpenüberquerung
Aussicht auf das Alpendorf Tigne
Gebirgssee auf einer Hochebene auf meinem Wanderweg
Hochebene oberhalb von Tigne

Tag 10: Réfuge de la Leisse – Gite de Para

Da die Wettervorhersage für den Nachmittag wieder Schauer und Gewitter angesagt hat, stehe ich morgens schon um 6:00 Uhr auf und starte im Regen, um nicht zu spät am nächsten Etappenziel anzukommen.

Zum ersten Mal seit Beginn meiner Alpenüberquerung wandere ich in voller Regenmontur. Wenigstens habe ich das Regenzeug nicht umsonst mitgeschleppt.

Unter besseren Wetterbedingungen ist der Weg durch das Tal, unterhalb des beliebten Mont Cenis Gebietes, bestimmt wunderschön, doch vor lauter Nebel und Regen sehe ich fast nichts davon….

Klatschnass kann ich mich nach ca. 2std Gewaltmarsch durch den Regenguss, endlich umziehen, da das Wetter umgeschlagen hat.

In Turnschuhe, die Wanderstiefel sind auch durchweicht, geht es durch ein breites Tal. Eine Stunde später fängt es schon wieder an zu nieseln….

Aufgrund der Wetterlage entschließe ich mich vom Parkplatz de Bellecombe (2300 m) den kostenfreien Shuttlebus ins Dorf Termignon (1300 m) zu nehmen. Das erste und einzige Mal, dass ich während meiner Alpenüberquerung auf öffentliche Verkehrsmittel umsteige.

Zu meiner Freude stelle ich fest, dass mein eigentlicher Wanderweg nicht zu den Highlights der Tour gehört hätte, da er immer wieder die Serpentinen der Straße schneidet.

Im Gite de Para bin ich heute der einzige Gast. Da ich ausnahmsweise keine Halbpension gebucht habe, gönne ich mir eine leckere Pizza zum Abendessen, während alle meine Schuhe unter der Heizung trocknen.

Wanderweg auf einem Alpenpass während meiner Alpenüberquerung
Wanderweg in Richtung Termignon

Tag 11: Gite de Para – Refuge-Camping la Sapiniere

Es hat die ganze Nacht geregnet und die Wolken hängen tief heute Morgen.

Die heutige Etappe meiner Alpenüberquerung auf dem GR5E ist kilometermässig zwar ziemlich lang, der Weg aber ausnahmsweise recht eben und dementsprechend einfach begehbar.

Eher unspektakulär und langweilig führen mich die breiten Forstwege am Berghang entlang, oberhalb der Strasse. Highlight des Tages ist die Sicht auf die Forts von L’Esseillon auf der anderen Hangseite.

Wandertipp: Die 5 Forts von L’Esseillon lassen sich hervorragend auf dem schönen Wanderweg Sentier des Bâtisseurs erkunden. Besichtigungen der Festungen sind übrigens kostenfrei!

In dem Retorten Skiort Norma mache ich Mittagspause, bevor ich nach Modane absteige.

Um von dem gebuchten Campingplatz in die Stadt zum Einkaufen zu kommen, muss man erst ewig an den Bahngleisen entlang laufen und diese dann durch einen wirklich unheimlichen Tunnel im Industriegebiet unterqueren. Unheimlich und echt nicht schön….

Abends treffe ich meine schwäbischen Bekannten Dani und Matthias wieder. Wir hatten uns vor einer Woche für heute zur gemeinsamen Übernachtung in Modane verabredet, da wir ab hier ein paar Tage denselben Weg haben.

Entlang des Wanderwegs meiner Alpenüberquerung das Fort Redoute Marie-Thérèse
Forts von L’Esseillon

Tag 12: Camping La Vanoise – Rifugio Terzo Alpini

Die ersten 2std des Tages wandern wir nur Berghoch. Macht aber nichts, Hauptsache raus aus dieser Stadt und wieder hinein in die Berge. Im Skiort Valfréjus, auf 1550 m, geniessen wir ein 2. Frühstück.

Bis Mittags steigt der immer schöner werdende Wanderweg zwar weiterhin stetig an, aber nur noch sehr sanft. In einer weiten Ebene, auf einer wunderschönen Blumenwiese, mit Blick auf den Mont Thabor, einen 3178 m hoher Berg der Cottischen Alpen, machen wir Vespa-Pause.

So viele Essenspausen mache ich alleine sonst nicht, da geht das Essen eher schnell und eher so nebenbei. Doch meine Begleiter zelebrieren jede Mahlzeit ausgiebig und dem schließe ich mich doch gerne an.

Blumenwiese und Berge um einen Gebirgssee auf einem Alpenpass, während meiner Alpenüberquerung
Vespa Pause

Ab dem Alpenpass Colle de la Valleé Etroite (2440 m) geht es 2std bergab durch ein traumhaft schönes Tal mit Wasserläufen, Blumen und hohen Felsen, dem malerischen Vallée Étroite.

Die Herberge, Rifugio Terzo Alpini, auf 1780 m liegt zwar auf französischem Staatsgebiet, doch alles, inklusive Telefonvorwahl und Cappucino-Preisen, ist italienisch.

Da ich dies nicht wusste, war ich erstmal kurz verwirrt, als ich bei der Ankunft auf Italienisch begrüßt wurde. Hatte kurzzeitig Angst, mich verlaufen zu haben….

Beim Abendessen haben wir noch weitere, sehr nette Wanderer kennengelernt und einen sehr lustigen Abend zusammen am Lagerfeuer verbracht.

Unsere internationale Gruppe bestand an diesem Abend aus uns drei Deutschen, dem Franzosen Frédéric, dessen einziger deutscher Satz „Ich bin eine Wildblume“ lautete, Joseline aus der Schweiz und 2 Hawaiianerinnen.

Dies war mit Sicherheit einer der schönsten und geselligsten Abende meiner Alpenüberquerung.

Blumenwiese auf dem Col de la Vallee Etroite
Wildblumen auf dem Col de la Vallee Etroite
Bergsee auf dem Alpenpass Col de la Vallee Etroite, entlang der Route meiner Alpenüberquerung
Bergsee auf dem Col de la Vallee Etroite

Tag 13: Rifugio Terzo Alpini – Gite de Creux des Souches

Am Morgen trennen sich unsere Wege wieder. Zu Dritt wandern wir einen schönen Waldweg Bergauf, bis auf 2200 m.

Auf der weiten Grasebene mit schönem See befand sich früher die italienisch-französische Grenze. Ein breiter Wanderweg führt durch hier extrem hohes Gras langsam den Berg wieder runter, bis ins niedliche Dörfchen Névache (1600 m).

Hier trenne ich mich auch von Dani und Matthias, die ab hier weiter auf dem Wanderweg E5 laufen. Hätte ich damals gewusst wie schön die Festungsstadt Briancon ist, die auf dem E5 das nächste Etappenziel ist, wäre ich ebenfalls da lang gelaufen…..

So aber, haben wir ein Wiedersehen für die letzten Etappen unserer Alpenüberquerung geplant und laufen in verschiedene Richtungen weiter. Den Rest des sonnigen Nachmittags verbringe ich auf der Terrasse des Gite de Creux des Souches.

Bergsee auf einem Alpenpass entlang meines Wanderweges auf meiner Alpenüberquerung
Bergsee auf der Grenze zwischen Italien und Frankreich

Tag 14: Gite de Creux des Souches – Gite Guibertes

Nach einem später aber tollen Frühstück geht es um 8:15 Uhr los. Erst noch sanft ansteigend am Fluss entlang, wird der Wanderweg bald sehr steil.

Vom Réfuge Buffère bis zum Alpenpass Col de Buffère auf 2430 m, geht es anschließend durch eine schöne Ebene mit beschaulichem Flusslauf.

Der Abstieg zum Dorf Monetier-les-Bains im beliebten Skigebiet Serre Chevalier auf 1500 m führt später über breite Forstwege, in der prallen Sonne!

Meine sehr nette Herberge, das Gite Les Guibertes* liegt gut 3 km außerhalb des Dorfes. Ich lege dort nach der frühen Ankunft meinen Rucksack ab und schlendere zum Einkaufen und Abendessen ins Dorf.

Ich fühle mich leicht wie eine Feder ohne meine 12 kg auf dem Rücken.
Kurz vor dem abends einsetzenden Gewitter, schaffe ich es noch trockenen Fußes, zurück zu meiner Unterkunft.

Wanderweg auf den Col de Buffere
Wanderweg auf den Col de Buffère

Tag 15: Gite Guibertes – Gite d’étape l’Aiglière

Die Etappe heute war die am wenigstens schöne, meiner bisherigen Alpenüberquerung.
Bin um 7:00 Uhr im Nieselregen aufgebrochen. Dieses Wetter hielt sich bis ca. 10:30 Uhr konsequent und wurde durch immer stärker werdende Winde noch ungemütlicher.

Die ganze Zeit führt der Wanderweg steil den Berg hoch, immer am Skilift entlang und durch hohes Gras. Dank dem starken Wind, hatte ich auf dem Alpenpass Col de l’Eychauda (2470 m) das Gefühl gleich abzuheben.

Dort musste ich auch meine Wanderstiefel wieder gegen die Turnschuhe wechseln. Die Stiefel waren klatschnass!

Auf dem anschliessenden Sepentinenweg ins Tag liess der Wind dann glücklicherweise etwas nach, genau wie der anstrengende Nieselregen.

Die letzten 30min führte der eh eher schlecht beschilderte Wanderweg GR54 entlang der Hauptstrasse nach Vallouise. In diesem niedlichen Bergdorf auf 1100 m übernachte ich im Gite d’étape l’Aiglière.

Regen Outfit für das Wandern
Ausnahmsweise in voller Regenmontur

Tag 16: Gite d’étape l’Aiglière – Hotel & Gite 5 Saisons

Heute war ich lauftechnisch sehr fleissig: Da ich eine sehr kurze Etappe vor mir hatte, bin ich ganz gemütlich um 7:00 Uhr losgeschlendert.

Obwohl ich mich echt bemüht habe, langsam zu wandern, war ich bereits um 10:30 Uhr auf dem Alpenpass Col de la Pousterle (1760 m), kurz vor meinem Tagesziel.

Da ich nicht wieder den Rest des Tages einfach untätig rumbringen wollte, beschloss ich spontan heute gleich die Folgeetappe zu laufen. Nach 2 Anrufen war das glücklicherweise auch übernachtungstechnisch kein Problem.

So bin ich nach dem Pass wieder in das nächste Tal abgestiegen, bis auf 980 m, um auf der anderen Talseite zum nächsten Pass wieder aufzusteigen.
Sehr schöner Wanderweg: schattige Pfade und nur sanfter Anstieg.

Kurz vor dem Alpenpass Col de Lauzes (1840 m) wurde ich von irgendetwas ins Bein gebissen. Für den Rest des Tages hatte ich Schmerzen, die Wunde schwoll extremst an und ich hatte Heiß- und Kaltschübe. Musste mich immer wieder kurz setzen, um Pause zu machen.

Um 15:00 Uhr kam ich in meiner Unterkunft an und wurde, wahrscheinlich aus Mitleid von der Herberge, ins angeschlossene Hotel upgrgraded. Außer mir gab es aber auch keine anderen Gäste…. Ich bekam ein Einzelzimmer mit eigenem Bad: was ein Luxus!!!!

Mein Bein schmerzt weiter aber eine Apotheke ist nicht in der Nähe. Da muss ich nun durch und mache das Beste draus, in dem ich den Nachmittag im Liegestuhl vor mich hin döse.

Mein Abendessen bekomme ich zum ersten Mal seit dem Start meiner Alpenüberquerung, im Freien auf der Terrasse serviert.

Aussicht auf ein schönes Tal von einem Gebirgspass während meiner Alpenüberquerung
Wunderschöne Talsicht

Tag 17: Hotel & Gite 5 Saisons – Gite du Glacier bleu

Nach einem späten, dafür sehr guten Frühstück, geht es um 8:30 Uhr wieder los.
Die Schmerzen in der Wunde sind glücklicherweise weg aber alles im grösseren Umkreis um den Einstich ist knallrot und angeschwollen. Ausserdem juckt es wie Hölle!

Laut meinem Plan müsste ich entlang der Strasse um einen Berg herum wandern. Marc, der Hotelbesitzer, meint jedoch, ich solle den viel schöneren Weg über den Alpenpass Col des Combes wandern und zeigt mir auf der Karte den Weg.

Schon die Abzweigung vom Hauptwanderweg findet meine Lola (so nenne ich mein Wander-Navi) nicht gut. Ich habe sie heute zum ersten Mal angemacht und schon sind wir uns uneins. Sie möchte nicht, dass ich diesen Weg nehme….

Egal, ich nehme ihn trotzdem. Der immer schmaler werdende Pfad bergauf existiert für Lola nicht und nach anderthalb Stunden Aufstieg, ist er für mich auch nicht mehr ersichtlich.

Er wurde immer schmäler und löste sich dann auf dem Waldboden irgendwie auf…. Natürlich versuche ich trotzdem weiterzugehen.

Dank Lola sehe ich ja wo ich hin muss. Doch der Berg wird immer steiler und irgendwann muss ich leider aufgeben und Lola recht geben: Der Weg war keine gute Idee und bestimmt nicht, der Wanderweg den Marc mir empfohlen hat.

Der steile Rückweg und Abstieg mit dem schweren Rucksack war der erste kritische Situation meiner Alpenüberquerung vor über 2 Wochen. Habe zwischenzeitlich kurz überlegt wie mich der ADAC Rettungshubschrauber zwischen den dichten Bäumen finden und retten würde.

Um 11:30 Uhr stehe ich überglücklich an meinem Ausgangspunkt und genieße den Weg entlang der Straße, den ich eigentlich umgehen wollte.

Um 15:00 Uhr erreiche ich das Fort Mont-Dauphin. Die Zitadelle liegt auf einem felsigen Plateau mit Blick auf die Täler der Durance und Guil.

Da heute Sonntag ist, hat auch heute keine Apotheke auf. Außerdem übernachte ich innerhalb der Festungsmauern und hier gibt nichts außer schöner, alter Gebäude.

In dem Gite du Glacier bleu bleibe ich 2 Nächte. Ich habe ja vor ein paar Tagen 2 Etappen an einem Tag gemacht und gönne mir dementsprechend nun einen Ruhetag.

Da ich einen Tag zu früh angekommen bin und in der Unterkunft alles belegt ist, werde ich im unbenutzten Kinderzimmer der Besitzerin einquartiert.

Am Nachmittag erkunde ich das ehemalige Fort mit seinen alten Gebäuden und schöner Aussicht auf die umliegende Landschaft. Echt schön idyllisch hier vor allem als abends die Tagestouristen das Dorf verlassen.

Schönes Dorf Mont-Dauphin auf meinem Wanderweg zum Mittelmeer
Dorf Mont-Dauphin innerhalb der Festungsmauern

Tag 18: Erster und einziger Ruhetag meiner Alpenüberquerung

Ruhetag! Wie Furchtbar! Nichts tun, liegt mir einfach nicht…. Aber wenn ich nicht alle weiteren Unterkünfte kontaktieren und umbuchen will, bleibt mir keine Wahl als heute mal Wanderpause zu machen.

Bereits morgens weiß ich, dass dies definitiv der erste und letzte Ruhetag meiner Alpenüberquerung sein wird!

Als erstes beschließe ich nach Guillestre, das nächstgelegene Dorf, zu laufen. Dort will ich Proviant kaufen und endlich eine Apotheke aufzusuchen. Vom Festungsberg geht es bergab, auf die andere Flussseite und die Schlucht auf der anderen Seite wieder hoch.

Die „kleine“ Wanderung dauert dann doch 1,5std. Unglaublicherweise vermisse ich die 12kg des Wanderrucksacks auf meinem Rücken.

Nach dem Großeinkauf im Supermarkt und dem Apothekenbesuch, bei welchem man mir eine Kortisonsalbe mitgegeben hat, wandere ich am Fluss entlang zum Erholungsgebiet und genieße den Nachmittag in der Sonne, am See.

Anschließend geht es den Hügel zum Fort wieder hoch und ich verbringe den Rest des Tages mit Lesen und dem Beobachten der Touristen, von der Terrasse der Unterkunft.
Insgesamt habe ich dann doch 20 km heute gemacht, aber leider keinen einzigen Alpenpass….

Festung in den Alpen: Mont Dauphin
Alpen-Festung: Mont Dauphin
Festung in den Alpen: Mont Dauphin
Alpen-Festung: Mont Dauphin

Tag 19: Gite du Glacier bleu – Réfuge de Furfande

Der heutige Tag meiner Alpenüberquerung ist eher wieder nicht so schön, aber wenigstens wandere ich wieder.

Anfangs war es noch recht warm als ich den total einsamen Hangweg entlang lief. Teilweise beängstigend schmal, direkt neben dem Abgrund….

Irgendwann hatte der kleine Pfad auch wieder eine angenehme Breite, während das Wetter umschlug und kühler und windiger wurde.

Auf einem langen, erst nur sanft ansteigend dann richtig steil werdenden Aufstieg zum Gebirgspass Col Garnier, werde ich von einer Horde Fliegen belästigt und verfolgt. Richtig unangenehm und nervig!

Erst kurz vor dem Gipfel auf 2280 m, werde ich die Biester erst wieder los. Prompt fängt es dann auch noch an zu regnen.

Die angeblich und bestimmt auch wunderschöne Ebene auf dem Weg zu meiner Unterkunft, kann ich dank Regens, leider weder richtig sehen, noch geniessen.

Vollkommen durchnässt erfahre ich dann im Réfuge de Furfande (2300 m) dass ich wegen Überfüllung die Nacht im Zelt verbringen muss. Dieses war glücklicherweise bereits aufgebaut und hatte eine richtige Matratze drin liegen.

Wanderweg über den Gebirgspass Col Garnier in den französischen Alpen
Gebirgspass Col Garnier in den französischen Alpen
Übernachtung während meiner Alpenüberquerung im Zelt vor dem Refuge de Furfande in den französischen Alpen
Mein Zelt beim Refuge de Furfande

Tag 20: Réfuge de Furfande – Gite de Ceillac Les Balladines

Die ungewohnten Geräusche des pfeifenden Windes wecken mich bereits um 5:30 Uhr.
Bei nur 5 Grad ist es aber wenigstens wunderbar sonnig. Und ich stelle zu meiner Freude fest, dass die Ebene um die Unterkunft herum, wirklich traumhaft schön ist.

In voller Montur, da es, wie gesagt, recht frisch ist, folge ich dem Wanderpfad, der sich sanft den Hang hinab windet.

Am Fluss Guil, auf 1200 m, wechsel ich auf die andere Seite der Schlucht. Durch schöne Wälder und über blühende Wiesen geht es dann wieder aufwärts bis zum Alpenpass Col de Bramousse (2250 m).

Gegen 14:00 Uhr erreiche ich das niedliche Dorf Ceillac, mein heutiges Ziel im wirklich wunderschönen Queyras Naturpark.

Da es in diesem Dorf nicht wirklich etwas zu tun oder sehen gibt, verbringe ich den Nachmittag wieder mal mit Lesen vor dem Gite de Ceillac Les Balladines, im Schatten des beeindruckenden Monviso, dem König aus Stein der Cottischen Alpen.

Wanderweg auf dem Weg zum Gebirgspass Col de Bramousse der französischen Alpen
Wind auf dem Col de Bramousse
Alpendorf Ceilliac mit dem Gite de Balladine
Kirche des Alpendorf Ceilliac

Tag 21: Gite de Ceillac Les Balladines – Réfuge de Maljasset

Die ersten 30 Wanderminuten des heutigen Tages meiner Alpenüberquerung war ich mal wieder mit An- & Ausziehen beschäftigt.

Bei Werten um den Gefrierpunkt am Morgen sollte ich wohl doch mit langen Hosen und Pullover losziehen…. Der Wanderweg führt immer entlang des Baches, sanft ansteigend.

Erste Snackpause gibt es am wunderschönen Bergsee Lac Mirror auf 2200 m. 200 Höhenmeter weiter folgt der nächste tolle See: Lac de St. Anne, mit kleiner Kapelle am Ufer. Wäre ich in der Schweiz, würde ich diese idyllischen Bergseen in meine Liste der schönsten Bergseen der Schweiz aufnehmen!

Anschließend geht es weiter über einen Stein- & Sandberg auf den Alpenpass Col de Girardin (2700 m) mit tolle Weitsicht auf die umliegenden Berge.

Es folgt ein sehr schöner und wieder einsamer Abstieg. Nur die letzten 30min des Wanderwegs zum Réfuge de Maljasset waren richtig steil und nicht gerade einfach zu laufen.

Mein Biss im Bein scheint mittlerweile gut verheilt denn er ist kaum noch sichtbar und tut auch nicht mehr weh. Ich verschenke also den Rest meine Kortisonsalbe denn jedes Gramm zählt, wenn man es tragen muss.

Wunderschöner Bergsee Lac Mirror in den fränzösischen Alpen während meiner Alpenüberquerung
Bergsee Lac Mirror
Wunderschöner Bergsee Lac Mirror in den fränzösischen Alpen während meiner Alpenüberquerung
Bergsee Lac Mirror
Wanderweg auf dem  Alpenpass Col de Girardin in den französischen Alpen
Bergwelt des Col de Girardin

Tag 22: Réfuge de Maljasset – Rifugio Campo Base

Nachts hat es leicht gefroren. Doch mittlerweile habe ich ja gelernt, dass ich mich morgens doch besser noch etwas einpacken muss und lange Wanderklamotten anziehen sollte.

Der Wanderweg zum Gebirgspass Colle del Maurin, der Grenze zwischen Frankreich und Italien ist wunderschön, mit großen Steinen und üppigen Graslandschaften. Der sanfte Anstieg von 700 Höhenmetern treibt mir nicht mal Schweiz ins Gesicht.

Auf dem Pass ist die Landesgrenze hier nicht mal mit einem Grenzstein markiert. Auf italienischer Seite geht es genauso sanft wieder bergab. Mal wieder todesmutig durchquere ich eine Kuhherde, die sich glücklicherweise absolut gar nicht für mich interessiert.

Um 13:30 Uhr bin ich bereits in meiner Herberge dem Rifugio Campo Base* angekommen und genieße den Rest des Nachmittags das Alpenpanorama bei gutem und günstigen Cappuccino in der Sonne.

Wanderweg zum Gebirgspass Colle del Maurin, der Grenze in den französischen und italienischen Alpen
Wanderweg zum Gebirgspass Colle del Maurin, der Grenze in den französischen und italienischen Alpen
Wanderweg zum Gebirgspass Colle del Maurin, der Grenze in den französischen und italienischen Alpen
Graslandschaft auf dem Grenzpass inmitten der Alpen

Tag 23: Rifugio Campo Base – Posto Tappa Cialvetta

Die heutige Etappe meiner Alpenüberquerung war mal wieder recht kurz und kein Highlight der Route.

Nachts hat es zwar nicht gefroren, aber es ist trotzdem ziemlich kalt am Morgen. Dick eingepackt, steige ich die nur 500 Höhenmeter zum Alpenpass Col Ciarbonet (2190 m) auf.

Dabei komme ich an der Quelle des Mairaflusses vorbei, der Ausgangspunkt einer der schönsten Rundwanderungen des gesamten Mairatals ist.

Die 2,5std durch den Wald dorthin, mit teils steilem Anstieg sind wirklich anstrengend. Außerdem stinkt es auf der Etappe und ich muss aufpassen, wo ich hintrete: vor mir war eine Kuhherde auf dem Pfad unterwegs und hat ihre Haufen hinterlassen.

Auf der anderen Seite des Gebirgspasses geht es über breite Kieselstein-Serpentinen, in der prallen Sonne, den Berg wieder runter.

Das schönste Stück heute sind die letzten 30min Wanderweg entlang eines Baches, der mich nach Cialvetta bringt.

Im Posto Tappa ist eine Gruppe deutscher Wanderer untergebracht, mit denen ich den Nachmittag und Abend mit Quatschen und Kartenspielen verbringe.

Wanderweg nach Gebirgspass Colle del Maurin, der Grenze in den französischen und italienischen Alpen
Bergwelt hinter dem Colle del Maurin

Tag 24: Posto Tappa Cialvetta – Rifugio Le Barricate

Den schönen Wanderweg am Bach entlang darf ich heute früh nochmals in die andere Richtung gehen.

Ab dem Gebirgsdorf Viviere geht es einen angenehm ansteigenden Bergweg zum Alpenpass Passo della Gardetta (2400 m) hoch.

Vorbei an verlassenen Bunkeranlagen geht es anschließend durch eine Steinwüste. Pralle Sonne, kein Schatten weit und breit….

Eine Stunde später bin ich nass geschwitzt und ab dem Pass auf 2700 m, geht es dann endlich wieder bergab. Nur langsam verändert sich das Landschaftsbild dieser unwirklichen Steinwelt.

Erst ist es nur etwas Gras und dann auch wieder wilde Blumen. Ein herausragendes Wegstück meiner Alpenüberquerung!

An der Hauptstraße SS21 hört der GTA, dem ich folge, plötzlich auf und ich muss meinen Weg nach Ponte Bernardo suchen.

Im Rifugio Le Barricate bin ich heute der einzige Gast und werde aus diesem Grund in ein Restaurant zum Essen geschickt. Meine Halbpension nehme ich an einem schicken Einzeltisch ein und meine 3 Gänge darf ich frei von der Karte wählen.

 Wanderweg auf dem Gebirgspass Passo della Gardetta in den italienischen Alpen
Passo della Gardetta
Wanderweg hinter dem  Alpenpass Passo della Gardetta auf meiner Alpenüberquerung
Wanderweg nach dem Passo della Gardetta

Tag 25: Rifugio Le Barricate – Rifugio Migliorero

Heute hatte ich den bisher anstrengendsten und auch längsten Tag meiner Alpenüberquerung: Die ersten 4 km (1,5std) wandere ich entlang einer kaum genutzten, alten Militärstraße bis zum Rifugio Talanico (1700 m).

Von dort bin ich guten Mutes dem Wegweiser des GTA gefolgt. Ich habe mich noch kurz über die Richtung gewundert, die der Weg nahm, aber Wanderwege führen ja selten gerade aus. Also würde das schon passen….

2,5std und 900 Höhenmeter später stehe ich auf dem Colle di Stau auf 2600 m und stelle mit Schrecken fest, das ich auf dem falschen Alpenpass stehe!

Ich bin dem GTA in die falsche Richtung gefolgt! Ich drehe um und laufe so schnell wie es am Berg gefahrfrei möglich ist denselben Weg ins Tal zurück.

Alpenpass Colle di Stau in den italienischen Alpen
Colle di Stau

Um 12:30 Uhr stehe ich wieder an meinem Ausgangspunkt auf 1700 m und beginne den Aufstieg auf den Passo Scolettas (2220 m).

Erst geht es steil Berghoch, anschließend über eine wunderschöne Grasebene. Völlig k.o. stehe ich 1,5std später auf dem Gebirgspass.

Von dort geht es sanfte, breite Wanderwege abwärts. Nach 20min Glückseligkeit des Bergablaufens, geht es über Stock und Stein auf winzigen Bergpfaden wieder aufwärts.

Ein absolut herausragender Aufstieg, vorbei am Rifugio Zanotti, immer entlang eines kleinen Baches.

Alpenpass Passo Scolettas in den italienischen Alpen
Passo Scolettas
Wanderweg zum Gebirgspass Passo di Rostagno auf meiner Alpenüberquerung
Wanderweg zum Gebirgspass Passo di Rostagno

Körperlich bin ich mittlerweile absolut am Ende angekommen und kann deswegen die Schönheit der Natur gar nicht richtig genießen.

Nur ein bisschen später, würde ich am liebsten anfangen zu weinen: Der Wanderweg führt geradewegs auf eine „Sackgasse“ zu. Ein abgeschlossenes Tal mit hohen Felsen auf allen Seiten…

Ich musste also über einen weiteren Pass! Damit hatte ich nun wirklich nicht mehr gerecht und stand kurz vor der Verzweiflung. Schleichend folge ich dem tollen Bergziegenpfad immer weiter den steinigen Berg hoch.

Kurz bevor ich erneut erwäge den ADAC Hubschrauber zur Hilfe zu rufen, stehe ich um 16:00 Uhr auf dem 3. Alpenpass des Tages, dem Passo di Rostagno auf 2640 m.

Alpenpass Passo di Rostagno auf meiner Wanderung durch die italienischen Alpen
Passo di Rostagno

Zu meiner großen Freude und Erleichterung sehe ich unten im nächsten Tal mein heutiges Etappenziel: Das Rifugio Migliorero.

Es hat eine wirklich einmalige Lage, auf einem kleinen Hügel. Absolut malerisch! Definitiv die schönst gelegene Unterkunft meiner Alpenüberquerung.

Ich schleppe mich die 500 Höhenmeter vom Pass langsam bergab. Begleitet werde ich von einer Herde Gämsen. Eigentlich der Traum eines jeden Wanderer dieses Ambiente.

Eine weitere Stunde später hieve ich mich die Stufen zum Rifugio hoch und muss noch in den Schlafsaal im 3. Stock….

Während des Abendessens versucht ein nettes italienisches Ehepaar mit mir zu kommunizieren aber die paar Brocken der Landessprache, die ich beherrsche, bekomme ich vor lauter Müdigkeit und Erschöpfung leider nicht mehr zusammen.
Schade eigentlich!

Aussicht auf das landschaftlich wunderschön gelegene Rifugio Migliorero, auf meiner Alpenüberquerung
Schönst gelegene Unterkunft meiner Alpenüberquerung: Rifugio Migliorero

Tag 26: Rifugio Migliorero – Chalet Dell’Ischiator

Nach der Monsteretappe vom Vortag, bin ich froh, nur eine kurze Strecke vor mir zu haben.

Körperlich glücklicherweise vollkommen schmerzfrei, steige ich morgens in nur 1,5std zum einzigen Alpenpass des Tages auf. Vom Passo di Laroussa (2470 m) bin ich nochmal 1,5std später wieder im nächsten Tal.

Vom Dorf San Bernolfo muss ich nur noch ein bisschen an der Strasse entlang bis Bagni di Vinadino (1305 m). Kurz nach 12:00 Uhr checke ich bereits in mein Einzelzimmer mit Dusche und Balkon im Chalet Dell’Ischiator ein. Füsse hoch und abends gönne ich mir eine Pizza.

Aussicht auf das landschaftlich wunderschön gelegene Rifugio Migliorero, auf meiner Alpenüberquerung
Schönst gelegene Unterkunft meiner Alpenüberquerung: Rifugio Migliorero im Morgengrauen

Tag 27: Chalet Dell’Ischiator – S. Anna di Vinadio

Landschaftlich ein absoluter Highlight-Tag meiner Alpenüberquerung!
Nach einem fantastischen Frühstück inklusive Früchten und Croissants ging erst 45min denselben Wanderweg zurück und anschließend bergauf durch einen schönen Mischwald.

Solche Natur hatte ich lange nicht gesehen: große Wurzeln und ein schmaler Pfad über Stock und Stein, entlang eines kleinen Baches.

Selbstbewusst überquere ich eine Kuhweide. Weiter über weite Graslandschaften erreiche ich nach ca. 2,5std den steinigen Alpenpass Passo Tesine (2400 m). Von dort hätte ich innerhalb einer Stunde an meinem Etappenziel dem Kloster S. Anna di Vinadio ankommen können.

Ich entscheide mich jedoch meinen Wandertag fortzusetzen, da ein Wegweiser einen Höhenweg anzeigt, den ich noch erkunden möchte. Eine sehr gute Entscheidung!

Über 2 weitere Pässe (Passo di Sebulé, 2640 m und Col de Lausfer, 2460 m) geht es fast immer auf derselben Höhe, vorbei an 3 herrlichen Gebirgsseen, um die Gipfel herum. Zwischenzeitlich war ich mal wieder für ein paar Minuten über der Landesgrenze in Frankreich unterwegs.

Lesetipp: Diese „extra“ Wanderung habe ich im August 2022 nochmals gemacht, weil die einfach einzigartig schön war. Hier findest Du meinen detaillierten Wanderbericht zum Tour du Lausfer.

Bergseen auf dem Weg zum  Kloster S. Anna di Vinadio in den italienischen Alpen
Bergseen auf dem Weg zum Kloster S. Anna di Vinadio
Gebirgspass Passo Tesine auf dem Weg zum  Kloster S. Anna di Vinadio in den italienischen Alpen
Passo Tesine auf dem Weg zum Kloster S. Anna di Vinadio

Gegen 14 Uhr erreiche ich Europas höchste Kloster, S. Anna di Vinadio, und mein Tagesziel auf 2010 m. Keine Stunde nach meiner Ankunft fängt es an wie aus Eimern zu schütten, sodass ich leider keine Möglichkeit mehr habe, mir das Kloster genauer anzusehen.

Das Positive: mit dem Regen verschwinden auch schlagartig die Touristenmassen, die sich hier aufgehalten haben.

Bergsee auf dem Weg zum  Kloster S. Anna di Vinadio in den italienischen Alpen
Bergsee auf dem Weg zum Kloster S. Anna di Vinadio
Kloster S. Anna di Vinadio in den italienischen Alpen, ein Etappenziel meiner Alpenüberquerung
Kloster S. Anna di Vinadio

Tag 28: S. Anna di Vinadio – Rifugio Malinvern

Glücklicherweise hat der Regen am Morgen aufgehört und ich kann nach einem späten Frühstück um 8:30 Uhr aufbrechen.

Da ich die Wegbeschreibung nur überflogen habe, besteige ich erstmal mal wieder den falschen Alpenpass (S. Anna, 2400 m). Also wieder runter und auf der anderen Seite des Tals wieder hoch. Diesmal ist es nur ein 45-minütigen Umweg, also nicht ganz so dramatisch wie beim letzten Mal.

Der nun folgende, schöne Höhenweg ist die Grenzlinie zwischen Italien und Frankreich. Hier treffe ich Volker (68J), der seit Wochen mit seinem Zelt unterwegs ist. Außerdem Nicole und Wolfgang aus Berlin sowie die Marathonlaufende Fridgart (63J) mit einer Freundin.

Zu sechst besteigen wir den Alpenpass Col de la Lombarde (2360 m), folgen ein Stück der Passstraße und wandern dann über einen Geröllberg zum Rifugio Malinvern (1840 m).

Den Rest des Nachmittags und abends verbringen wir mit Quatschen auf der Terrasse der Herberge. Unsere Lautstärke stört glücklicherweise niemanden, denn wir sind die einzigen Gäste.

Wanderweg zum Gebirgspass Col de la Lombarde auf meiner Alpenüberquerung
Wanderweg zum Gebirgspass Col de la Lombarde
Bergsee zum Gebirgspass Col de la Lombarde auf meiner Alpenüberquerung
Bergsee am Gebirgspass Col de la Lombarde

Tag 29: Rifugio Malinvern – Posto Tappa Terme di Valdieri

Nach dem gemeinsamen Frühstück, setzt sich die deutsche Karawane in Gang, den ersten Berg hoch.

Bereits um 10:00 Uhr hatten Volker und ich, der Rest folgte uns etwas langsamer, den Alpenpass Colle di Vascura (2520 m) erreicht. Der Wanderweg führt uns schön entlang des Berghangs und zum Gebirgssee Lago Malinvern.

Bergsee Lago di Vascura auf meiner Alpenüberquerung von Chamonix ans Mittelmeer
Bergsee Lago di Vascura

Auf dem Pass war es arg windig, unsere kurze Pause also nicht wirklich gemütlich. Auf halber Höhe zum nächsten Bergsee Lago di Vascura setzen wir uns in die Sonne und geniessen das Panorama. Wir folgen dem breiten Militärweg weiter runter ins nächste Tal.

Im Jagdschloss Rifugio Valasco machen wir die nächste Pause und warten auf die Nachzügler Nicole und Wolfgang. Gemeinsam entspannen wir in den Liegestühlen, bis es sich um 14:00 Uhr plötzlich zu zieht.

-> Im Juni 2022 war ich wieder in diesem wunderschönen Tal, Valle Gesso, unterwegs. Habe das Jagdschloss Rifugio Valasco, im traumhaftschönen Piano del Valasco erneut, während einer aussichtsreichen Rundtour erwandert.

Hastig brechen wir auf und erreichen eine Stunde später Terme di Valdieri (1400 m). Ich übernachte im Posto Tappa, was eigentlich nicht geplant war.

Am Vorabend, als ich den anderen zeigen wollte, wo ich hin musste, stellte ich einen Planungsfehler fest: Die für heute gebuchte Unterkunft lag viel zu weit abseits meiner eigentlichen Wanderroute. Bei der Vorbereitung meiner Alpenüberquerung habe ich hier anscheinend geschlafen….

Dementsprechend muss ich abends noch meine Pläne ändern und bin heute dem GTA weiter nach Norden gefolgt, anstatt wie geplant über viele kleine Bergpfade, die ich wahrscheinlich nicht mal gefunden hätte, Richtung Süden zu gehen.

Glücklicherweise ist mir dieser Fehler früh genug aufgefallen und nicht erst während der Wanderung. Volker und sein Zelt ziehen weiter, der Rest von uns geniesst den Abend. Leider drinnen wegen regnerischem Wetter.

Alpental von Terme di Valdieri in den italienischen Alpen
Alpental von Terme di Valdieri

Tag 30: Posto Tappa Terme di Valdieri – Rifugio Ellena Soria

Heute musste ich notgedrungen mal wieder eine super Wander-Performance hinlegen.
Dank meiner Fehlplanung ist meine heutige Wanderetappe ganz schön angewachsen.

Zusätzlich hat der Wetterdienst schwere Gewitter ab 15:00 Uhr vorhergesagt. Nach einem guten Frühstück ziehe ich ohne Begleitung um 7:30 Uhr los.

Der Nieselregen des morgens hört glücklicherweise irgendwann auf, während ich durch den Wald aufsteige. Hinter dem Alpenpass Colle del Chiapous (2540 m) wandere ich erstmal wieder bergab zum Stausee Lago del Chiotas (1980 m).

Aussicht auf den Stausee Lago del Chiotas auf dem Wanderweg von Terme di Valdieri durch die italienischen Alpen
Stausee Lago del Chiotas

Da es sich langsam schon wieder zuzog, gehe ich ohne Pause, gleich wieder den Berg hoch, Richtung Colle di Fenestrelle (2460 m). Wieder ein herausragender Wanderweg mit vielen großen Steinen. Einfach eine wunderschöne Landschaft!

Auf halbem Weg treffe ich Volker wieder. Zusammen wandern wir so schnell wie möglich über den Pass und zum Rifugio Ellena Soria (1800 m).

Um 15:30 Uhr kommen wir dort an und keine 10min später, öffnet der Himmel seine Schleusen. Für den Rest des Nachmittags schüttet es wie aus Eimern und die Wolken hängen ganz tief im Tal.

Sicht gleich null. Volker macht sich am Abend, trotz Regen, wieder auf den Weg und ich geniesse meinen letzten Abend in Italien. Morgen geht es wieder über die Grenze nach Frankreich.

Zum Abendessen teile ich den Tisch mit einer unerträglich lauten italienischen Grossfamilie….
Bin solches Tohuwabohu und diese Lautstärke einfach nicht mehr gewöhnt!

Gämsen als Begleitung während meiner Alpenüberquerung
Gämsen als Begleitung während meiner Alpenüberquerung

Info: Eine Alternativroute würde statt über den Colle di Finestre (den ich am kommenden Morgen nehme) über den nahgelegenen Colle di Tenda führen. An diesem Alpenpass startet auch der Weitwanderweg GR52A, der von dort bis ans Mittelmeer führt.

Wunderschöne alpine Landschaft während meiner Wanderung über die Alpen
Steiniger Wanderweg Richtung Colle di Fenestrelle

Tag 31: Rifugio Ellena Soria – Réfuge de Nice

Sehr glücklich, diese laute Gesellschaft hinter mir zu lassen, mache ich mich um kurz vor 8:00 Uhr auf den Weg zum Colle di Finestre (2470 m). Verfolgt werde ich vom „Nichts“, einer riesigen Nebelwand und einer Gruppe neugieriger Gämsen.

Hinter dem Alpenpass, wieder zurück in Frankreich, ist die Sonne auch wieder da und die Wanderwege runter zum Kloster Madona di Finestre (1900 m) werden voller.

Die Menschenmassen strömen mir auf den breiten Wegen entgegen und aufgrund dieser landschaftlichen Schönheit um mich herum, kann ich dies voll verstehen.

Bergwetter mit Wolken auf meiner Alpenüberquerung kurz vor dem Refuge de Nice
Nebelschwaden, die mir durch das Tal folgen

Vom Tal geht es auf der anderen Flussseite wieder nach oben. Der beliebte Weitwanderweg GR 52 ist hier nur ein kleiner, unscheinbarer Pfad und ich bin endlich auch wieder alleine mit der Natur.

Steil am Bach entlang ansteigend, dann über ein paar wirklich grosse Steine, wird der Weg immer schwieriger zu laufen.

Kurz vor dem Gebirgspass Pas du Mont Colomb (2550 m) ist die Kraxelei, vor allem mit dem grossen Wanderrucksack wirklich grenzwertig. Ich muss teilweise klettern und oder mich auf allen Vieren und meinem Hintern sitzend, fortbewegen. Kein Weg für Anfänger!

Gegen 15:00 Uhr erreiche ich das Réfuge de Nice (2230 m) an welchem Dani und Mathias wie verabredet schon auf mich warten.

Die Wiedersehensfreude ist gross, wir haben uns viel zu erzählen von den letzten Tagen. So verbringen wir den lauen Abend mit Quatschen auf der grossen Terrasse und Blick auf die umliegenden Alpengipfel.

Bunkeranlagen auf den steinigen Bergen vor dem Refuge de Nice
Bunkeranlage auf den steinigen Bergen vor dem Refuge de Nice
Steinigen Bergen vor dem Refuge de Nice auf meiner Wanderung über die französischen Alpen
Steinige Bergwelt vor dem Refuge de Nice

Tag 32: Réfuge de Nice – Réfuge des Merveilles

Wieder mal ein landschaftlich herausragender Wandertag meiner Alpenüberquerung.
Ab jetzt und bis zu unserem Ziel am Mittelmeer wandern wir zu Dritt.

Der sanfte Anstieg auf dem Wanderweg GR52 führt uns über Stock und Stein, vorbei an vielen kleinen Bächen zur Baisse de Basto (2700 m).

Via der Baisse de Valmasque auf 2550 m erreichen wir am Mittag das verzauberte Tal, Vallée des Merveille. Eingerahmt von hohen Felsen mit prähistorischen Zeichnungen. Der felsige Boden hat blaue und violette Schattierungen. Einfach nur toll!

Mutig springen wir alle mittags zur Abkühlung in einen Bergsee, den wir auf ca. 16 Grad schätzen.

Aussicht von der Baisse de Basto auf einen Bergsee im Vallée des Merveille in den französischen Alpen
Vallée des Merveille

Die Herberge, Réfuge des Merveilles ist im Gegensatz zu diesem fantastischen Tag einfach nur ein Graus: Der „Service“ ist wirklich schlecht und dazu auch noch unhöflich. Brot war bereits um 14:00 Uhr.

Duschen durfte man nur zwischen 16:00 – 18:00 Uhr und die Zimmerverteilung fand auch erst um 18:00 Uhr statt. Jegliche Information wurde in militärischem Gebrüll an die 75 Gäste kommuniziert, Rückfragen waren unerwünscht.

Aussicht von der Baisse de Basto auf das Tal Vallée des Merveille in den französischen Alpen
Wunderschöne Bergwelt im Vallée des Merveille

Tag 33: Réfuge des Merveille – L’Estive du Mercantour

Und noch ein landschaftlicher Highlight-Tag meiner Alpenüberquerung!
Ein wunderschöner, sanfter Aufstieg führt uns an mehreren glasklaren Bergseen vorbei.

Wir entschließen uns zu einem kleinen Umweg über den Cime du Diable (2690 m), nur um auch mal einen Gipfel zu besteigen und nicht nur Pässe zu überqueren. Ein absolut toller Abstecher, der mit etwas Kraxelei verbunden ist.

Dafür werden wir aber mehr als entschädigt, mit einer grandiosen 360 Grad Aussicht, bis zu den Mittelmeerinseln Elba und Korsika! Mein erster Meerblick!
Was ein Glücksgefühl, das Ziel vor Augen zu haben.

Auf dem Gipfel und erster Meerblick meiner Alpenüberquerung
Erster Meerblick der Alpenüberquerung vom Cime du Diable

Anschliessend folgt ein toller, sanfter Abstieg über einen Kammweg. Unglücklicherweise verbringen wir unsere Mittagspause anscheinend zu nah an einem Ameisenhaufen.

Es muss mir ein Tier unter das T-Shirt geklettert sein denn beim weiter wandern, stelle ich 6 Bisswunden um meinen Baunabel herum fest. Und die jucken…..

Die Landschaft um uns herum verändert sich von saftigem grün, hin zu verdorrtem, gelben Gras und es wird richtig heiß.

Der abwärts führende Feldweg mündet später auf einen breiten, alten Militärweg und führt uns immer am Hang entlang zum Gite des Mervielle. Der ganze Wanderweg liegt in der prallen Nachmittagssonne!

Tolle Entschädigung für die letzte Nacht: das L’Estive du Mercantour hat super, nettes Personal, tolles Essen und einer riesigen Terrasse mit Meerblick. Hier lässt es sich leben und übernachten, wie Gott in Frankreich!

Wunderschöner, alpiner Bergsee auf dem Weg vom Refuge de Nice ans Mittelmeer auf meiner Alpenüberquerung
Bergsee am Réfuge des Merveille
Wunderschöne, alpine Bergseen auf dem Weg vom Refuge de Nice ans Mittelmeer auf meiner Alpenüberquerung
Weitere Bergseen auf dem Hochplateau hinter dem Réfuge des Merveille
Schöne Landschaft entlang des Wanderweges auf den Hügeln über die französischen Alpen
Sanfte und trockene Hügel der französischen Seealpen

Tag 34: L’Estive du Mercantour – Sospel

Nach einem schönen Frühstück, mit allen 6 Gästen der Unterkunft, brechen wir zu Dritt gegen 8:00 Uhr wieder auf.

Lange Zeit führt uns der ebene Wanderweg entlang eines Berghangs. Glücklicherweise liegt dieser noch im Schatten, denn mittlerweile ist es selbst morgens bereits extrem heiß.

Erstaunlicherweise führt uns der Weg dann bis mittags nochmals Berghoch. Weiterhin Trampelpfade und weiterhin (noch) im Schatten.

Nach der Mittagspause beginnt der 1300 Höhenmeter Abstieg in die kleine Stadt Sospel (335 m). Leider nicht mehr so schattig kommen wir nachmittags vollkommen verschwitzt im Ort an.

Heute Nachmittag gibt es zur Abwechslung mal ein bisschen Sightseeing, statt nur faules Herumhängen in der Sonne.

Bergdorf Sospel. Der letzte Stop vor dem Ende meiner Alpenüberquerung
Bergdorf Sospel

Tag 35: Sospel – Menton – Letzter Tag meiner Alpenüberquerung

Letzter Wandertag….! Ich kann es gar nicht glauben, dass meine Alpenüberquerung so gut wie vorbei ist.

Ein letzter Aufstieg von Sospel, schön schattig durch einen Wald, bis zum Pass Colla Bassa (1100 m). Ab hier geht es jetzt nur noch bergab, glücklicherweise recht sanft.

An einem Pflaumenbaum am Wegesrand begehen wir wahrscheinlich Mundraub und decken uns mit Obst für den kommenden Tag ein.

In einer Apotheke kaufe ich auf dem Weg noch eine Salbe für meine Ameisenbisse und erhalte, dieselbe Kortisonsalbe, die ich vor ein paar Tagen verschenkt habe….

Ab dem Bergdorf Castillon geht es durch bebautes Gebiet, bis wir schliesslich gegen 13:30 Uhr am Ziel der Wanderung angekommen sind: am Strand von Menton!

Ich bin überglücklich, dass ich mein Ziel erreicht habe und mein Abenteuer einer Alpenüberquerung geglückt ist!

Auf der anderen Seite jedoch auch richtig traurig, dass dieses schöne Wanderleben, an welches ich mich gewöhnt habe und mittlerweile sehr zu schätzen weiss, erstmal ein Ende hat.

Aussicht vom Berggipfel auf Menton am Mittelmeer
Blick auf Menton, das Ziel meiner Alpenüberquerung
Ende meiner Alpenüberquerung von Chamonix nach Menton, ans Mittelmeer
Ankunft am Mittelmeer
Ende meiner Alpenüberquerung von Chamonix nach Menton, ans Mittelmeer
Glücklich und traurig am Ziel meiner Alpenüberquerung

Zahlen und Fakten meiner Alpenüberquerung

Wanderkarte meiner Alpenüberquerung

Zeitraum:
23. Juli – 25. August 2016
34 Wandertage & 1 Ruhetag

Höhenmeter:
~28.500 Höhenmeter hoch
~28.500 Höhenmeter runter

Gewanderte Distanz:
~ 600km


Lesetipps: Willst Du wissen, wie ich die Alpenüberquerung geplant habe und was bei einer solchen Wanderung zu planen und beachten ist?
Hier findest Du meinen Bericht zu den Vorbereitungen der Alpenüberquerung und Wanderbücher zur Inspiration.



Lust auf Berge, aber keine Ahnung, wohin?

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    Linda steht auf einem Berghang und blickt auf den türkisfarbenen Lago d'Apsoi, umgeben von steilen Felswänden.