Bliessteig: Meine Erfahrungen und Tipps für den Weitwanderweg im Saarland
Ein Weitwanderweg, der zur „schönsten Mehrtagestour 2025“ gewählt wurde? Den musste ich natürlich selbst ausprobieren. Also habe ich meine Wanderschuhe geschnürt und bin den Bliessteig im Saarland gewandert, allerdings nicht wie vorgeschlagen in neun, sondern in fünf Etappen.
Dabei hat mich der Bliessteig an einigen Stellen wirklich überrascht: mit viel mehr Wald als erwartet, einer sehr guten Ausschilderung und einer erstaunlich unkomplizierten Planung mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
In diesem Erfahrungsbericht zeige ich dir nicht nur, wie ich den Bliessteig in fünf Tagen aufgeteilt habe, sondern auch, welche Etappen mir am besten gefallen haben, wo es anstrengend wurde und was ich bei einer zweiten Wanderung anders machen würde. Außerdem findest du meine Tipps zu Anreise, Übernachtungen, Verpflegung und Planung.
Wenn du gerade überlegst, ob der Bliessteig zu dir passt oder ob du ihn ebenfalls in weniger als neun Tagen wandern kannst, bekommst du hier meine ehrliche Einschätzung aus erster Hand.
Meine Bliessteig Etappen in 5 Tagen
Offiziell ist der Bliessteig mit seinen 108 km in neun Etappen aufgeteilt. Da ich längere Wandertage gewohnt bin und den kompletten Weg in einer Urlaubswoche schaffen wollte, habe ich mehrere Etappen zusammengelegt.
So sah meine Tour aus:
| Tag | Strecke | Distanz | Aufstieg | Abstieg | Übernachtung |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Sarreguemines → Gräfinthal | 12 km | 130 m | 100 m | Hotel Restaurant Lavelle (Gräfinthal) |
| 2 | Gräfinthal → Blieskastel | 30 km | 690 m | 710 m | Hotel zur Post (Blieskastel) |
| 3 | Blieskastel → Kirrberg | 32,5 km | 850 m | 840 m | Steinhübel Uni-Nähe (Homburg) |
| 4 | Kirrberg → Höchen | 31 km | 750 m | 580 m | Steinhübel Uni-Nähe (Homburg) |
| 5 | Höchen → Bexbach | 12,5 km | 260 m | 410 m | – |
Meine komplette Strecke (inkl. Zustiege): ca. 120 km (⇨ zu meiner Komoot Collection)
Meine Variante eignet sich vor allem, wenn du regelmäßig längere Strecken wanderst und auch mit Tagen um die 30 Kilometer gut klarkommst. Wenn du den Bliessteig gemütlicher genießen möchtest, würde ich eher bei den offiziellen neun Etappen bleiben oder nur einzelne Abschnitte zusammenlegen.
Besonders praktisch fand ich die ÖPNV-Anbindung: Ich musste nicht jeden Abend direkt am Wanderziel übernachten, sondern konnte Homburg als Basis nutzen und mit dem Bus zu meinen Start- und Endpunkten fahren. Dadurch brauchte ich für die fünf Wandertage insgesamt nur drei Übernachtungsorte.
Tag 1: Bliessteig Etappe 1 (Sarreguemines – Gräfinthal)
Länge: 12km | Höhenmeter: ↑ 130 & ↓ 100 | Ziel: Gräfinthal (Hotel Restaurant Lavelle)
Los geht es für mich erst einmal mit knapp sechs Stunden Zugfahrt. Mit dem Deutschlandticket fahre ich von Troisdorf am Mittelrhein entlang nach Koblenz, weiter an der Mosel bis Trier und schließlich über Saarbrücken nach Sarreguemines.
Nicht die schnellste Anreise, aber eine wunderschöne Strecke und tatsächlich ohne nennenswerte Verspätung. Ja, auch das kann die Deutsche Bahn.
Der Bliessteig startet in Sarreguemines in Frankreich, direkt an der deutschen Grenze. Bevor ich loslaufe, decke ich mich deshalb erst einmal mit Proviant ein und verbringe bei der Hitze etwas mehr Zeit als nötig vor den Kühlregalen.
Übrigens gibt es für den Bliessteig einen eigenen Wanderpass mit Stempelstellen entlang der Strecke. Ich liebe ja Stempel und bin entsprechend motiviert, unterwegs möglichst alle einzusammeln. Leider führt die Touristeninfo in Sarreguemines diesen nicht.
Die ersten Kilometer sind entspannt. Die Blies bildet hier stellenweise die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich, sodass ich fast nebenbei zwischen beiden Ländern hin und her wechsle.
Die Wege sind überwiegend breit und einfach zu laufen. Bei den hohen Temperaturen bin ich vor allem über die vielen Bäume und den Schatten dankbar. Etwa auf halber Strecke komme ich an der Bliesmühle vorbei. Kurz danach ist sogar ein „Sandstrand“ ausgeschildert.
Nun ja. Für einen Strandurlaub würde ich nicht extra anreisen. Der Platz direkt am Wasser ist trotzdem schön und eine nette kleine Abwechslung unterwegs.
Überhaupt bleibt die erste Etappe trotz der vielen breiteren Wege abwechslungsreich. Immer wieder zweigt der Bliessteig auf schmalere Waldpfade ab, später geht es an Weideflächen mit Kühen und Pferden vorbei und zwischendurch bekomme ich dann doch noch ordentlich Sonne ab.
Kurz bevor ich Frankreich endgültig verlasse, finde ich einen kleinen Park mit freien Picknickbänken. Perfekt für eine Pause, auch wenn meine Cola Light inzwischen ungefähr Zimmertemperatur erreicht hat.
Die letzten Kilometer gefallen mir besonders gut. Über eine kleine Allee erreiche ich schließlich Gräfinthal und damit mein erstes Tagesziel. Mittelpunkt des winzigen Ortes ist die mittelalterliche Klosteranlage Gräfinthal.
Mein Fazit von der ersten Bliessteig Etappe: Mit nur 12 Kilometern und wenigen Höhenmetern ist der Abschnitt von Sarreguemines nach Gräfinthal ein sehr entspannter Einstieg in den Bliessteig.
Gerade wenn du am selben Tag noch anreist, finde ich die Länge ideal. Technisch ist die Strecke unkompliziert, und selbst an heißen Tagen gibt es auf großen Teilen angenehm viel Schatten.
Tag 2: Bliessteig Etappe 2&3 (Gräfinthal – Blieskastel)
Länge: 30km | Höhenmeter: ↑ 690 & ↓ 710 | Ziel: Blieskastel (Hotel zur Post)
Der frühe Vogel … Los geht’s um 6:30 Uhr. Heute liegen einige Kilometer vor mir und bei den aktuellen Temperaturen möchte ich möglichst wenig in der größten Mittagshitze wandern.
Zum Wachwerden geht es direkt ordentlich bergauf. Mein frühes Aufstehen wird aber sofort belohnt: Fünf oder sechs Rehe hüpfen vor mir über ein Feld.
Anschließend kann ich auf breiten, einfachen Waldwegen ordentlich Strecke machen. Nach etwa einer Stunde erreiche ich einen idyllischen Fischweiher mit Picknickplatz. Perfekter Zeitpunkt für mein Frühstück mit den französischen Köstlichkeiten aus der Boulangerie vom Vortag.
Kurz darauf führt der Bliessteig gefühlt ewig geradeaus durch den Wald. Am Weg liegt ein Hügelgrab, an dem ich ohne Hinweisschild wahrscheinlich einfach vorbeimarschiert wäre.
Wer den Bliessteig in den vorgeschlagenen neun Etappen wandert, beendet die offizielle zweite Etappe in Bebelsheim. Ich möchte den kompletten Weg aber in fünf Tagen schaffen und laufe deshalb direkt weiter.
Und der nächste Abschnitt gefällt mir auf Anhieb richtig gut.
Statt der breiten Waldwege führen jetzt immer wieder schmale Pfade durch den Wald, über Felder und entlang von Weiden. Für mich ist das deutlich abwechslungsreicher und landschaftlich einer der schöneren Abschnitte des Tages.
An der Schornwaldhütte ist der Picknickplatz leider schon komplett in der Sonne. Also laufe ich noch ein Stück weiter, bis ich einen schattigeren Platz mit einem tollen Blick bis nach Ensheim finde.
Hier müssen dann auch die letzten Stücke meines ursprünglich 350 Gramm schweren Maasdammers dran glauben. Prioritäten beim Wandern.
Im Schornwald liegen außerdem zahlreiche keltische Hügelgräber aus der Eisenzeit. Glücklicherweise sind sie gut gekennzeichnet, sonst würde man einige davon vermutlich gar nicht als solche erkennen.
Über abwechslungsreiche Waldwege geht es anschließend weiter Richtung Ballweiler. Das letzte Stück nach Blieskastel führt dann über offene Felder und bietet noch einmal schöne Ausblicke.
Eigentlich wunderschön. Nur knallt inzwischen die Sonne vom Himmel und Schatten gibt es hier überhaupt keinen mehr.
In Blieskastel angekommen führt mein allererster Weg deshalb zu Rewe. Cola Light und Joghurtdrink haben jetzt absolute Priorität. Vor lauter Gedanken an Kaltgetränke verpasse ich sogar eine schöne Kirche direkt am Bliessteig.
Da Blieskastel aber ziemlich niedlich aussieht, muss ich trotz der 30 Kilometer später noch einmal los und eine kleine Extra-Runde durch den Ort drehen.
Mein Fazit von Tag 2: Die 30 Kilometer sind dank der überwiegend einfachen Wege grundsätzlich gut machbar, aber zusammen mit knapp 700 Höhenmetern trotzdem ein langer Wandertag.
Besonders an heißen Tagen würde ich wieder sehr früh starten, denn gerade auf den letzten Kilometern Richtung Blieskastel gibt es längere sonnige Abschnitte ohne Schatten.
Tag 3: Bliessteig Etappe 4,5 und Teil von 6 (Blieskastel – Kirrberg)
Länge: 32,5km | Höhenmeter: ↑ 850 & ↓ 840 | Ziel: Kirrberg Bushaltestelle|
Übernachtung: Homburg (Steinhübel Uni-Nähe)
Was für ein grandioser Start! Erstens hatte ich Kaffee. Und zweitens geht es direkt mit einem Highlight los. Nachdem ich gegen halb sieben gefühlt 5.000 Stufen überwunden habe, stehe ich vor dem sehenswerten Wallfahrtskloster Blieskastel.
Durch den Klostergarten geht es weiter zum Gollenstein. Der 6,58 Meter hohe und rund 4.000 Jahre alte Menhir steht einfach mitten auf einem Feld und kurz nach Sonnenaufgang ist das Licht hier besonders schön. Träumchen!
Anschließend führen mich wunderschöne Waldpfade Richtung Kirkel. Die Morgensonne fällt durch die Bäume und selbst die hörbare Straße nebenan kann die Idylle nicht wirklich schmälern.
Und dann ist sie plötzlich da: die Burgruine Kirkel. Natürlich geht es hinauf zur Burg. Und wenn ich schon einmal da bin, nehme ich auch noch die unzähligen Stufen auf den Burgturm mit. Die Aussicht ist es wert.
Danach folgt mit der offiziellen Etappe 5 mein bisheriges Highlight auf dem Bliessteig: der Felsenpfad. Die bunten Sandsteinfelsen sind einfach der Hammer. Einer ist schöner und fotogener als der nächste. Entsprechend langsam komme ich hier voran.
Irgendwann bin ich fast froh, als der Felsenpfad „endlich“ vorbei ist. In meinem Tempo aus Fotografieren und Staunen wäre ich sonst heute vermutlich nie angekommen.
Danach wird es auf dem Schmetterlingspfad plötzlich sehr ruhig. Sehr ruhig. Über längere Zeit höre ich nur Vogelgezwitscher, meine eigenen Schritte und eine penetrante Schmeißfliege, die mich offenbar für eine Kuh hält.
Das nächste Highlight wartet mit der Klosterruine Wörschweiler. Der Ort ist komplett menschenleer und es gibt Bänke im Schatten, für mich der perfekte Platz für die Mittagspause.
Nur ungern verlasse ich das lauschige Plätzchen wieder und steige nach Schwarzenacker ab. Hier endet offiziell Etappe 5, aber für mich ist der Wandertag noch lange nicht vorbei.
Ich hänge noch etwa die Hälfte der sechsten Etappe dran. Hinter dem Römermuseum verschwinde ich wieder im Wald. Am Eberhardsbrunnen kommt das eiskalte Wasser des Kneippbeckens wie gerufen: Arme rein, Beine rein, Gesicht rein. Herrlich!
Erst auf dem Weg ins Lambsbachtal verlässt der Bliessteig den Wald wieder und führt über offene Felder. Inzwischen merke ich deutlich, wie heiß es geworden ist. Dafür gibt es hier endlich wieder weitere Ausblicke.
In Kirrberg ist für mich nach 32,5 Kilometern Schluss. Von hier fahre ich mit dem Bus nach Homburg, wo ich die nächsten beiden Nächte meine Unterkunft habe.
Mein Fazit von Tag 3: Das war für mich bisher der abwechslungsreichste und schönste Wandertag auf dem Bliessteig. Vor allem der Felsenpfad, die Burgruine Kirkel und die Klosterruine Wörschweiler machen den Abschnitt besonders.
Gleichzeitig sind 32,5 Kilometer und rund 850 Höhenmeter ein ordentliches Programm und weil es unterwegs so viel zu sehen und zu fotografieren gibt, würde ich für diese Strecke besonders viel Zeit einplanen.
Tag 4: Bliessteig Etappe 6-8 (Kirrberg – Höchen)
Länge: 31km | Höhenmeter: ↑ 750 & ↓ 580 | Ziel: Höchen Bushaltestelle|
Übernachtung: Homburg (Steinhübel Uni-Nähe)
Heute bin ich auf den Bus angewiesen. Also geht es um 6:30 Uhr mit dem 511er zurück nach Kirrberg, wo ich meine Wanderung vom Vortag fortsetze. Schnell hat mich der Wald wieder verschluckt und ich wandere weit oberhalb der Straße Richtung Homburg.
Nach einem rekonstruierten Hügelgrab bin ich inzwischen so auf die keltischen Spuren des Bliessteigs geeicht, dass ich in jeder Erhebung mit ein paar Steinen das nächste keltische Grab vermute.
Oberhalb von Homburg erreiche ich die Burgruine auf dem Schlossberg. Die Anlage ist erstaunlich groß und praktisch komplett frei zugänglich. Infotafeln erklären, was sich hinter den vielen Mauerresten früher einmal befand.
Mein digitaler Wanderpass macht hier allerdings wieder Probleme. Obwohl ich direkt an der Stempelstelle stehe, vermutet mich das GPS rund 25 Meter daneben. Über die Burgmauer springe ich für einen Stempel dann doch nicht.
Also weiter zum Karlsbergweiher, den ich an diesem Morgen komplett für mich allein habe. Perfekter Platz für eine erste Pause.
Vorbei an der Ruine der Orangerie geht es anschließend zum ehemaligen Schloss Karlsberg. Vom Schloss selbst ist heute praktisch nichts mehr zu erkennen. Kaum vorstellbar, denn die riesige Anlage gehörte einst zu den mächtigsten Schlossanlagen der Region, bevor sie Ende des 18. Jahrhunderts zerstört wurde.
Danach folgen wieder lange, angenehm schattige Waldabschnitte. Besonders gut gefällt mir der Möhlwoogsee mit seinem idyllischen Uferpfad. Am anschließenden Jägersburger Weiher ist wegen des Kletterparks deutlich mehr los.
Und dann: Stempel-Panne Nummer zwei. Die Stempelstelle steht direkt neben mir, laut App müsste ich aber rund 50 Meter entfernt auf dem Parkplatz stehen. Also wieder kein Stempel.
Gegen 14:15 Uhr erreiche ich im Glantal die Kreuzung, an der ich ursprünglich aussteigen und Richtung Waldmohr zum Bus laufen wollte. Aber irgendwie bin ich noch nicht bereit für die Zivilisation.
Also Wanderkarte raus, Busverbindungen checken und spontan entscheide ich: Die offizielle Etappe 8 mache ich heute auch noch fertig. Der Weg wird noch einmal richtig schön. Auf einem teilweise wilden, fast verwunschenen Pfad geht es an einem urigen Bach entlang bergauf. Soooo schön!
Nach einem letzten steileren Anstieg merke ich dann aber doch, dass 31 Kilometer langsam reichen. In Höchen ist für heute Schluss. Von hier fahre ich mit dem Bus zurück nach Homburg, wo ich eine zweite Nacht in derselben Unterkunft verbringe.
Mein Fazit von Tag 4: Dieser Wandertag wirkt auf dem Papier mit 31 Kilometern ähnlich anspruchsvoll wie Tag 3, fühlt sich für mich aber ganz anders an.
Es gibt viele lange Waldpassagen und weniger große Highlights direkt hintereinander, dafür immer wieder ruhige Seen, historische Spuren und schöne Wege.
Dass ich Etappe 8 spontan noch drangehängt habe, würde ich wieder so machen, allerdings nur, wenn du nach rund 25 Kilometern noch genug Energie für einen letzten Anstieg hast und bis zum Höcherberg durchhalten kannst (siehe nächster Tag).
Tag 5: Bliessteig Etappe 9 (Höchen – Bexbach)
Länge: 12,5km | Höhenmeter: ↑ 260 & ↓ 410 | Ziel: Bexbach
Letzter Wandertag! Da die letzte Etappe mit 12,5 Kilometern vergleichsweise kurz ist, kann ich es heute Morgen etwas entspannter angehen lassen. Wobei „entspannt“ relativ ist.
Um 7 Uhr stehe ich als Erste vor dem Edeka und decke mich mit Kaltgetränken ein. Um 7:25 Uhr bringt mich der Bus zurück nach Höchen, wo ich meine Tour gestern beendet habe.
Den einzigen größeren Anstieg des Tages bekomme ich direkt zu Beginn: Von Höchen geht es hinauf auf den Höcherberg. So früh am Morgen habe ich hier oben noch alles für mich allein. Das hat allerdings einen kleinen Nachteil: Der Aussichtsturm ist noch geschlossen.
Und natürlich macht auch der digitale Wanderpass wieder, was er will. Diesmal scheint die Stempelstelle überhaupt nicht zu existieren. Also kein Ausblick und kein Stempel. Dafür Frühstück.
Danach geht es zurück in den Wald. Mal auf breiteren, mal auf schmaleren Wegen und auch heute schrecke ich wieder zwei Rehe bei der Nahrungssuche auf.
Die Ausschilderung ist wie auf den vorherigen Etappen richtig gut. Heute erinnert sie mich allerdings auch ziemlich konsequent daran, dass ich meinem Ziel immer näher komme.
Ein besonders schöner Abschnitt ist für mich der Hangarder Brunnenpfad. Auf schmalen Wegen folge ich dem Bexbach bis zum Karlsbrunnen. Und der hat tatsächlich Wasser. Richtig eiskaltes sogar. Was für ein Traum!
Auch an der Steinberghütte habe ich die vielen Sitzmöglichkeiten bei meiner Pause komplett für mich allein.
Am Eberfurter Weiher ist es dann mit der Ruhe vorbei, denn direkt daneben verläuft die Hauptstraße. Hübsch ist der Weiher trotzdem.
Und dann beginnen tatsächlich die letzten Kilometer meiner Wanderung. Auf schmalen Wegen entlang des Bexbachs führt mich der Bliessteig schließlich nach Bexbach und zum Bahnhof.
Ziemlich versteckt hinter dem Bahnhofsgebäude entdecke ich zufällig auch noch die letzte Stempelstelle. Diesmal stimmt sogar das GPS. Nur anklicken lässt sich der Stempel natürlich trotzdem nicht.
Am Bahnsteig, inzwischen mehr als 50 Meter von der Stempelstelle entfernt, probiere ich es aus Spaß noch einmal. Und plötzlich funktioniert es. Der letzte Stempel gehört mir! Damit ist meine Wanderung auf dem Bliessteig tatsächlich vorbei. Jetzt muss nur noch die Deutsche Bahn mitspielen.
Mein Fazit zur letzten Bliessteig Etappe: Der letzte Abschnitt des Weitwanderweges ist mit 12,5 Kilometern und nur einem größeren Anstieg ein angenehm entspannter Abschluss des Bliessteigs. Besonders der Hangarder Brunnenpfad hat mir noch einmal richtig gut gefallen.
Mein Fazit: Lohnt sich der Bliessteig?
Ja, mir hat der Bliessteig richtig gut gefallen. Ob er für mich persönlich die „schönste Mehrtagestour Deutschlands“ ist, sei mal dahingestellt aber ich kann verstehen, warum er 2025 ausgezeichnet wurde.
Besonders mochte ich die Mischung aus ruhigen Waldwegen, kleinen Pfaden und historischen Highlights. Mein Lieblingsabschnitt war ganz klar der Felsenpfad bei Kirkel.
Wenn du große Panoramablicke suchst, ist der Bliessteig vermutlich nicht die erste Wahl. Wenn du dagegen gerne im Wald wanderst und eine ruhige, unkomplizierte Mehrtagestour suchst, kann ich ihn definitiv empfehlen.
Meine Aufteilung auf fünf Tage würde ich wieder so machen. Allerdings nur, wenn du längere Etappen gewohnt bist. Für eine entspanntere Tour sind die offiziellen neun Etappen die bessere Wahl.
Meine Tipps für den Bliessteig
Wenn du den Bliessteig selbst wandern möchtest, sind das die Dinge, die ich bei meiner Tour besonders hilfreich fand oder vorher gern gewusst hätte.
1. Wanderpass vorher besorgen
In Sarreguemines, dem Startpunkt des Bliessteigs, bekommst du den Wanderpass leider nicht direkt. Du kannst ihn vorab bestellen, zu Hause als PDF ausdrucken oder unterwegs an verschiedenen Stellen mitnehmen.
Es gibt auch einen digitalen Wanderpass. Der hat bei mir allerdings mehrfach wegen der GPS-Ortung nicht funktioniert. Wenn dir die Stempel wichtig sind, würde ich mich deshalb nicht ausschließlich auf die digitale Variante verlassen.
2. ÖPNV bei der Etappenplanung nutzen
Das fand ich beim Bliessteig besonders praktisch: Viele Start- und Zielpunkte sind mit Bus und Bahn gut erreichbar.
Ich hatte für meine fünf Wandertage nur drei Übernachtungsorte und konnte Homburg gleich für zwei Nächte als Basis nutzen. Mit einer etwas anderen Etappenaufteilung wären vermutlich sogar nur zwei Wanderbasen möglich.
3. Rechne mit viel Wald
Wenn du große Panoramablicke suchst, solltest du wissen: Der Bliessteig führt wirklich viel durch Wald.
Langweilig fand ich ihn trotzdem überhaupt nicht. Breite Waldwege wechseln sich mit schmalen Pfaden ab und dazwischen liegen Highlights wie der Gollenstein, der Felsenpfad, Burgruinen, Klosterruinen und verschiedene Weiher.
4. Beste Wanderzeit für den Bliessteig
Ich war Mitte August bei ziemlich hohen Temperaturen unterwegs und war sehr froh über den vielen Schatten im Wald. Mit dem vielen Laubwald stelle ich mir den Bliessteig allerdings auch im Herbst wunderschön vor.
5. Öffnungszeiten vorher prüfen
Einige Sehenswürdigkeiten kannst du nicht jederzeit besuchen. Der Höcherbergturm war bei meinem frühen Start zum Beispiel noch geschlossen. Ihn kannst du nur besteigen wenn die Gaststätte geöffnet hat, da du dort den Schlüssel bekommst.
Und auch die Schlossberghöhlen in Homburg, Europas größte und von Menschenhand geschaffene Buntsandsteinhöhlen, öffnen erst später am Vormittag.
Wenn dir bestimmte Sehenswürdigkeiten wichtig sind, würde ich die Öffnungszeiten schon bei der Etappenplanung berücksichtigen.
6. Verpflegung und Wasser planen
Du kommst regelmäßig durch kleine Orte. Nur heißt das leider nicht automatisch, dass es dort auch einen Supermarkt, ein Café oder eine Möglichkeit zum Wasserauffüllen gibt.
Ich würde deshalb jeden Abend kurz prüfen, wo du am nächsten Tag tatsächlich einkaufen oder einkehren kannst. Gerade bei längeren Etappen lieber etwas mehr Proviant mitnehmen.
7. Die Ausschilderung ist richtig gut
Komoot habe ich unterwegs praktisch gar nicht zur Navigation gebraucht. Der Bliessteig ist so gut markiert, dass ich irgendwann wusste: Wenn ich nach 50 bis 100 Metern keine Markierung gesehen habe, habe ich aus Versehen den Weg verlassen und sollte umdrehen.
Zusätzlich hatte ich auf meinem Handy die jeweilige Etappe auf der Bliessteig-Webseite geöffnet. Dort konnte ich Route und eigenen Standort sehen. Mehr Navigation habe ich während meiner fünf Tage nicht gebraucht.
Noch mehr Lust auf viel Wald?
Wenn dir der Bliessteig mit seinen ruhigen Waldwegen und kleinen geologischen Highlights gefällt, könnte auch der Natursteig Sieg etwas für dich sein.
Der rund 200 Kilometer lange Fernwanderweg verläuft entlang der Sieg zwischen Siegburg und Mudersbach durch Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Mich hat er mit seinen vielen Waldpassagen, schmalen Pfaden und kleinen Besonderheiten unterwegs immer wieder an den Bliessteig erinnert.