Weitwandern im Winter in Europa
Meine 6 liebsten Mehrtageswanderungen zwischen Schnee & Sonne
Die meisten denken beim Weitwandern nur an Sonne, Schweiß und Sommerferien. Ich auch, bis ich im Januar vier Tage entlang der Küste Gozos unterwegs war, im T-Shirt.
Seitdem bin ich süchtig nach Weitwanderungen im Winter: menschenleere Wege, mildes Klima oder auch mal knirschender Schnee unter den Füßen.
In Europa gibt es viele unterschätzte Mehrtageswanderungen, die auch im Januar oder Februar gut begehbar sind: von mediterranen Küstenpfaden bis hin zu gut gespurten Winterwanderwegen in den Alpen.
Hier sind meine sechs liebsten Weitwanderungen für die kalte Jahreszeit: Selbst gewandert, getestet und mit praktischen Tipps.
Ob du nur ein paar Tage raus willst oder einen echten Wanderurlaub im Winter planst, die hier vorgestellten Routen bieten für jedes Bedürfnis das passende Maß an Abenteuer und Entspannung.
Keine extremen Hochgebirgstouren mit Steigeisen, sondern um Touren für Menschen, die wie ich gern länger unterwegs sind, trittsicher gehen und Freude an einfachen und wunderschönen Weitwanderwegen, auch im Winter, haben.
1. GR221 (Mallorca)
Steckbrief GR221
- Land: Spanien (Balearen)
- Distanz: etwa 140 Kilometer
- Dauer: 7 bis 10 Tage
Der GR221 führt durch das Tramuntana-Gebirge im Nordwesten Mallorcas. Für mich fühlt er sich wie ein Mittelgebirgsweg mit mediterranem Touch an.
Es geht über steinige, teils alte Maultierpfade, durch Terrassenfelder und Olivenhaine, dazu immer wieder Blicke auf das Meer. Für mich die schönste Wanderung auf Mallorca!
Das Klima auf Mallorca ist im Winter meist mild. Ich war fast jeden Tag im T-Shirt unterwegs, hatte aber eine Windjacke griffbereit.
Technisch ist der Weg mittel, du solltest trittsicher sein, aber du bewegst dich nicht im hochalpinen Gelände. Besonders mag ich die Mischung aus Kalksteinbergen, alten Trockensteinmauern und Bergdörfern wie Sóller, Deià oder Valldemossa.
Übernachten kannst du in einfachen Refugios oder in kleinen Pensionen und Hotels in den Dörfern (⇨ Detaillierter Wanderführer über den GR221).
Zwischen Dezember und März ist es auf Mallorca überwiegend sehr angenehm zum Wandern. Tagsüber liegen die Temperaturen oft im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich, die Nächte können kühl werden.
Schnee im Tramuntana ist möglich, bleibt aber selten lange liegen. Wichtiger sind Wind und Regen, besonders auf den freien Höhen. Für viele, die sonst in den Alpen unterwegs sind, ist der GR221 eine ideale erste längere Winterwanderung im Süden.

2. GR131 (Kanarische Inseln)
Steckbrief GR131
- Land: Spanien (Kanarische Inseln)
- Distanz: je nach Insel etwa 30km (El Hierro) bis 160km (Fuerteventura)
- Dauer: 3 bis 7 Tage pro Insel
Der GR131 verläuft auf mehreren Kanareninseln, jede mit eigenem Charakter und ist der Abschluss des Europäischen Fernwanderweges E7. Im Sommer wäre es mir hier zu heiß. Im Januar aber ist es perfekt, mit rund 18 Grad und Sonne.
Mir gefällt die Idee, sich im Winter einfach eine Insel auszusuchen und dort eine kompakte Weitwanderung zu machen. Du läufst durch Vulkangebirge, über Lavafelder, durch Kiefernwälder und tiefe Barrancos (Schluchten).
Die Etappen sind oft lang, technisch aber wenig schwierig. Der Weg ist ideal, wenn du im Winter weitwandern, aber eher warm und auf trockenen Pfaden unterwegs sein willst.
Besonders eindrücklich sind für mich die Sonnenaufgänge über dem Meer und die klaren Sternennächte, wenn man in höherer Lage übernachtet.
Ich bin mehrere Etappen auf Teneriffa gewandert und vor allem die Hochlage rund um den Teide geliebt. Achtung, hier kann es im Winter ab und zu mal schneien. Der Teide hat ja knapp 4000 Höhenmeter und ist Spaniens höchster Berg.
Fuerteventura dagegen ist eher wüstenhaft, mit sanften Hügeln, viel Weite und ständigem Blick auf den Atlantik.
Wunderschön und abwechslungsreich fand ich auch die Etappen auf Gran Canaria, vorbei an den beeindruckenden Felsen Roque Nublo und Roque Bentayga, den Atlantik immer im Blick.


3. Gozo Coastal Walk (Malta)
Steckbrief Gozo Coastal Walk
- Land: Malta (Insel Gozo)
- Distanz: etwa 50 Kilometer rund um die Insel
- Dauer: 3 bis 4 Tage
Der Gozo Coastal Walk umrundet komplett die kleine Schwesterinsel von Malta. Ich mag diese Route, weil sie überschaubar ist und doch echtes Weitwandergefühl gibt.
Du folgst Küstenpfaden, läufst an Klippen entlang, vorbei an kleinen Buchten und durch ruhige Dörfer. Achtung: der Weg ist nicht ausgeschildert, Offline Navigation ist dementsprechend unerlässlich!
Besonders toll finde ich, dass man aufgrund der Inselgröße für diese Mehrtagestour auch an allen Tagen dieselbe Unterkunft nutzen und per Bus zu den Start- & Zielpunkten fahren kann. ⇨ Meine Lieblingsunterkunft auf Gozo
Der Winter auf Malta und Gozo ist meist mild, selten wirklich kalt. Der Weg ist leicht bis mittelschwer. Viele Höhenmeter gibt es nicht, aber an einzelnen Stellen brauchst du Trittsicherheit, da Pfade schmal oder ausgewaschen sein können.
Die Highlights sind für mich die alten Salzpfannen, die gelblichen Kalksteinfelsen und die beeindruckenden Klippen. Ich war sowohl im Dezember als auch im Januar dort: die Klippen menschenleer, und morgens gibt’s magisches Licht.


4. Via Engiadina (Engadin)
Steckbrief Via Engiadina
- Land: Schweiz (Engadin)
- Distanz: etwa 50 Kilometer
- Dauer: 3-4 Tage
Winterwandern in der Schweiz muss nicht immer Schneeschuhwandern oder Skitour sein. Auf der Via Engiadina gibt es gut präparierte Wege für mehrtägige Wintertouren mit Komfort.
Tiefergelegen als der beliebte Sommer-Höhenweg ist die Wintervariante der Via Engiadina, ein wirklich toller Winterwanderweg.
In 3-4 Etappen führt die gut gespurte Mehrtagestour auf der sonnigen Talseite, von Zernez über Scuol bis Sent, durch das wunderbar ursprüngliche Unterengadin.
Die Winterwanderwege sind einfach und breit und verlaufen durch die typischen Bergdörfer, mit ihren alten, schön bemalten Engadinerhäusern. Außerdem hast du immer Blick auf die Bergkette der sogenannten Engadiner Dolomiten, die sich hoch über dem Fluss Inn auftürmen.
Besonders toll fand ich, dass dieser Schweizer Winterweitwanderweg mit Gepäcktransport buchbar ist: Abends wartet ein warmes Bett und man braucht täglich nur mit dem Tagesrucksack loszuziehen.

5. Rheinsteig (Mittelrhein)
Steckbrief Rheinsteig
- Land: Deutschland
- Distanz: etwa 320 Kilometer von Bonn bis Wiesbaden
- Dauer: 17 bis 21 Tage
Der Rheinsteig ist kein klassischer Winterwanderweg, aber das Mittelrheintal hat ein eher mildes Klima. Meist liegt kein oder nur kurz Schnee. Für mich ist er ideal, wenn ich mehrere Tage am Stück wandern will, ohne in die Alpen oder weit wegfahren zu müssen.
Der Weg führt über schmale Pfade, durch Weinberge und Wälder, vorbei an beeindruckenden Burgen, durch sehenswerte Weinorte wie z.B. Linz, Kaub oder Rüdesheim und tollen Aussichtspunkten über dem Rhein.
Die Schwierigkeit liegt im mittleren Bereich, manche Anstiege sind kurz, steil, aber technisch gut machbar. Etwas weniger anspruchsvoll ist die linksrheinische Alternative, der RheinBurgenWeg.
Warum ich den Rheinsteig im Winter sogar besser finde als im Sommer? Oft hast du zwischen Wanderweg und Rheinblick 3-4 Baumreihen.
Im Winter hast du dementsprechend oft freie Blicke, weil die Bäume kahl sind. Gleichzeitig hast du viel Ruhe auf den Wegen, da kaum jemand unterwegs ist.
Die Anreise ist einfach, denn fast jeder Etappenort hat einen Bahnanschluss. So kannst du dir im Winter dementsprechend auch einzelne Etappen und Tage herauspicken, statt die komplette Strecke am Stück zu laufen.
Die Bahnen entlang des Rheins machen die Planung extrem flexibel. Ich suche mir meist einen zentralen Ort als Basis und laufe von dort aus Etappen, die ich mit der Bahn beginne oder beende.


6. Fischerweg (Teil der Rota Vicentina)
Steckbrief Fischerweg
Land: Portugal
Distanz: etwa 255 Kilometer von Praia de São Torpes südlich von Sines bis Lagos
Dauer: 12 bis 15 Tage
Der Fischerweg ist Teil der Rota Vicentina und zählt zu den schönsten Küstenwanderwegen Europas. Er verläuft fast durchgehend entlang der portugiesischen Atlantikküste. Über schmale Sandpfade, vorbei an hohen Steilklippen, einsamen Stränden und kleinen weiß getünchten Dörfern.
Im Winter ist der Fischerweg besonders reizvoll: milde Temperaturen, dramatisches Licht und deutlich weniger Wanderer als im Frühling oder Herbst. Zudem sind viele Unterkünfte entlang des Trails günstiger.
Gleichzeitig können Wind, Regen und überschwemmte Abschnitte die Etappen anspruchsvoller machen als erwartet. So wie es Mitte Februar war, als ich zwischen Porto Covo und Sagres unterwegs war.
Auch die langen Sandpassagen hatte ich unterschätzt. Sie kosten deutlich mehr Energie, als es das Höhenprofil vermuten lässt. Technisch ist der Weitwanderweg einfach, doch der weiche Dünensand macht die Kilometer langsamer und fordernder als gedacht.
Die Anreise ist unkompliziert über Lissabon oder Faro. Entlang der Strecke verkehren Busse zwischen den größeren Orten, allerdings teilweise nur ein- bis zweimal täglich.


Fazit: Der passende Winterweitwanderweg für deine nächste Auszeit
Die fünf vorgestellten Wege zeigen gut, wie unterschiedlich Weitwandern im Winter sein kann. Die südlichen Inselrouten GR221, GR131 und der Gozo Coastal Trail bringen dich zu mildem Klima, Meerblick und viel Licht in der dunklen Jahreszeit.
Die Via Engiadina bietet Winterzauber in den Alpen mit präparierten Wegen und Komfort in gemütlichen Unterkünften. Der Rheinsteig steht für milde, überwiegend schneearme Tage nahe zu Hause.
Bei der Auswahl schaue ich auf drei Dinge: mein aktuelles Fitnesslevel, wie viel Zeit ich habe und ob mir gerade mehr nach Schnee oder nach Meer ist.
Egal welche Route du wählst, beim Wandern im Winter sind gute Planung, der Blick aufs Wetter und angepasste Etappenlängen wichtig.





