Königstour Piano del Valasco
Traumhafte Wanderung im Hochtal des Valle Gesso
Das malerische Hochtal Piano del Valasco im Talschluss des Valle Gesso ist ein Idyll wie im Bilderbuch! Die aussichtsreiche „Königstour“ verläuft von Terme di Valdieri bis hoch über dieses wunderschöne Tal, in das hochalpines Grenzgebiet der piemontesischen Seealpen.
Ich habe diese tolle Wanderung bereits mehrfach gemacht! Hier findest Du meine Wanderbeschreibung dieses wunderbaren Rundwanderwegs am Talschluss des Gesso Tals.
Piemont Süd: Vom Monviso bis zu den Ligurischen Alpen
✅Auflage 06/2019
✅50 Touren auf 192 Seiten
✅mit GPS-Tracks
Wanderbeschreibung der Königstour
Von Terme di Valdieri zum Piano del Valasco
Die malerische Hochebene Piano del Valasco liegt im äußersten Südosten der Region Cuneo, im Piemont.
Sie wurde ab 1922 eines der liebsten Jagdreviere von König Vittorio Emanuele III, nachdem er den heutigen Gran Paradiso Nationalpark dem Staat Italien schenkte und lieber näher an Rom zum Jagen ging.
Ich starte diese einmalige Wanderung vom Auto- und Camper- Parkplatz in Terme di Valdieri (dazu findest Du unter „Anreise und Parken“ nähere Informationen), dem Ende der Straße im Valle Gesso.
Ich folge man der ehemaligen Militär- und Schotterstraße aufsteigend weiter hinein ins grüne Tal, dem Vallone di Valasco.
Der sanft aber stetig steigende Weg führt erst durch einen schönen schattigen Laubwald und später, mit zunehmender Höhe, durch einen Lärchenwald. Immer wieder fällt das Licht wunderschön auf große Goldregen-Bäume, die sich entlang des Weges befinden.
Als die Militärstraße eine Rechtskurve macht, zweigt ein schmalerer Wanderpfad links ab. Diesem folge ich, weiterhin stetig berghoch führend, um am Fluss zu bleiben.
In zahlreichen Kehren treffen die breitere Schotterpiste und mein schmaler Weg wieder aufeinander, ich bleibe aber immer auf dem idyllischen Pfad.
Irgendwann endet der Pfad und es bleibt nur der Anstieg auf der Militärstraße weiter aufwärts. Während der gesamten Zeit überlege ich bereits, ob ich mich doch irgendwann erinnern werde.
Ich weiß, dass ich auf meiner Alpenüberquerung vor fast 6 Jahren in Termi di Valdieri übernachtet habe, also muss ich eigentlich auch diesen Weg bereits genommen haben…. Mein verfluchtes Gedächtnis!
Etwas mehr als eine Stunde von meinem Ausgangspunkt in Terme di Valdieri entfernt, kündigt ein großer Wasserfall den Eingang zum Piano del Valasco an. Ich komme um eine Kurve und dann passiert es:
Piano del Valasco
Ich bin schockverliebt: für diese Naturschönheit fehlen mir wirklich die Worte! Vor mir öffnet sich der weiter Talkessel, mit großer Grasfläche. Dieser wird durchzogen von einem gewundenen Bach und unzähligen weiteren kleinen Wasserarmen.
Drumherum, auf den weiten Wiesen unzählige, bunte Almblumen! Umrahmt wird dieser märchenhafte Anblick von hohen, steinigen 3000er Berggipfeln!
Voll verzaubert beobachte ich diese Idylle! Ein paar Schritte weiter, erkenne ich in der Mitte dieser wunderschönen Hochebene das ehemalige Jagdschloss Reale Casa di Caccia.
Jetzt kommt auch die Erinnerungen an Tag 29 meine Alpenüberquerung zurück. Auf meinem Weg von Chamonix nach Menton ans Mittelmeer, bin ich nämlich über den GTA-Wanderweg (Grande Traversata delle Alpi) bereits durch dieses Tal gewandert und habe mit Wegbekanntschaften innerhalb dieses Gebäudes einen Apéro getrunken.
Reale Casa di Caccia / Rifugio del Valasco
Die schöne Reale Casa di Caccia, auf 1764m.ü.M. wurde von Vittorio Emanuele II für seine Gamsjagden in Auftrag gegeben. Der ehemalige königliche Jagdpalast wurde zwischen 1880 und dem Ende des 19. Jahrhunderts erbaut.
Während der Weltkriege wurde das Gebäude von der Armee beschlagnahmt und als Kaserne genutzt.
Heute ist das ehemalige Schlösschen restauriert und nennt sich Valasca Hütte. Für Wanderer und Ausflügler, in das idyllische Piano del Valasco, ist sie von Anfang Juni bis Ende September geöffnet. Es gibt eine Bar und ein Restaurant sowie 45 Übernachtungsplätze.
Auf dem breiten Jagdsteig schlendere ich auf das heute Rifugio del Valasco zu und fotografiere mir die Finger wund.
Dank Google weiß ich jetzt auch, die Namen einiger dieser prachtvoll blühenden Gewächse: Knabenkraut, Hornklee, Bärwurz, jede Menge Hahnenfuß, Schlagen-Knöterich und Vergissmeinnicht. Um nur einige zu nennen.

Aufstieg vom Piano del Valasco zum Lago inferiore di Valscura
Ich wandere rechts am Gebäude vorbei, auf grobem Kopfsteinpflaster, sanft aufsteigend. Nach dem leichten Anstieg gehe ich auf der nächsten Geländestufe, wieder durch einen kleinen Wasserfall getrennt. Landschaftlich dasselbe schöne Bild: traumhafte Almwiesen durchzogen von Wasserläufen!
Der breite Graspfad führt schnurstracks auf die größer werdenden Berge zu. Durch sehr lichten Baumbestand schlängelt sich der gut ausgebaute Weg in Serpentinen am Hang empor. Ich folge den Wegweisen Richtung Lage inferiore di Valscura.
Es gibt zwar immer wieder schmale Pfade, mit denen sich der kurvige Anstieg abkürzen ließe aber diese sind entweder sehr steil oder sehr verwachsen. Also bleibe ich auf dem Hauptpfad. Die Umgebung wird bald steiniger, die Bäume weniger und die eh schon tolle Sicht, noch besser.
Hinter einem Wasserfall kürzt ein breiter, steiniger Militärweg, eine ausholende Kehre ab. Nun bin ich definitiv über der Baumgrenze angelangt und die Sonne brennt.
Tat sie vorher auch schon aber durch die vereinzeltet Bäume, konnte ich immer wieder kurz durch schattige Passagen wandern.
Dann trifft meine Abkürzung wieder den Hauptweg und es geht ungehindert, mittlerweile etwas steiler ansteigend, in der prallen Sonne nach oben.
Gefühlte 5l Schweiß später, führt der breite Weg zwischen die Felshänge und ich verliere die Sicht auf das mittlerweile sehr tief unter mir liegende Piano del Valasco.
Links vorbei an ein paar Kasernenruinen, stehe ich dann endlich vor dem idyllisch gelegenen Lago Inferiore di Valscura. Auf der anderen Seeseite, noch viel weiter oben in den zerklüfteten Felsen ragt eine weitere große Kaserne hervor.
Gerne würde ich hier Pause machen aber bereits seit geraumer Zeit verfolgt mich ein Schwarm Fliegen, die penetrant an mir kleben und mich umfliegen. Sobald ich stehenbleibe, setzten sich wenigstens 30 von den Plagegeistern auf meiner Haut ab.
Ich empfinde tiefes Mitleid mit Pferden, Kühen und sonstigen Tieren, die Tag aus, Tag ein mit diesem Problem zu kämpfen haben. Ich verlangsame also nur meine Schritte während ich links am See vorbei, den nächsten Felshügel ansteuere und trinke im Gehen ein paar tiefe Züge.
Lago di Claus und Lago delle Portette
In steilen Serpentinen geht es weiterhin bergauf und mittlerweile tropft der Schweiß… Dann komme ich um eine weitere Ecke und sehe vor mir eine traumhafte schöne, steinerne Trasse.
Durch die zackigen Geröllfelsen führt diese fast ebene und glatte Trasse Richtung Lago di Claus. Links öffnet sich nun auch der Blick ins Valle Gesso.
Dies ist wieder einer dieser Momente, an denen ich dankbar bin, mich nicht auf einen maximal 36-Bilder Fotofilm beschränken zu müssen, sondern knipsen kann so viel ich will. Und das tue ich auch.
Viel und lange und in alle Richtungen denn diese Weitsicht, über das Piano del Valasco und Valle Gesso hinaus, ist wirklich spektakulär. Die Hälfte der Fotos wird sowieso Fliegen drauf haben und ich werde sie löschen können.
Es ist wirklich so unglaublich schön hier oben! Ich passiere einen Bachlauf, der sich in einzelnen Kaskaden den steinernen Hang hinunterbewegt und es gibt wieder etwas Gras, während ich einen kleinen See passiere und dann vor dem Lago di Claus, auf 2347m stehe. Und wieder kann ich mich und meine Handykamera kaum bremsen!
Um diesen glasklaren Gletschersee herum stehen die Testa del Claus (2889m) und der Cima della Lause (2823m) und werfen Spiegelbilder ins Wasser. An ihren Hängen klebt noch ein Rest Schnee und Eis. Soooooo schön!
Aber weiter, Stehenbleiben geht wegen der Fliegen ja eh nicht…. Ich schlendere am See entlang und verpasse bei meiner ganzen Bewunderung den Abbieger zum Rifugio Questa. Grundsätzlich nicht schlimm.
Aber statt auf einer Höhe zuwandern, steige ich über Serpentinen ab, um anschließend zum Rifugio wieder aufzusteigen. Egal!
Kurz unterhalb der Schutzhütte befindet sich der tiefblaue Lago delle Portette. An seinem Ufer erkennt man deutlich, dass ihm einiges an Wasser fehlt und sich der Klimawandel mehr als bemerkbar macht….
Von Juni bis September kann man im Rifugio Questa, auf der Panoramaterrasse Pause machen und bei Speisen und Getränken die fantastische Aussicht ins Valle Gesso genießen. Auf 2388m.ü.M. bietet die ehemalige militärische Baracke auch 30 Schlafplätze in 3 Schlafsälen.
Höhenweg über dem Piano del Valasco
So, und ab jetzt geht es (endlich) bergab. Nur ein kurzeAbstieg vom Rifugio und ich stehe wieder auf dem Hauptweg. Man könnte von hier direkt ins Piano del Valsasco absteigen oder aber erst noch auf der Höhe bleiben.
Da der direkte Abstieg steiler und somit weniger gut für die Knie ist und ich nicht gleich wieder die erreichte Höhe verlassen will, bleibe ich auf dem breiten, mit N22 gekennzeichneten Hauptweg.
Eine gute Entscheidung denn der wunderschöne Höhenweg führt nur langsam und sanft bergab und bleibt konstant über 2000m, immer mit der traumhaften Sicht ins Tal. So wandere ich oberhalb, entlang des Piano del Valasco Talkessels und genieße einfach.
Bald sehe ich das Tal Val Morta in dem ich dann doch absteigen muss wenn ich nicht Richtung Colletto di Valasco wieder aufsteigen will. Dazu fehlt mir dann mittlerweile doch die Kraft. Ach ja: zwischenzeitlich haben die Fliegen sich etwas zurückgenommen und ich konnte auf diesem aussichtsreichen Teilstück mal kurz Pause machen.
Rückweg nach Terme di Valdieri
Beim Wegweiser Richtung Piano del Valasco und Termi di Valdieri folge ich diesem in das wunderschön, grüne Val Morta. Der Bach, an dessen rechter Seite ich ins Tal wandere, wird immer größer und reissender und schlengelt bzw fällt bald durch einen tiefen Canyon nach unten.
Mein Bergpfad windet sich über blühende Wiesen und Hänge voller rostblättriger Alpenrosen. Traumhaft schön und um mich herum ist keine Menschenseele. Es ist friedlich und still.
Zurück im Piano del Valasco hat sich die Gras- und Wiesenlandschaft langsam gefüllt. An den Bachufern sitzen Familien mit Kinder und picknicken oder spielen im Wasser. Andere Wanderer erfrischen sich die Füße im kühlen Nass.
Wäre ich nicht so eine Warmduscherin, würde ich jetzt ein erfrischendes Bad im Flüsschen nehmen aber so halte ich ebenfalls kurz die Füße rein und erfrische mir nur das Gesicht. Tut sehr gut!
Ab hier geht es dann denselben Weg zurück. Wieder vorbei am ehemaligen Jagdschlösschen Rifugio del Valasco und über die alte Militärstraße zurück nach Terme di Valdieri.
⇨ Was eine herausragende Wanderung, die den Namen „Königstour“ definitiv verdient hat!
Wanderdetails: Piano del Valasco Königstour
Start- & Endpunkt: Terme di Valdieri
Länge: 20km
Höhenmeter: ↑ 1050 / ↓1050
Schwierigkeit: schwer
Link zu den Details der Wanderroute, aufgezeichnet mit Komoot
Abkürzung und kürzere Tour-Variante
Für diese herausragende Wanderung gibt es keine wirkliche Abkürzung. Wer einmal aus dem Piano del Valasco aufsteigt, kommt so schnell nicht mehr herunter. Es mag allerdings einfacher sein, die Wanderung in die andere Richtung zu unternehmen.
So wandert man auf schmaleren Pfaden, auf denen mehr Konzentration benötigt wird, aufwärts und auf den breiten Fahrwegen, abwärts.
Vom Rifugio Questa könnte man direkter ins Piano del Valasco zurück absteigen. Ob dies allerdings wirklich viel kürzer ist, wage ich zu bezweifeln. Es geht steiler bergab und ist deswegen vielleicht eher noch anstregender als der etwas längere Höhenweg.
Anreise und Parken in Terme di Valdieri
Terme di Valdieri ist der letzte Ort oder besser Häuseransammlung, im Valle Gesso. Von der Stadt Cuneo aus sind es 35km, immer auf der Straße SP239. Letzte Möglichkeit für Einkäufe ist das Dorf Sant‘ Anna di Valdieri.
Terme di Valdieri besteht eigentlich nur aus Parkplätzen, der Wanderherberge Casa Savoia und dem Hotel Terme di Vadieri.
Fahr mit dem Auto bis ans Ende der Straße, hinter der Terme. Dort befindet sich ein schöner, großer Parkplatz direkt am Wasser. Kosten: € 3,50 pro Auto / Tag (zwischen 11. Juni und 11. September, sonst kostenlos).
Tipp: Dieser Parkplatz eigent sich hervorragend um mit dem Camper zu übernachten (siehe unten).
Zwischen Mitte Juni und Mitte September fährt auch 1-2x täglich die Buslinie 82 von Cuneo nach Terme di Valdieri. Die Fahrt dauert 1std.
Tipps für die Königsrunde oberhalb des Piano del Valasco
Tipp #1: Da die Wanderung lang ist und es ab dem Piano del Valasco kaum noch Schatten gibt, empfehle ich morgens so früh wie möglich loszuwandern. Auch hast Du am morgen das idyllische Piano del Valasco noch für Dich. Ab dem Vormittag wird es zusehends voller. Vergiss die Sonnencreme nicht!
Tipp #2: Übernachte am Vorabend der Wanderung vor Ort. Hast Du einen Camper empfehle ich Dir die Area Soster Camper, die auch Teil des großen Parkplatzes am Ende von Terme di Valdieri ist.
Und parke Deinen Camper dann nicht gleich hinter der Einfahrt, sondern fahre Richtung Ausgang und stelle Dich dort direkt ans Wasser. Kosten: € 12.00 pro Camper (1. Nacht), € 20.00 für 2 Nächte
Alternativ gibt es am Startpunkt der Wanderung Übernachtungsmöglichkeiten in der Herberge „Posta Tappa GTA“ sowie etwas luxuriöserer in der Terme Reali di Valdieri.
Tipp #3: Pack Schwimmsachen ein. Es gibt entlang des Baches unglaublich viele tolle Stellen, an denen Du ins Wasser gehen kannst. Zum Schwimmen reicht der Wasserstand, trotzdem ist das Wasser eine herausragende Abkühlung.
Weitere Inspiration für Wanderungen im Piemont gefällig?
Das Piemont bietet viele, herausragende Wanderungen! Etwas weiter südlich gibt es im Valle Stura eine herausragende Pässe- und Seenwanderung mit Start am höchsten Heiligtums Europas: Die Tour du Lausfer ab Sant’Anna di Vinadio.
Unweit befindet sich der alpine Grenzpass Colle di Tenda, der das Piemont mit der Mittelmeerküste verbindet. Entlang des Grenzkammes gibt es herausragende Wanderungen.
Etwas nördlicher gibt es im Valle Po eine herausragende 4-Seen-Wanderung unterhalb des Monviso und im Val Chisone eine wunderschöne Rundwanderung, die von der Festung Fenestrelle zu einem der schönsten Dörfer Italiens führt.
Im Val Germanasca ist die Hochebene der 13 Laghi (Seen) eine traumhaft, aussichtsreiche Wanderung für die ganze Familie.
