Via Podiensis
Meine 9 Highlights auf dem beliebten französischen Jakobsweg
Die Via Podiensis, auch bekannt als GR65 oder französischer Jakobsweg, ist mehr als nur eine Pilgerroute: Sie ist eine Reise durch das ursprüngliche Herz Frankreichs.
Von Le Puy-en-Velay führt sie über einsame Hochplateaus, durch romanische Dörfer und mittelalterliche Städte bis nach Saint-Jean-Pied-de-Port in den Pyrenäen, dem Startpunkt des Hauptweges nach Santiago de Compostela.
Ich selbst bin mehrere Etappen dieses Weges gewandert und war besonders begeistert von der Weite und den authentischen Dörfern entlang dieser Route.
In diesem Artikel zeige ich dir die schönsten Highlights der Via Podiensis. Aus erster Hand und mit vielen Tipps für alle, die diesen besonderen Jakobsweg entdecken wollen.
Französischer Jakobsweg
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Via Podiensis – Meine Highlights
1. Le Puy-en-Velay – Startpunkt der Via Podiensis
Le Puy-en-Velay ist der offizielle Startpunkt der Via Podiensis und allein schon ein Grund für eine Reise in diese Region. Als ich ankam, war sofort spürbar, dass hier Pilgertradition und französische Kultur auf besondere Weise verschmelzen.
Was mir zuerst ins Auge fiel, waren die markanten Vulkanschlote, die hoch über der Stadt aufragen. Besonders beeindruckend: die kleine Steinkirche Saint-Michel d’Aiguilhe, die spektakulär auf dem Aiguilhe-Felsen thront.
Der Aufstieg über die 268 Stufen ist sportlich, aber oben angekommen wird man mit einer tollen Aussicht über die Stadt belohnt.
Auf der anderen Seite erhebt sich die Notre–Dame de France, eine 16 Meter hohe Statue aus eingeschmolzenem Kriegsmetall. Ich bin tatsächlich hineingestiegen – ja, sie ist begehbar – und der Rundblick weit über das Zentralmassiv hat mich total begeistert.
Am meisten berührt hat mich allerdings der Besuch der Kathedrale Notre-Dame, ein Meisterwerk romanischer Architektur. Für viele ist die berühmte schwarze Madonna das Highlight.
Für mich war es der Weg hinauf durch die Gassen und dann dieser Moment, wenn man durch den Torbogen der Kathedrale zurückblickt. Ein wunderschöner Auftakt für den Pilgerweg.
Nimm Dir unbedingt Zeit, auch durch die Altstadt zu schlendern: kleine Cafés, Kopfsteinpflaster, alte Kapellen und das ehrwürdige Hotel-Dieu machen das Stadtbild besonders.
Wenn möglich, solltest Du Dir hier wirklich einen Tag mehr gönnen. Nicht nur zum Starten, sondern um anzukommen.
Mein Tipp: In einem kleinen Laden in der Kathedrale bekommst Du Pilgerausweis, Jakobsmuschel und Infomaterial und kannst Dich ins Pilgerbuch eintragen.
2. Conques
Nach den vulkanischen Höhenzügen des Zentralmassivs wechselt die Landschaft auf der Via Podiensis deutlich: Die raue Kulisse weicht der offenen Aubrac-Hochebene.
Eine stille, grüne Weite mit Weiden bis zum Horizont, Steinmauern und einsamen Pfaden. Ich erinnere mich gut an das Gefühl, hier freier atmen zu können.
Durch die tief eingeschnittene Gorges du Dourdou de Conques führt der Weg schließlich in den kleinen Ort Conques, den viele nach etwa zehn bis elf Wandertagen erreichen.
Mit seinen rund 250 Einwohnern zählt er zu den offiziell schönsten Dörfern Frankreichs und das völlig zu Recht. Die engen Gassen, die dunklen Steindächer, die Ruhe: Ich fühlte mich sofort zurück versetzt ins Mittelalter.
Das Herzstück ist die beeindruckende Abteikirche Sainte-Foy, ein Meisterwerk der Romanik. Besonders der Kreuzgang hat mich beeindruckt. Hier werden die Reliquien der heiligen Fides aufbewahrt, einer 13-jährigen Märtyrerin, die für ihren Glauben starb, zusammen mit kunstvollen Schätzen mittelalterlicher Goldschmiedekunst.
Ein weiterer stiller Höhepunkt war für mich die steinene Pilgerbrücke aus dem 15. Jahrhundert, die sich über den Fluss Dourdou spannt.
3. Figeac
Das Städtchen Figeac erreichen Pilger auf der Via Podiensis nach ca. 2 Wochen Wanderung.
In der gut erhaltenen, mittelalterlichen Altstadt sind wunderschöne Stadtpaläste und Häuschen aus dem 13. bis 16. Jahrhundert sowie die sogenannten Soleilhos, offene Scheunen, in denen Früchte getrocknet wurden, zu bewundern.
Sehenswert ist auch die ehemalige Benediktinerabtei Saint-Sauveur und das Musée des Ecritures du Monde, welches im Geburtshaus von Jean-François Champollion untergebracht ist, Frankreichs berühmtestem Ägyptologen.
Auf der Place des Écritures (dt. Schriftenplatz) liegt eine überdimensionale Kopie des Steins von Rosetta. Das Original mit Hieroglyphen aus dem ägyptischen Memphis wurde, vom Sohn der Stadt, Champollion, übersetzt.
Besonders schön, fand ich die Aussicht über die Kleinstadt von der, etwas oberhalb stehenden Kirche Eglise Notre Dame du Puy Figeac (siehe Bild).
4. Cahors
Nach rund drei Wochen auf der Via Podiensis erreichen Pilger mit Cahors den größten Ort seit dem Start in Le Puy-en-Velay.
Die Kleinstadt mit etwa 20.000 Einwohnern liegt spektakulär auf einer Halbinsel, die vom Fluss Lot umschlungen wird. Schon bei der Ankunft wirkt sie wie eine Oase nach Tagen in kleinen Dörfern und ländlicher Abgeschiedenheit.
Was mich besonders überrascht hat, war das lebendige Flair – Märkte, Cafés, Flusspromenade – und zugleich die mittelalterliche Atmosphäre, die über allem liegt.
Cahors ist übrigens nicht nur Stadt, sondern auch Weinregion: Auf rund 4000 Hektar links und rechts des Lots wird der berühmte tiefdunkle Malbec (AOC Cahors) angebaut. Ein Glas dieses kräftigen Weins gehört hier fast schon zum Pflichtprogramm.
Das Wahrzeichen der Stadt ist die imposante Pont Valentré, eine mittelalterliche Brücke mit drei wehrhaften Türmen, die wie aus einem Fantasyroman wirkt. Ich habe sie am späten Nachmittag überquert, als das Licht warm auf das alte Mauerwerk fiel. Ein Bild, das bleibt.
Ebenso beeindruckend fand ich die Kathedrale Saint-Étienne, ein UNESCO-Welterbe mit fast byzantinischer Wirkung im Inneren.
Mein Tipp: Hinter einem eher unscheinbaren Eingang verbirgt sich ein ruhiger, wunderschöner Kreuzgang. Nicht verpassen!
Wer noch etwas mehr entdecken will: In Cahors gibt es auch Reste einer römischen Therme, ein altes Aquädukt und die kleine Kirche Saint-Barthélemy aus dem 14. Jahrhundert. Ein Ort, den ich fast übersehen hätte, aber sehr charmant fand.
5. Lauzerte
Nur zwei Tagesetappen nach Cahors erreicht man mit Lauzerte ein weiteres Highlight der Via Podiensis und eines meiner Lieblingsdörfer entlang der Strecke.
Der Ort liegt malerisch auf einem Hügel im Département Tarn-et-Garonne und gehört ebenfalls zur Vereinigung der schönsten Dörfer Frankreichs.
Gegründet wurde Lauzerte im 12. Jahrhundert als sogenannte Bastide, eine typisch mittelalterliche Stadtanlage mit rechtwinkligem Straßennetz und zentralem Platz.
Diese Bastiden wurden strategisch auf Hügeln gebaut was man sofort merkt: Der Ausblick auf das grüne Hügelland drumherum ist atemberaubend.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich durch die engen Kopfsteinpflasterstraßen geschlendert bin, vorbei an alten Steinhäusern, kleinen Galerien und dem Marktplatz mit seinem Brunnen, wo man sofort länger verweilen möchte.
Auch die romanische Kirche Saint-Barthélemy aus dem 14. Jahrhundert ist einen kurzen Abstecher wert.
Besonders gefallen hat mir der „Garden of the Senses“, ein duftender Kräuter- und Blumengarten etwas abseits vom Trubel. Perfekt für eine Pause und einer dieser Orte, die man nicht im Reiseführer sucht, sondern zufällig entdeckt.
Lesetipp: Hier findest Du weitere schönste Orte Frankreichs, Bastiden und Schlösser der Nachbarregion Lot-et-Garonne.
6. Moissac
Nicht weit von Lauzerte entfernt wartet schon das nächste Highlight auf der Via Podiensis: das charmante Städtchen Moissac, malerisch gelegen am rechten Ufer der Tarn.
Das unübersehbare Zentrum von Moissac ist die ehemalige Benediktinerabtei Saint-Pierre, eine romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert.
Besonders das reich verzierte Portal und der herrliche Kreuzgang haben mich beeindruckt. Die filigranen Steinreliefs erzählen biblische Geschichten mit einer Detailverliebtheit, die man einfach eine Weile wirken lassen muss. Nicht umsonst zählt die Abtei zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Etwas südlich vom historischen Zentrum beginnt ein ganz anderer Teil der Stadt: Entlang des Garonne-Seitenkanals liegen Hausboote am Ufer, und alles wirkt plötzlich mediterraner, fast urlaubsartig. Ein schöner Kontrast zur sakralen Stille der Abtei.
Nur ein paar Meter weiter lohnt ein Blick auf die imposante Kanalbrücke, die den Tarn in 356 Metern Länge überquert.1845 erbaut, heute vor allem von Freizeitschiffen genutzt.
Ich blieb dort eine Weile sitzen, beobachtete das langsame Vorbeiziehen der Boote und genoss diesen ruhigen Moment am Wasser.
7. Auvillar
Nur wenige Kilometer weiter, flussabwärts entlang der Garonne, erreicht man das nächste Bilderbuchdorf auf der Via Podiensis: das mittelalterliche Auvillar, das hoch oben auf einem Felsen über dem Fluss thront.
Mit weniger als 1000 Einwohnern wirkt es fast wie ein Geheimtipp: ruhig und voller Atmosphäre.
Besonders schön fand ich den Marktplatz: In der Mitte steht ein runder Getreidespeicher aus Stein, umgeben von Arkaden aus dem 17. und 18. Jahrhundert und liebevoll erhaltenen Fachwerkhäusern.
Es fühlt sich ein bisschen an, als würde hier gleich ein historischer Wochenmarkt beginnen. Man kann sich das frühere Leben direkt vorstellen.
Gleich neben der Kirche Saint-Pierre, deren Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, führt ein kleiner Weg zu einer Aussichtsplattform. Der tolle Blick reicht weit über das flache Umland und den mäandrierenden Fluss.
8. La Romieu
La Romieu im Département Gers zählt ebenfalls zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Es ist wirklich klein, ruhig und voller Charakter. Schon beim Ankommen spürt man die besondere Atmosphäre der steinerne Gassen und stillen Plätze.
Im Zentrum steht die beeindruckende Stiftskirche Saint-Pierre, ein UNESCO-Weltkulturerbe aus dem 14. Jahrhundert.
Sie wurde vom einflussreichen Kirchenmann Arnaud d’Aux de Lescout erbaut, der aus La Romieu stammte und durch familiäre Beziehungen bis nach Avignon aufstieg. Sein Geld floss in diesen prächtigen Komplex, der als Palast und Grabstätte diente.
Beim Rundgang (mit Audioguide) hat mir besonders der wunderschöne Kreuzgang gefallen. Wer die engen Stufen des 33 Meter hohen Kardinalsturms meistert, wird mit einem tollen Blick über das Gers belohnt.
Auch abseits der Kirche hat La Romieu einiges zu bieten: Der botanische Jardin de Coursiana mit über 700 seltenen Pflanzen ist offiziell als „bemerkenswerter Garten“ ausgezeichnet.
Und dann wären da noch die Katzenstatuen, die überall im Dorf verteilt sind. Eine Erinnerung an die Legende, nach der Katzen einst die Bewohner vor dem Verhungern retteten.
⇨ Weitere Fotos unseres Rundgangs findest du auf Komoot.
9. Saint Jean Pied-de-Port / Ende der Via Podiensis
Am Fuße des legendären Roncevaux-Passes, kurz vor der spanischen Grenze, liegt das kleine Bergstädtchen Saint-Jean-Pied-de-Port. Endpunkt der Via Podiensis und gleichzeitig Startpunkt des berühmten Camino Francés.
Für viele ist es der symbolische Übergang: von Frankreich nach Spanien, vom ersten großen Abschnitt in das Herz des Jakobswegs.
Die Stadt ist lebendig, ohne hektisch zu wirken. Überall begegnet man internationalen Pilgern: an Brücken, in Cafés, vor Herbergen.
Saint-Jean zählt, wen wundert’s, zu den schönsten Dörfern Frankreichs und war einst eine Festungsstadt im Königreich Navarra.
Hoch über der Altstadt thront die Zitadelle von Mendiguren, von der aus man einen herrlichen Blick über die Dächer und das umliegende Grün genießt.
Sehenswert ist auch die Kathedrale Notre-Dame du Bout du Pont, direkt an der Brücke gelegen, die dem Ort seinen Namen gibt. Und natürlich die Porte Saint-Jacques, der historischer Torbogen, durch den Pilger seit Jahrhunderten Richtung Santiago de Compostela aufbrechen.
Via Podiensis Überblick
Die Geschichte der Via Podiensis reicht zurück bis ins Mittelalter, als Pilger aus ganz Europa nach Santiago de Compostela pilgerten, um das Grab des Apostels Jakobus zu besuchen.
Der französische König Ludwig IX. förderte die Pilgerreisen, indem er Hospize und Brücken entlang des Weges errichtete.
Unter dem Namen „Wege der Jakobspilger in Frankreich“ sind die vier Jakobswege in Frankreich (Via Lemovicensis, Via Podiensis, Via Tolosana und Via Turonensis) seit 1998 anerkanntes UNESCO Welterbe
Heute ist die Via Podiensis eine beliebte Route für Wanderer und Touristen aus der ganzen Welt. Der Fernwanderweg, der fast identisch mit dem französischen Weitwanderweg GR65 verläuft, ist gut markiert und bietet zahlreiche Unterkünfte für Pilger und Wanderer.
Unter den vielen Sehenswürdigkeiten entlang der abwechslungsreichen Route sind malerische Dörfer sowie historische Kathedralen und Klöster.
FAQ’s zur Via Podiensis
Was ist die Via Podiensis?
Die Via Podiensis ist einer der vier historischen Jacobswege in Frankreich. Er führt über 700km von Le Puy-en-Velay bis zu Saint-Jean-Pied-de-Port, von wo der der spanische Hauptweg, der Camino Francés beginnt und nach Santiago de Compostela führt.
Wie lang ist die Via Podiensis?
Die Via Podiensis ist etwa 750 Kilometer lang und führt durch das Zentralmassiv und bis in die Pyrenäen. Wer den gesamten Weitwanderweg laufen möchte braucht ca. einen Monat für die 29-32 Etappen.
Wann ist die beste Zeit, um die Via Podiensis zu wandern?
Die beste Zeit, um die Via Podiensis zu wandern, sind Frühling und Herbst. Die Sommermonate sind nicht nur sehr heiß sondern auch sehr voll auf dem beliebten Pilgerweg.
Wie sind die Übernachtungsmöglichkeiten entlang der Via Podiensis?
Die Via Podiensis ist touristisch gut ausgebaut. Entlang der Pilgerroute gibt es viele Übernachtungsmöglichkeiten, in Herbergen (Gîtes d’étape), Pensionen, Hotels und auf Campingplätze. Vor allem im Sommer solltest Du reservieren.
Wie viel kostet es, die Via Podiensis zu wandern?
Die Kosten für eine Wanderung auf der Via Podiensis hängen hauptsächlich von der Art der Unterkunft und Deinem Verpflegungsbudget ab. Wanderst Du mit Zelt oder übernachtest ausschließlich in Pilgerherbergen kannst Du jedoch recht preisgünstig unterwegs sein.