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Küstenwanderweg GR 34: Meine Erfahrungen auf dem Zöllnerpfad von Saint-Brieuc zum Mont-Saint-Michel

Schon lange wollte ich den berühmten, bretonischen Küstenwanderweg GR34 laufen. Im Sommer war es endlich so weit: Zehn Tage lang war ich mit Zelt und Rucksack zwischen Saint-Brieuc und dem Mont-Saint-Michel unterwegs.

Nicht ohne Grund gilt der GR34, auch bekannt als Zöllnerpfad, als einer der schönsten Fernwanderwege Frankreichs. Auf über 2.000 Kilometern folgt er der bretonischen Küste mit spektakulären Steilklippen, einsamen Buchten, langen Sandstränden und kleinen Fischerdörfern.

Auf dieser malerischen Weitwanderung habe ich rund 270 Kilometer zu Fuß zurückgelegt, inklusive unzähliger Treppenstufen, spontaner Umwege, einiger schweißtreibender Etappen und erstaunlich vieler Käse-Galettes.

In diesem Erfahrungsbericht nehme ich dich Tag für Tag mit auf meine Wanderung. Ich zeige dir, welche Abschnitte ich besonders schön fand, wo mich Sperrungen oder die Hitze ausgebremst haben und welche Orte ich sofort wieder besuchen würde.

Wenn du selbst eine Wanderung auf dem GR34 planst oder einfach wissen möchtest, ob sich dieser berühmte Küstenwanderweg in der Bretagne lohnt, findest du hier meine ganz persönlichen Eindrücke und Erfahrungen.

Linda wandert mit Trekkingstöcken auf dem Küstenwanderweg GR34 oberhalb eines breiten Sandstrands entlang der Küste der Bretagne.
Auf dem GR34, dem Zöllnerweg, entlang der bretonischen Küste

Übersicht meiner Weitwanderung

Reisezeit: Mitte – Ende Juli
Fernwanderweg: GR34 / Zöllnerpfad (fr.: Sentier du Littoral)
Abschnitt: Saint-Brieuc – Mont-Saint-Michel (Bretagne)
Dauer: 10 Wandertage | Strecke: ca. 270 km (⇨ zu meiner Komoot Collection)
Übernachtung: Campingplätze mit Zelt


GR34 Tag 1: Saint-Brieuc – Hillion

Länge: 28km | Höhenmeter: ↑ 400 & ↓ 490 | Ziel: Camping Nature d’Or

Der erste Wandertag auf dem GR34 begann für mich nicht direkt auf dem bretonischen Küstenweg, sondern zunächst mit einer etwa einstündigen Zuwegung, da ich in der Jugendherberge von Saint-Brieuc etwas außerhalb übernachtet habe.

Es geht durch ein wunderschönes Waldgebiet entlang des Flusses Gouët und war ein überraschend schöner Einstieg.

In Le Légué, dem kleinen Hafen unter einem imposanten Viadukt, erreichte ich schließlich den GR34. Statt eines erkennbaren Logos oder eines Hinweisschildes folge ich ab jetzt den unspektakulären rot-weißen Wegmarkierungen. Das hatte ich mir irgendwie etwas spektakulärer vorgestellt…

Kurz darauf lag endlich das Meer vor mir. Die Freude hielt allerdings nicht lange an, denn schon bald führte der Weitwanderweg wieder ins Landesinnere und rund um die Baie de Saint-Brieuc, einem großes Naturschutzgebiet, das vor allem für seine Vogelwelt bekannt ist.

Wandertechnisch war dieser Abschnitt für mich weniger spannend. Viele Kilometer verliefen über kleine Straßen und Feldwege und in der Mittagshitze wurde es ziemlich anstrengend.

Gut, dass ich mir vorher noch eine Käse-Galette gegönnt habe. Ich glaube, die wird mich auf dieser Tour mittags und abends begleiten. Soooo lecker!

Und dann war der Weg auch noch wegen giftiger Grünalgen gesperrt. Beim Verrotten der Algen können giftige Gase entstehen, weshalb ich einen größeren Umweg durch Hillion wandern musste.

Anschließend begann der GR34 dann endlich genau so auszusehen, wie ich ihn mir immer vorgestellt hatte: schmale Pfade direkt oberhalb des Meeres, kleine und größere Klippen, tolle Ausblicke über die Küste und das Watt bei Ebbe. Einfach toll!

Und genauso schön blieb der Weg bis zu meinem Campingplatz am Strand von Le Bon Abri.

Besonders stolz bin ich darauf, dass ich mein Zelt ganz alleine in weniger als zehn Minuten aufgebaut habe, obwohl ich es vorher erst ein einziges Mal geübt hatte.

Nach 27km bin ich ziemlich durch…Zur Belohnung gibt’s noch eine weitere Käse-Galette. Ein besserer Abschluss für den ersten Wandertag in der Bretagne könnte es kaum geben.

Blick auf den Fluss Gouët, den Hafen und das Viadukt von Port Saint-Brieuc entlang der Küstenwanderung in der Bretagne.
Viadukt von Port Saint-Brieuc

GR34 Tag 2: Hillion – St. Pabu

Länge: 30km | Höhenmeter: ↑ 960 & ↓ 920 | Ziel: Camping La Vallée

Der zweite Tag begann leider nicht so, wie ich ihn mir erhofft hatte. Mein Zelt war morgens noch nass, sodass ich erst später loskam. Dazu wollten Hüfte, Rücken und Schulter meinen Rucksack überhaupt nicht tragen.

Ich bin inzwischen ziemlich sicher, dass er mehr als zehn Kilo wiegt. Und als wäre das nicht genug, gab es auf dem Campingplatz nicht einmal einen Kaffee. Keine guten Voraussetzungen…

Dabei war das Wetter perfekt: Sonne, ein paar harmlose Wolken und ein angenehmer Wind. Und auch der Weg war heute einfach traumhaft.

Zunächst führte der GR34 noch entlang des Watts der Baie de Saint-Brieuc. Danach ging es fünf oder sechs Kilometer entlang des Gouessant ständig auf und ab. Nie besonders steil, aber eben ohne Pause.

Zusammen mit meinen körperlichen Beschwerden hat mich das heute ziemlich an meine Grenzen gebracht. Als ich schließlich die wunderschöne Kapelle Saint-Maurice erreichte, war ich völlig erledigt.

Von dort verlief der Weg wieder direkt an der Küste entlang. Schmale Pfade, kleine Buchten und fantastische Ausblicke. Leider konnte ich sie heute nicht so genießen, wie ich es mir gewünscht hätte, weil mein Körper einfach keine Lust hatte.

In Dahouët hoffte ich auf eine Cola Light und eine Galette. Fehlanzeige. Also lief ich weiter.

Am Strand von Pléneuf-Val-André änderte sich dann alles. Nachdem mir drei Restaurants erklärt hatten, dass man nachmittags keine Galettes serviere, hatte die Mitarbeiterin im vierten Restaurant Mitleid und machte mir trotzdem eine. Dazu gab es endlich eine Cola Light. Erstaunlich, wie viel besser es mir danach ging.

Frisch gestärkt führte mich der GR34 weiter an traumhaften Stränden entlang. Kurz vor dem Ziel drehte ich dann noch eine Extrarunde, weil ich versehentlich den falschen Campingplatz angesteuert hatte.

Am Ende standen 30 Kilometer auf der Uhr. Der GR34 war heute einfach fantastisch. Nur ich selbst stand mir zwischendurch ein bisschen im Weg. Manchmal gibt es eben solche Tage.

Die kleine Kapelle Saint-Maurice steht auf einer Landzunge über einer weitläufigen Bucht von Saint-Brieuc entlang des Küstenwanderwegs GR34 in der Bretagne.
Kapelle Saint-Maurice entlang des Zöllnerwegs
Linda genießt den Ausblick über die Flussmündung des Guessant und Sandbänke auf dem Zöllnerpfad GR34 an der bretonischen Küste.
Flussmündung in die Bucht von Saint-Brieuc

GR34 Tag 3: St. Pabu – Cap Fréhél

Länge: 27km | Höhenmeter: ↑ 540 & ↓ 560 | Ziel: Camping Municipal Cap Fréhel

Heute war ein rundum gelungener Wandertag. Hüfte, Rücken und Schulter sind zwar immer noch nicht begeistert von meinem Rucksack, aber sie scheinen sich langsam damit arrangiert zu haben.

Auch der GR34 zeigte sich heute wieder von seiner besten Seite.

Gleich am Morgen waren der süße Ort Erquy und das Cap d’Erquy ein echtes Highlight. Viele Holzstufen führen hinauf auf die Landzunge, wo neben den Ruinen eines Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg auch traumhafte Ausblicke bis zum Cap Fréhel warten.

Besonders schön: Hier blühen sogar Ende Juli noch vereinzelt Heide und Ginster.

Vom Cap folgte ich den malerischen Küstenpfaden, immer wieder Holztreppen hinunter zu den breiten Sandstränden, daran vorbei und auf der anderen Seite wieder hinauf. Gut für den Hintern.

Als Nächstes habe ich die Gezeiteninsel Îlot Saint-Michel mit ihrer kleinen Kapelle bewundert. Bei Ebbe kann man die Insel zu Fuß erreichen. Dort gab es natürlich auch wieder meine inzwischen obligatorische Käse-Galette.

Anschließend führte der Weg am L’Islet vorbei, einem wunderschönen Mündungsgebiet mit Dünen, Salzwiesen und langen Sandstränden. Je nach Gezeiten kommt man trockenen Fußes auf die andere Seite. Ich musste allerdings außen herum laufen, da der Fluss noch zu breit und zu tief war. Ein wirklich idyllischer Abschnitt.

Der Weg nach Pléhérel verlief anschließend angenehm schattig durch einen Pinienwald, mal weg vom Atlantik. Eine willkommene Abwechslung nach den vielen Kilometern in der Sonne.

Etwas anstrengender wurde es zum Ende hin auf dem Campingplatz, den ich eigentlich als Tagesziel ausgesucht hatte.

Der Platz lag mitten in den Dünen und bestand gefühlt nur aus Sandhügeln und kreuz und quer aufgebauten Zelten, Campern und Autos.

Mit diesem Sandchaos konnte ich mich überhaupt nicht anfreunden. Also lief ich kurzerhand noch zwei Kilometer weiter bis zum nächsten Campingplatz, nicht mehr weit vom Cap Fréhel, das morgen auf mich wartet.

Panoramablick auf den Hafen von Erquy mit zahlreichen Booten während einer Küstenwanderung auf dem GR34.
Blick vom GR34 auf den Hafen von Erquy

GR34 Tag 4: Cap Fréhel – Saint-Cast-le-Guildo

Länge: 29km | Höhenmeter: ↑ 730 & ↓ 750 | Ziel: Camping La Crique

Während ich heute Morgen etwas frustriert versuchte, mein nasses Zelt trocken zu schütteln, kam mein Zeltnachbar vorbei und bot mir einfach so einen Kaffee an. Voll nett oder?

Da konnte ich auch gleich meinen Frust loswerden, dass die Foodtruck-Frau, die ab 7 Uhr Paninis verkaufen wollte, selbst um 8 Uhr noch nicht da war. Also ging es ohne Frühstück und mit etwas weniger Verpflegung als geplant los.

Zunächst führte der Weg noch einmal entlang der wunderschönen Küste, immer mit Blick auf den berühmten Leuchtturm von Cap Fréhel. Heide und Ginster leuchteten in der Morgensonne.

Kurz vor dem Kap musste ich mich entscheiden: Wegen der Sperrung des GR34 nach dem Waldbrand der vergangenen Woche hätte der Abstecher zum Leuchtturm zwei bis drei zusätzliche Straßenkilometer bedeutet.

Bei ohnehin geplanten 27 Kilometern war mir das einfach zu viel…Also nahm ich die offizielle Umleitung, die erstaunlich schön war.

Sie führte über kleine Nebenstraßen und Wiesenwege bis kurz vor Fort La Latte, einer beeindruckenden Festung aus dem 14. Jahrhundert, die spektakulär auf einem Felsen über dem Meer steht.

Danach ging es durch schattigen Wald mit herrlichen Ausblicken auf den Atlantik.

Später musste ich die Baie de la Fresnaye über Nebenstraßen umrunden. In der prallen Sonne, ohne Schatten und ohne ein Lüftchen war das ziemlich anstrengend.

Auch der Küstenpfad auf der anderen Seite der Bucht brachte kaum Abkühlung. Vertrocknete Felder, trockenes Gebüsch und keine einzige Bank. Für eine Pause hätte ich mich mitten auf den Weg setzen müssen…

Erst an der idyllischen Roche Noire mit ihrer alten Gezeitenmühle konnte ich schattig Pause machen.

Von dort wurde der GR34 wieder genau so, wie ich ihn liebe: direkt am Wasser, lichter Wald, eine leichte Brise und wunderschöne Ausblicke. Das ständige Auf und Ab machte plötzlich wieder richtig Spaß.

Vorbei an mehreren schönen Stränden erreichte ich schließlich meinen traumhaft gelegenen Campingplatz in Saint-Cast-le-Guildo.

Das Fort La Latte thront über einer felsigen Bucht an der Smaragdküste und ist ein markantes Ziel am Küstenwanderweg GR34.
Fort La Latte auf dem Cap Fréhel
Ein schmaler Bach schlängelt sich durch Salzwiesen zur Küste und begleitet den Zöllnerpfad auf der abwechslungsreichen Küstenwanderung in der Bretagne.
Gezeitenmühle Roche Noire auf dem Zöllnerpfad

GR34 Tag 5:  Saint-Cast-le-Guildo – Saint-Jacut-de-la-Mer

Länge: 26km | Höhenmeter: ↑ 540 & ↓ 570 | Ziel: Camping De La Manchette

Die ersten zwei Kilometer führten heute Morgen noch einmal über wunderschöne kleine Küstenpfade, bevor ich die Strandpromenade von Saint-Cast-le-Guildo erreichte.

Dort gab es erst einmal Croissant und Kaffee mit Blick auf den Atlantik. Schon am Morgen war es unglaublich heiß, kein Lüftchen. Das versprach einen anstrengenden Wandertag.

Am Ende des Strandes ging es wieder hinauf auf einen Hügel mit einer Marienstatue. Anschließend führte der GR34 durch ein Wohngebiet mit den typisch bretonischen Steinhäusern. Ich hätte jedes davon genommen, es fehlt nur noch das nötige Kleingeld.

Über einen breiten Fußweg entlang der Hauptstraße ging es hinunter zur Plage de Pen Guen. Und natürlich musste ich den Strand wieder komplett durch den Sand überqueren.

Sand … wir zwei werden in diesem Leben keine Freunde mehr.

Danach folgte endlich wieder einer dieser GR34-Abschnitte, die ich so liebe: schmale Pfade oberhalb der Steilküste, lichter Wald, angenehmer Schatten und fantastische Ausblicke.

Dafür natürlich auch das übliche ständige Auf und Ab über unzählige, völlig ungenormte Treppenstufen. Danke an meine Wanderstöcke.

Nach einer wohlverdienten Pause an einem kleinen Strand mit Picknickplatz und meinem Baguette mit Oliven und Pesto ging es irgendwann über die Brücke über den Frémur auf die Halbinsel Saint-Jacut-de-la-Mer.

Dort warten die ehemalige Abtei Saint-Jacut (nicht zu besichtigen) und die beeindruckenden Ruinen des Château du Guildo (kostenlos und sehr lohnend!)

Das dann folgende kleine Örtchen Saint-Jacut-de-la-Mer mit seinen alten Steinhäusern ist wirklich wunderschön. Ich hatte allerdings nur Augen für den Supermarkt. Ein halber Liter eiskalter Joghurtdrink war bei dieser Hitze einfach Gold wert.

Anschließend führte der Zöllnerweg oberhalb unzähliger kleiner Buchten um die Halbinsel. Vom Pointe du Chevet, dem nördlichsten Punkt, hat man einen traumhaften Blick auf die vielen kleinen Inseln, die bei Ebbe sogar zu Fuß erreichbar sind.

Zum Campingplatz ging es schließlich zwar über Nebenstraßen statt an der Küste entlang. Nach diesem heißen Tag freute ich mich aber ohnehin nur noch auf eine Dusche. 

Die Ruinen des Château de Guildo zeigen historische Mauern und Aussichtspunkte entlang der abwechslungsreichen Küstenwanderung auf dem GR34.
Ruinen des Château de Guildo am GR34
Linda macht eine Rast auf einer Bank mit Blick auf eine weitläufige Meeresbucht während ihrer Küstenwanderung auf dem GR34.
Pause an der Küste von Saint-Jacut-de-la-Mer

GR34 Tag 6:  Saint-Jacut-de-la-Mer – Dinard

Länge: 29km | Höhenmeter: ↑ 390 & ↓ 380 | Ziel: Camping Port Blanc

Mein Plan, den Campingplatz morgens vor 8:30 Uhr zu verlassen, scheitert inzwischen zuverlässig. Bis das Zelt trocken ist, alles eingepackt und das Handy noch einmal geladen ist, vergeht einfach Zeit.

Der GR34 führte zunächst in einem riesigen Bogen um die Baie de l’Arguenon. Bei Ebbe sah das Watt zwar verlockend aus, aber da ich mich mit den Gezeiten überhaupt nicht auskenne, blieb ich lieber auf dem offiziellen Weg.

Zwei Stunden später stand ich auf der anderen Seite der Bucht und sah … Menschen durchs Watt laufen. Na toll.

Der Abschnitt durchs Landesinnere mit Sonnenblumen- und Maisfeldern war morgens noch schön, in der Mittagshitze aber sicher keinen Spaß mehr.

Zurück an der Küste gönnte ich mir an der belebten Strandpromenade von Lancieux erst einmal eine völlig überteuerte Cola Zero.

Saint-Briac-sur-Mer hätte ich im Nachhinein lieber durch den Ort erkundet, statt unten dem GR34 am Wasser zu folgen. Besonders toll fand ich das märchenhaft wirkende Schlosshotel Le Nessay.

Ausgerechnet dort war der GR34 dann ohne Vorwarnung gesperrt. Also blieb nur der Weg über die Kaimauer zwischen zwei Stränden.

Der folgende Abschnitt war einfach traumhaft. Schmale Küstenpfade, Dünen und so schöne Ausblicke, dass ich sogar den Sandstrand ohne Meckern akzeptiert habe. Und das will etwas heißen.

So sehr war ich auf die Küste konzentriert, dass ich erst bemerkte, dass rechts ein großer Golfplatz lag, als mich ein Golfball nur um Haaresbreite verfehlte.

Am Ende des Plage de Longchamp stehen zwei Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Leider innen sehr dreckig. Kurz darauf lohnt sich der Abstecher zur Pointe du Décollé mit ihrem großen Steinkreuz und dem fantastischen Ausblick.

In Saint-Lunaire machte ich es diesmal besser und lief durch den Ort. Eine gute Entscheidung denn die alten bretonischen Häuser sind wirklich sehenswert. Natürlich durfte ein Joghurtdrink nicht fehlen

Zum Schluss noch mal Auf und Ab und die herrlich ungenormten Treppenstufen des GR34. Fast hätte ich sie schon vermisst.

Da ich überraschend früh am Campingplatz ankam, konnte ich in Ruhe duschen, bevor die Feriencamp-Kinder die Sanitäranlagen stürmen.

Zahlreiche Segel- und Motorboote liegen im türkisfarbenen Wasser der geschützten Bucht von Saint-Briac-sur-Mer an der bretonischen Küste entlang des Küstenwanderwegs GR34.
Bucht von Saint-Briac-sur-Mer an der bretonischen Küste

GR34 Tag 7:  Dinard – Saint Malo

Länge: 29km | Höhenmeter: ↑ 450 & ↓ 450 | Ziel: App. Les Cyprès

Die Überraschung des Morgens: Mein Zelt war tatsächlich trocken. Keine Ahnung, warum…

Weniger erfreulich war dagegen der Campingplatz-Bäcker, der für 8 Uhr angekündigt war und um 8:15 Uhr immer noch nicht da war. Vielleicht hatte er das Feuerwerk am Vorabend, das auch ich gemütlich vom Zelt aus verfolgen konnte, etwas zu ausgiebig gefeiert.

Gleich nach dem Loslaufen fällt mir auf wie anders dieser Abschnitt des GR34 ist. Der Küstenweg ist fast durchgängig von massiven Befestigungsmauern gesäumt, dazwischen tauchen immer wieder einzelne Bunker auf.

Die Strecke rund um Dinard gehört für mich zu den schönsten Abschnitten der bisherigen Tour. Meist verläuft er als breiter Uferweg, auf Höhe der Wasserlinie. Oberhalb thronen beeindruckende Villen mit riesigen Stützmauern. Mein Handy ist hier praktisch im Dauereinsatz.

Am Hauptstrand von Dinard gibt es endlich Croissants und Kaffee. Von Dinard könnte ich bequem mit der Fähre in nur zehn Minuten nach Saint-Malo übersetzen, aber ich laufe lieber um die Bucht herum.

Auch hinter Dinard bleibt der Uferweg zunächst breit und eben, immer mit Saint-Malo im Blick. Hinter dem Plage du Prieuré überquere ich die Staumauer Barrage de la Rance, auf der sich der Verkehr staut.

Danach zeigt der GR34 wieder sein typisches Gesicht: schmale Küstenpfade, ordentlich Auf und Ab und natürlich die herrlich ungenormten Treppenstufen.

Nach dem Solidor-Turm erreiche ich schließlich das Mémorial 39–45 auf der Halbinsel Cité d’Alet. Die historischen Bunkeranlagen und der Blick auf die Bucht und Saint Malo lohnen den kleinen Abstecher.

Eigentlich führt der GR34 oben auf der Stadtmauer entlang aber natürlich schlendere ich auch durch die Altstadt mit ihren engen Gassen.

Die Stadt ist wirklich toll aber an einem Samstagnachmittag in den Sommerferien, mit einem dicken Wanderrucksack, vielleicht nicht die beste Idee.

Nach meinem Rundgang folge ich dem vier Kilometer langen Sandstrand. So schön die Promenade auch ist, ich bin froh, als sie endlich endet.
Natürlich schickt mich der GR34 zum Schluss noch einmal quer über einen weiteren langen Sandstrand…

Boah, bin ich froh, als ich endlich meinen Übernachtungsplatz erreiche.

Historische Villen stehen über einem kleinen Sandstrand an der Smaragdküste und begleiten den Küstenwanderweg GR34 bei Dinard.
Küste von Dinard am GR34
Blick über den Yachthafen auf die Altstadt von Saint-Malo während einer Küstenwanderung in der Bretagne.
Yachthafen und Altstadt von Saint-Malo

GR34 Tag 8:  Saint Malo – Pointe du Grouin

Länge: 25km | Höhenmeter: ↑ 630 & ↓ 620 | Ziel: Camping Pointe du Grouin

Nach einem Pausentag bei meiner Schwester und ihrer Familie, die „zufällig“ ganz in der Nähe von Saint-Malo Urlaub machen, geht es heute wieder zurück auf den GR34.

Frisch gewaschene Wäsche, ein aufgeladenes Handy und ein Ruhetag zwischendurch: Toll!

Schon nach den ersten Kilometern erreiche ich die wunderschöne, halbmondförmige Bucht von Rothéneuf.

Da gerade Ebbe ist, kann ich direkt durchs Watt über den breiten Strand wandern, statt die Flut-Variante durch den lichten Wald zu nehmen. Dabei genieße ich die Aussicht auf die kleinen Boote, die schräg im Schlick liegen.

Nachdem die erste Wattquerung so problemlos funktioniert hat, werde ich mutig und nehme wenig später gleich noch eine zweite Abkürzung durchs Watt. Ich bin ja so mutig.

Weiter geht’s durch die Dünen von Chevret. Zum Glück ist der Untergrund hier deutlich fester als auf den östlichen Abschnitten. Sand und ich werden auf dieser Tour zwar keine Freunde mehr, aber heute kommen wir ganz gut miteinander aus.

Danach folgt wieder genau das, was ich am GR34 so liebe: schmale Küstenpfade, unzählige kurze An- und Abstiege und hinter jeder zweiten Kurve eine neue Aussicht auf Buchten oder Sandstrände.

Dazu leicht Bewölkung und ein angenehmes Lüftchen: perfekte Wanderbedingungen.

Schon gegen 14 Uhr stehe ich fast am gebuchten Campingplatz. Blöd nur, dass morgen 34 Kilometer anstehen. Beide Campingplätze hatte ich wegen der Nähe zum Mont-Saint-Michel schon von zu Hause aus reserviert. Damals hielt ich das für eine clevere Idee. Heute… eher nicht.

Also laufe ich spontan noch 7 Kilometer weiter. Das Geld für den Campingplatz ist zwar weg, aber mein morgiges Ich wird mir dafür dankbar sein.

Je näher ich der Pointe du Grouin komme, desto mehr Menschen sind unterwegs. Manche tatsächlich in Flipflops oder Badeschlappen…

Die Pointe du Grouin hat nicht nur spektakuläre Ausblicke, sondern auch mit zahlreichen Bunkern des Atlantikwalls aus dem Zweiten Weltkrieg.

Nach insgesamt 25 Kilometern erreiche ich schließlich den Camping Municipal und das heutige, neue Ziel.

Linda wandert mit Trekkingstöcken über den Sandstrand der Bucht von Rothéneuf bei Ebbe auf dem Zöllnerpfad GR34 entlang der bretonischen Küste.
Bucht von Rothéneuf bei Ebbe
Der schmale Küstenwanderweg GR34 schlängelt sich über die Steilküste zum Pointe du Grouin mit weitem Blick auf das Meer und die zerklüftete Küste der Bretagne.
Blick auf die Pointe du Grouin

GR34 Tag 9:  Pointe du Grouin – Cherrueix

Länge: 28km | Höhenmeter: ↑ 370 & ↓ 380 | Ziel: Camping Le Tenzor de la Baie

Mein vorletzter Wandertag auf dem GR34 beginnt früh. Um 7:45 Uhr stehe ich geschniegelt und gestriegelt vor der Snackbar des Campingplatzes und freue mich auf frische Croissants. Blöd nur, dass der Bäcker erst um 8:05 Uhr liefert.

Mit zwei Croissants setze ich mich anschließend an den Strand. Das Meer ist spiegelglatt, das Wasser kristallklar, kein Lüftchen und keine Wolke am Himmel: Wunderschön aber gleichzeitig wird das heute wohl wieder ein richtig heißer Wandertag.

Zum ersten Mal sehe ich jetzt auch den Mont-Saint-Michel in der Ferne. Mein Ziel. Von hier wirkt er allerdings noch unglaublich weit entfernt…

Der Weg bis Cancale verläuft zunächst noch genau so, wie ich den GR34 liebe: schmale Küstenpfade, herrliche Ausblicke und angenehme Schattenpassagen. Trotzdem läuft mir schon gegen 9:15 Uhr der Schweiß in Strömen.

Cancale selbst lasse ich natürlich nicht aus, schön alleine für meinen Trinkjoghurt, den ich vor der Tür gleich austrinke…

Auf den Terrassen am Hafen werden Austern gegessen, die Schalen fliegen traditionell einfach auf den Strand und dort wachsen beeindruckende Berge aus Austernschalen. Was damit wohl passiert?

Gegen Mittag wartet laut Höhenprofil der letzte Anstieg meiner gesamten GR34-Tour.

Was dann folgt, macht wirklich keinen Spaß. Kilometerlang laufe ich auf einer staubigen Schotterpiste direkt neben der Straße.

Links rauscht der Verkehr vorbei, rechts liegt die ausgetrockneten Bucht und über mir brennt die Sonne.

Um die Straße noch etwas hinauszuzögern, drehe ich sogar eine Extrarunde um eine Austernzucht, doch irgendwann gibt es kein Entkommen mehr. Ich überlege ernsthaft, ob ich irgendwo einen Bus nehmen kann aber der nächste fährt erst am Abend.

Immer wieder begegnen mir kleine Traktoren, die Anhänger voller Austernsäcke ziehen, zwischen denen zwei oder drei Arbeiter sitzen. Außerdem kommen mir die großen amphibischen Arbeitsboote auf ihren Rädern entgegen.

Nach 27 Kilometern erreiche ich schließlich völlig verschwitzt und komplett platt den Campingplatz in Cherrueix.

Die Austernbänke von Cancale liegen bei Ebbe vor der Küste und prägen die Landschaft entlang einer Küstenwanderung auf dem GR34.
Austernbänke von Cancale
Linda genießt eine Pause mit Blick auf den ruhigen Strand und das Meer während ihrer Wanderung auf dem Zöllnerweg.
Pause mit Blick auf das Watt bei Cancale

GR34 Tag 10:  Cherrueix – Mont-Saint-Michel

Länge: 17km | Höhenmeter: ↑ 20 & ↓ 20 | Ziel: Camping du Mont Saint-Michel

Mein letzter Wandertag auf dem GR34 beginnt früh. Für den Nachmittag sind 32 Grad angekündigt und ich möchte der größten Hitze entgehen.

Gar nicht so einfach, denn mein Zelt ist morgens komplett nass. Trotzdem bin ich schon um 7:45 Uhr unterwegs, denn heute auch auf keinen Bäcker warten. Die haben Mittwochs zu…

Der Weg führt wieder über einen Deich. Unter meinen Füßen knirscht feiner Schotter, vor mir liegt die ganze Zeit der Mont-Saint-Michel.

Links glitzert das Meer deutlich näher als gestern, rechts sorgen zunächst die liebevoll gestalteten Vorgärten für Abwechslung.

Nach einer kleinen Kapelle wird der Weg schmaler. Statt Vorgärten begleitet mich nun eine Hecke. Dahinter liegen Weiden und Felder, Schatten gibt es allerdings keinen. Dabei ist es gerade einmal halb neun.

Also heißt es: weiter. Eigentlich ist dieser Damm wunderschön. Wildblumen, Wiesen, absolute Ruhe und der Mont-Saint-Michel wird mit jedem Kilometer größer.
Aber Kilometer lang stur geradeaus…

Dann endlich der schönste Aussichtspunkt der Etappe, ganz nah an der Gezeiteninsel. Mein Handy läuft heiß und ich genieße den Blick auf mein Wanderziel.

Kurz darauf erreiche ich den Staudamm. Dort endet die Ruhe schlagartig. Hotels, Restaurants, Shuttlebusse und unzählige Menschen kündigen an, dass ich mein Ziel fast erreicht habe.

Unglaublich, aber die 17 Kilometer sind schon gegen halb zwölf geschafft. Ich darf sogar schon mein Zelt aufbauen, dusche kurz und fahre anschließend mit dem kostenlosen Shuttlebus zum Mont-Saint-Michel.

Dort ist die Hölle los. Die engen Gassen sind voller Menschen, die historischen Häuser bestehen heute überwiegend aus Restaurants und Souvenirläden und eine Cola kostet sechs Euro.

Trotzdem: Der Mont-Saint-Michel und die Abtei sind absolut sehenswert und nach zehn Tagen und 270km auf dem GR34 ein toller Abschluss meiner Tour. 

Linda blickt auf den Mont Saint-Michel, während sie über die weiten Salzwiesen auf den berühmten Klosterberg zuwandert.
Wanderweg mit Blick auf den Mont Saint-Michel
Der Kreuzgang der Abtei Mont Saint-Michel umschließt einen begrünten Innenhof unter den mächtigen Mauern des Klosters in der Normandie.
Kreuzgang der Abtei Mont Saint-Michel

Mein Fazit zum GR34

Den Abschnitt des GR34 zwischen Saint-Brieuc und dem Mont-Saint-Michel fand ich großartig: Spektakuläre Küstenlandschaften, abwechslungsreiche Pfade und viele kleine Highlights machen ihn für mich zu einer der schönsten Weitwanderungen, die ich bisher gemacht habe.

Ähnlich toll wie der Fischerweg in Portugal oder der erste Abschnitt des Camino del Norte in Spanien.

Rückblickend würde ich die Tour beim nächsten Mal allerdings in die andere Richtung laufen, also am Mont-Saint-Michel starten.

So hat man die Sonne meist häufiger im Rücken, beginnt direkt mit einem der größten Highlights der Strecke und steigert sich landschaftlich (und in Höhenmetern) bis zu den hügeligeren Küsten rund um Cap Fréhel.

Ein weiterer Pluspunkt sind die vielen Campingplätze entlang der Strecke. Dadurch bleibt man bei der Etappenplanung flexibel und spart gleichzeitig einiges an Geld, denn gerade in der Bretagne können Unterkünfte schnell teuer werden.


Praktische Tipps für den GR34

Anspruch: Der Abschnitt des Zöllnerpfads ist kein Spaziergang und teilweise durchaus anspruchsvoll. Für mich als geübte Wanderin war er aber gut machbar.

Etappenlänge: Wenn du zum ersten Mal mehrere Tage am Stück wanderst oder unterwegs auch Zeit zum Baden oder Sightseeing haben möchtest, würde ich etwas kürzere Etappen wählen. So kannst du die Küste entspannter genießen und gerätst nicht so schnell unter Zeitdruck.

Navigation: Die Route ist mit den typischen rot-weißen Wegmarkierungen ausgeschildert. Trotzdem empfehle ich dir, unbedingt eine Offline-Wanderkarte dabeizuhaben, denn der Handyempfang ist nicht überall zuverlässig und die Markierungen sind nicht immer sofort zu erkennen.

Verpflegung: Dörfer und Einkaufsmöglichkeiten liegen oft etwas abseits des Weges. Trotzdem habe ich tagsüber meist nur Snacks mitgetragen. Fast alle Campingplätze hatten eine Snackbar oder (zumindest in der Hauptsaison) einen Foodtruck mit Abendessen.

Auf den meisten Campingplätzen konnte ich außerdem schon am Vorabend Croissants für den nächsten Morgen bestellen.

Camping: Plane morgens etwas mehr Zeit ein. Durch den Tau war mein Zelt fast jeden Morgen noch nass und musste entweder erst trocknen oder feucht eingepackt werden.


Weitere Inspirationen für Weitwanderwege

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    Linda steht auf einem Berghang und blickt auf den türkisfarbenen Lago d'Apsoi, umgeben von steilen Felswänden.