In diesem Artikel können sich Werbe-Links befinden. Wenn Du etwas über diesen Link kauft, erhalte ich eine kleine Provision, ohne dass Du mehr bezahlen musst. Weitere Informationen hierzu findest Du in der Datenschutzerklärung.

Colle di Tenda
Wanderungen und Informationen zum historischen italienisch-französischen Grenzpass

Weißt Du, wie viele verlassene Militärfestungen rund um den Colle di Tenda zu finden sind? Es sind 6, teilweise richtig gut erhaltene Forts!

Der Colle di Tenda, ein geschichtsträchtiger Grenzpass zwischen Italien und Frankreich, erzählt nicht nur von malerischen Landschaften, sondern auch von den steinernen Zeugen militärischer Vergangenheit.

Die alpinen Festungen waren einst Schauplatz bedeutender strategischer Manöver und sind heute herausragende Wanderziele.

Der historisch wichtige Alpenpass Colle di Tenda ist heute ein hervorragender Ausgangspunkt für wunderschöne Wanderungen entlang der italienisch-französischen Grenze. Ich liebe diesen Grenzpass und war bereits mehrfach am Colle di Tenda unterwegs, denn es gibt viel zu entdecken.

Hier findest Du Informationen zum Colle di Tenda und Tourenvorschläge für aussichtsreiche Wanderungen auf dem Grenzkamm.

Mein Tipp

Piemont MM-Wandern Wanderführer
✅ 240 Seiten mit 38 Touren
Ein wirklich wunderschöner Wanderführer mit detaillierten Beschreibungen.
Ein Muss für alle, die in den piemontesischen Westalpen wandern wollen!


Colle di Tenda Übersicht

Der Pass Colle di Tenda trennt die ligurischen Alpen Italiens von den Seealpen in Frankreich. Der geschichtsträchtige Col de Tende (auf Französisch) oder Tenda Pass (auf Deutsch) liegt auf 1871m.ü.M.

Bereits zu römischen Zeiten wurde der Alpenpass zu Fuß oder auf dem Rücken eines Maultiers passiert. Auf diese Weise entstand in der Antike der Verkehr zwischen dem Vermenagna- und dem Roia-Tal, die auf der anderen Seite der Wasserscheide liegen.

Der Ausbau der Passstraße wurde von Napoleon unternommen.

Die Nordrampe dieses südlichsten Alpenpasses beginnt oberhalb des Ortes Limone Piemonte und ist mit ihren 12, asphaltierten Kehren relativ einfach und für jedes zweispurige KFZ befahrbar. Diese war übrigens beim Giro d’Italia 2005 auch die Bergankunft der 17. Etappe.

Info: Die Nordrampe ist ab der Talstation Chalet 1400 zwischen 20:00 und 6:00 Uhr geschlossen

Die Südrampe hingegen, mit Zufahrt aus dem französischen Roya-Tal, besteht größtenteils aus Schotterpiste und hat 48, teils spektakuläre Kehren zu überwinden.

Aus diesem Grund zählt sie zu den atemberaubendsten Passstraßen der Alpen und ist bei Offroad-Fahrern und Mountainbikern sehr beliebt (gewesen).

Seit dem verheerenden Alpenhochwasser im Oktober 2020 und der Sperrung des Tunnels ist die Passstraße ausschließlich für Einheimisch und dies auch nur zu bestimmten Zeiten geöffnet.

Eine historische Infoplatte am Col de Tende zeigt geografische und historische Details des Passes. Im Hintergrund weht die italienische Flagge, während sich die grünen Täler des Colle di Tenda in die Ferne erstrecken.
Blick ins Roya-Tal vom Colle di Tenda

Colle di Tenda Straßentunnel

Seit 1882 gibt alternativ zur Passstraße den über 3km langen Colle di Tenda-Straßentunnel, der das Piemont mit der ligurischen Riviera und der Côte d’Azur verbindet.

Zu seiner Eröffnung war er einer der längsten Straßentunnel der Welt sowie der erste Straßentunnel unter einem Alpenpass. Noch bis 1964 war er der längste Straßentunnel der Alpen. 

Seit 1898 existiert auch ein 8km langer Eisenbahntunnel, den die Tendabahn für ihre spektakuläre Fahrt von Cuneo ans Mittelmeer nutzt.

Die 20 km voneinander entfernten Talorte sind Tende im französischen Roya-Tal, und Limone Piemonte im italienischen Vermenagna-Tal.

Die Eisenbahnlinie Cuneo-Ventimiglia, die zu den spektakulärsten der Welt zählt, führt auf etwa 90 km von Meereshöhe auf über 1.000 m.ü.M. und passiert dabei 27 Brücken und 33 Tunnel.

Die steinernen Überreste einer alten Festung liegen ruhig auf einer grünen Anhöhe und ragen wie stumme Zeugen der Geschichte in den Himmel. Zerfallene Mauern und Torbögen zeigen die Abnutzung der Zeit und stehen in Kontrast zur üppigen Vegetation der Umgebung. Das weite Panorama der umliegenden Berge bildet einen malerischen Hintergrund für die Ruinen.
Ruine auf dem Grenzkamm oberhalb des Tende Pass

Das Alpenhochwasser Anfang Oktober 2020 hat in der Region große Schäden hinterlassen. Sowohl auf der französischen, als auch auf der italienischen Seite wurde die Passhöhe des Colle di Tenda stark in Mitleidenschaft gezogen.

Der Fluss Vermenagna verschüttete die Zufahrtsstraße zum internationalen Tunnel auf der italienischen Seite und beschädigte, genau wie der Sturzbach Rio della Cà auf der französischen Seite, Einrichtungen auf der Tunnelbaustelle für die sich im Bau befindliche zweite Tunnelröhre.

Die Bahnverbindung zwischen den Ländern ist offen, die Wiedereröffnung des Tenda-Straßentunnels für den Autoverkehr ist nach den Sanierungsarbeiten für Herbst 2024 geplant.

Panoramablick von der Rocca dell'Abisso (2.750 m) auf eine Vielzahl italienischer Alpengipfel. Die Namen und Höhen der Berge sind beschriftet, darunter Monviso, Monte Bianco und Gran Paradiso, die das alpine Panorama um den Colle di Tenda dominieren.
Blick ins Vermenagna Tal im Piemont

Die Militärische Festungen auf dem Grenzkamm des Colle di Tenda

Wie wichtig der Colle di Tenda einst war, zeigen auch sechs Festungen des italienischen Militärs aus dem 19. Jahrhundert.

Die Eröffnung des Colle di Tenda -Tunnels im Jahr 1882 machte es notwendig, ein militärisches Kontrollsystem für diese erleichterte Passage ins Piemont einzurichten.

Nach Fertigstellung des Haupt-Festungskomplexes Fort de Colle Alta auf der Passhöhe 1883, wurden auch die anderen Forts der Verteidigungslinie gebaut.

Das Fort de Colle Alta erhebt sich auf dem Colle di Tenda und zeigt eine gut erhaltene Festungsanlage. Die massiven Mauern und die alpine Landschaft im Hintergrund illustrieren die historische Verteidigungsfunktion des Forts.
Fort de Colle Alta

Auf der Kammlinie entstanden somit auf 7 km von West nach Ost die Forts von Giaure, Pernante und Pepin.

Südlich davon, etwas unterhalb im Roya-Tal, stehen rechts und links der Straße, die zum Tunneleingang führt, im Abstand von 3km, die zwei Batterien Fort Marguerie und Fort Tabourde.

Die Bauweise aller Befestigungsanlagen ist ähnlich: rechteckige oder fünfeckige, ins Erdreich eingelassene Festungen, mit mehreren Angriffsfronten in Richtung Roya-Tal.

Umgeben von Wassergräben und zugänglich über eine Zugbrücke, sind die Dächer mit Gras bewachsen, um besser mit der Natur zu verschmelzen.

Während des Ersten Weltkriegs wurde die Festungen zugunsten der österreichischen Front entwaffnet. Mit dem Friedensvertrag zwischen Italien und Frankreich 1947 wurden die Verteidigungsanlagen dann vollkommen nutzlos, da die Grenze verschoben wurde.

Heute liegen die beeindruckenden militärischen Festungen auf französischem Staatsgebiet. Hier ein kurzer Überblick über die einzelnen Forts:

Die steinernen Mauern der Kasernen des Fort de Colle Alta stehen auf einer offenen Wiese, umgeben von sanften Berghügeln. Fensteröffnungen und verwitterte Mauerreste lassen die frühere Funktion des Bauwerks erahnen, das sich harmonisch in die alpine Landschaft fügt. Die leere Weite des Vorplatzes und der tiefblaue Himmel verstärken die majestätische, aber zugleich verlassene Atmosphäre.
Kasernen des Fort de Colle Alta

1. Fort de Colle Alto / Forte Centrale

Das Fort de Colle Alto, oft auch als Fort Central bezeichnet, liegt etwas erhöht auf 1908 m.ü.M, fast direkt auf dem Colle di Tenda.

Baubeginn war 1881, als das Gebiet noch zu Italien gehörte. Eine große Kaserne befindet sich unweit des militärischen Hauptgebäudes.

Das Fort Central erhebt sich imposant auf einem grasbedeckten Hügelrücken, seine dicken Steinmauern und rechteckige Struktur zeugen von militärischer Architektur. Umgeben von grünen Hängen und schroffen Bergketten thront es still in der alpinen Landschaft. Das Licht des späten Nachmittags verleiht den Mauern einen warmen Ton und hebt die Details der Fassade hervor.
Fort Central oder auch Fort de Colle Alto

2. Fort Pernante

Das Fort Pernante liegt auf 2115 m.ü.M., westlich des Colle di Tenda, ca. 300m oberhalb des Fort Marguerie. Es war für eine Garnison von 150 Mann ausgelegt

Das Fort Pernante auf dem Colle di Tenda zeigt teils verfallene Steinmauern inmitten einer beeindruckenden Berglandschaft. Die Lage des Forts auf einem Hügel bietet weite Ausblicke über das alpine Gelände.
Fort Pernante auf dem Tende Pass

3. Fort de Marguerie

Das Fort de Marguerie liegt auf 1849 m.ü.M. und ist eine der beiden Batterien auf der Roya-Tal-Seite. Es war nach dem Forte Centrale das Wichtigste und Größte in Bezug auf die Anzahl der bewohnbaren Räumlichkeiten und Bewaffnung.

Das Fort de Marguerie thront über dem Colle di Tenda und ist von alpinen Wiesen umgeben. Der erhaltene Zustand des Gebäudes vermittelt einen authentischen Eindruck von der militärischen Architektur der Region.
Fort de Marguerie vom Fort Pernante gesehen

4. Fort de Giaure

Das Forte de Giare liegt auf 2.254 m.ü.M. und ist es das höchste, der westlichen Befestigungsanlagen auf dem Colle di Tenda.

Eine 5 km lange Straße, die aufgrund von Erdrutschen teilweise verschwunden ist, verband dieses Fort mit dem Fort Pernante.

Das Fort de Giaure, ebenfalls auf dem Colle di Tenda gelegen, mit zerfallenen Mauern und üppiger Vegetation in der Umgebung. Diese historische Festungsruine bietet einen eindrucksvollen Kontrast zur friedlichen Natur der Alpen.
Fort de Giaure

5. Fort Tabourde

Das Fort Tabourde liegt auf 2005 m.ü.M., südlich des Berggipfels Beccorosso (Bec Roux), südöstlich des Forte Centrale. Es war für eine Garnison von 120 Mann ausgelegt.

Ein massives, rechteckiges Fort aus Stein liegt verlassen auf einem grasbewachsenen Hügel am Colle di Tenda. Die verwitterten Mauern zeigen deutliche Spuren der Zeit und heben sich eindrucksvoll gegen den klaren, blauen Himmel ab. Im Vordergrund verläuft ein schmaler Weg, der um das Fort führt und die weitläufige Landschaft umrahmt.
Fort Tabourde

6. Fort Pépin

Das Fort Pépin liegt auf 2275 m.ü.M. und ist damit das höchste Bauwerk des Verteidigungssystems von Festungen, direkt unterhalb des Cime de Pepin (2344m).

Als einstiges Bauwerk hat es einen völlig anderen Grundriss als die anderen Festungen der Region. Es war für eine Garnison von 120 Mann ausgelegt.

Ein verlassenes Fort aus Stein liegt ruhig auf einer Anhöhe und bietet einen weiten Blick auf die umliegenden Täler. Die dicken Mauern und das verwitterte Gestein zeugen von der Geschichte und Widerstandskraft des Gebäudes. Im Hintergrund erstreckt sich die sanfte Berglandschaft unter einem blauen Himmel, der die Atmosphäre friedlich und erhaben wirken lässt.
Fort Pépin

Wanderungen am Colle di Tenda

Der Colle di Tenda ist ein herausragendes Wandergebiet. Vor allem die verschiedenen Festungsanlagen machen die Erkundung der Region spannend.

Auf dem Grenzpass selbst beginnt der beliebte französische Fernwanderweg „GR 52A“, der Sentier Panoramique du Mercantour.

Über den Colle di Tenda, auf unterschiedlichen Wegen an die Côte d’Azur führen die Grande Traversata delle Alpi / gta und der rote Weg der „Via Alpina“.

Etwas unterhalb des Passes verläuft der, ebenfalls ans Mittelmeer führende Wanderwege GR52. Auf den drei letzteren bin ich während meiner Alpenüberquerung 2016 jeweils mehrere Abschnitte gewandert.

Ein hölzerner Wegweiser am Colle di Tenda zeigt Richtungen zu nahegelegenen Zielen wie dem Forte Giaure und der Via del Sale. Der Colle di Tenda dient hier als Knotenpunkt für Wander- und Offroad-Routen.
Wegweiser und Grenzstein auf dem Colle di Tenda

Wanderung zu den westlichen Festungen und zur Rocca dell’Abisso

Die traumhaft aussichtsreiche Streckenwanderung zur Rocca dell’Abisso startet am Colle di Tenda und passiert alle militärischen Festungsanlagen im Westen des Grenzpasses.

Du beginnst oder endest mit der Besichtigung des Forte Centrale / Fort de Colle Alto. Das Schöne an dieser Wanderung ist, dass Du, obwohl es eine Streckenwanderung ist, vielfach Alternativen hast um nicht zweimal denselben Weg zu wandern.

So habe ich auf dem Hinweg, als ich noch absolut fit war, die schmalen Pfade gewählt, die kürzer aber steiler sind.

Oft habe ich die breitere, sanftere Alternative, die offiziell als MTB-Route ausgeschildert ist, gekreuzt, sodass ich jederzeit meine Wegwahl anpassen konnte.

Ausblick auf den Colle di Tenda und die kurvige Straße, die als Südrampe ins Roya-Tal führt. Die Strecke ist von grünen Hügeln und felsigen Gipfeln umgeben und lädt zu einer landschaftlich reizvollen Fahrt ein.
Blick auf Colle die Tenda und den Start der Südrampe ins Roya-Tal

Schmale, aussichtsreiche Pfade vom Colle di Tenda zum Fort Pernant

Auf dem Weg zum Fort Pernant kann ich 300m unter mir, entlang der breiten Militärstraße das Fort de Marguerie bewundern.

Besonders schön ist von oben die Form der Festung mit seinem Grasdach zu sehen. Immer wieder finden sich auch kleine Häuserruinen entlang des ansteigenden Wanderweges.

Dann erreiche ich das Fort Pernant. Ich gehe einmal drumherum, hinein kann ich nicht, da die Zugbrücke nicht mehr vorhanden ist und ich ohne Klettern nicht über den leeren Wassergraben komme.

An der Weggabelung nehme ich den Pfad links des Berges „Cime de Salante“ mit kleinem Gipfelkreuz, um für den Hinweg weiterhin den Blick ins französische Roya-Tal zu haben.

Ein verfallenes Steinfort liegt auf einer sanften, grünen Bergkuppe unter klarem, blauem Himmel. Die massiven Mauern des Fort Pernante sind von Gräsern und Wildblumen umgeben und geben den Blick auf die dahinterliegenden, schroffen Gipfel der Rocca dell'Abisso frei. Der schmale Wanderpfad führt entlang der historischen Festung und verschwindet am Horizont zwischen den alpinen Hügeln.
Fort Pernante und Rocca dell’Abisso

Mit Blick ins Roya-Tal vom Fort Pernant zum Fort de Giaure

Außerdem ist es arg windig und diese Bergseite ist sonniger und windgeschützter als die nördliche Alternative, die ich auf dem Rückweg wandern werde.

Als sich die Wege auf der anderen Seite wieder vereinen, sehe ich bereits über mir meine nächstes Ziel thronen, das Fort de Giaura.

Rechts unter mir liegt das wunderschöne und steinige Tal des Rio Prati della Chiesa, links der Berg Cime du Bex Roux und überall blüht es in den schönsten Farben!

Ein schmaler Wanderweg entlang eines grünen, blumenreichen Hanges führt zum Fort de Giare und zur Rocca dell'Abisso. Der Weg bietet eine malerische Aussicht auf die umliegenden Täler des Colle di Tenda.
Aussichtsreicher Hangweg zum Fort de Giare und zur Rocca dell’Abisso

Von hier könnte man nach Limonetto absteigen oder natürlich von dort hier hoch aufsteigen. Der letzte Abschnitt vor Erreichen des Forts ist das einzige etwas anspruchsvollere Wegstück. Der Pfad führt über große Steine, die allerdings gut begehbar sind.

Nach dem kleinen See Laghetto dell’Abisso wird der Pfad teilweise recht schmal. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier an zwei kurzen Stellen vonnöten. Dann erreiche ich das Fort de Giaure.

Vor dem ehemaligen Eingang macht eine Herde Gämsen Pause, so dass ich etwas entfernt stehen bleibe und ihnen zugucke.

Info: Bis hierher beträgt die Weglänge ca. 7km mit 500 Höhenmetern Steigung. Viele Wanderer und Familien mit Kindern machen am Fort de Giaure Pause und kehren dann gemütlich zum Colle di Tenda zurück.

Mehrere Gämsen ruhen sich auf einem sonnigen Wiesenstück vor den steinernen Überresten des Fort de Giaure aus. Das Licht hebt die kräftige Struktur der alten Steinmauern hervor, während die Tiere in der Ruhe des Colle di Tenda verweilen. Am Rand des Bildes steht ein einzelner Gämse, der aufmerksam die alpine Umgebung betrachtet.
Gämse vor dem Fort de Giaure

Finaler und absolut lohnender Aufstieg vom Fort de Giare zur Rocca dell’Abisso

Wer noch Kraft hat, sollte allerdings den Aufstieg zur Rocca dell’Abisso machen. Der Weg ist technisch nicht schwer, allerdings sind noch 500 Höhenmeter zu bewältigen!

Der Pfad führt stetig aufwärts. Erst über blumige Wiesenhänge, dann wird es steiniger. Eine knappe Stunde später bleibt mir der Mund am Gipfelkreuz offen stehen:

ich habe eine fantastische Aussicht nach Norden bis zum Monte Rosa Massiv und kann nicht nur den Monviso sondern auch den Mont Blanc sehen!

Panoramablick von der Rocca dell'Abisso (2.750 m) auf eine Vielzahl italienischer Alpengipfel. Die Namen und Höhen der Berge sind beschriftet, darunter Monviso, Monte Bianco und Gran Paradiso, die das alpine Panorama um den Colle di Tenda dominieren.
Aussicht von der Rocca dell’Abisso auf die Alpengipfel Italiens

Der Aufstieg hat sich sowas von gelohnt!! Die Sicht nach Süden reicht heute leider nicht ganz bis zum Mittelmeer und zur Insel Korsika, die man sonst manchmal von hier aus hat. Egal: ich bin vollends begeistert!!!

Zurück geht es bis kurz unterhalb des Cime de Salante auf demselben Weg. Von da an nehme ich die Via del Sale MTB, den breiteren und einfacheren Weg, der sich hauptsächlich auf die italienische Kammseite konzentriert, zurück zum Colle di Tenda.

Start- & Endpunkt: Colle di Tenda
Länge: 22km
Höhenmeter: ↑ 1100 / ↓1100
Schwierigkeit: schwer
Link zu den Details der Wanderroute, aufgezeichnet mit Komoot

Linda in sportlicher Kleidung lehnt an einem großen, metallenen Gipfelkreuz, das hoch über den Bergen thront. Im Hintergrund erstrecken sich endlose Bergketten unter einem strahlend blauen Himmel, deren sanfte Konturen sich gegen den Horizont abzeichnen. Zu ihren Füßen ragen schroffe Felsen hervor, die die karge Schönheit des alpinen Geländes rund um die Rocca dell'Abisso betonen.
Gipfelkreuz auf der Rocca dell’Abisso

Wanderung zu den östlichen Festungen

Ausgangspunkt ist auch hier wieder das Forte Centrale / Fort de Colle Alto. Dieses solltest Du unbedingt am Anfang oder Ende der Tour angucken. Anschließend geht es in östlicher Richtung vom Colle di Tenda auf der breiten Schotterpiste (Via del Sale MTB).

Ich verlasse die wunderschöne Sicht auf das noch im Schatten liegende Limone Piemonte weit unter mir und biege auf einen weitere breiten Fahrweg nach rechts ab.

Nun habe ich herausragende Weitsicht ins französische Roya-Tal und der Südrampe der Passstraße zum Colle di Tenda, zu meiner Rechten.

Ein schmaler Wanderweg führt über saftig grüne Wiesen und entlang eines steinigen Berghangs vom Colle di Tenda zum Fort Tabourde. Der Weg schlängelt sich durch die alpine Landschaft und gibt weite Ausblicke auf die umliegenden Täler frei. Die klare Bergluft und die abwechslungsreiche Natur verleihen dem Pfad eine idyllische Atmosphäre.
Wanderung auf der Via del Sale MTB vom Colle di Tenda zum Fort Tabourde

Vom Fort Tabourde zum Cime du Bec Roux

Nur sehr sanft ansteigend führt der, sogar für Kinderwägen geeignete Schotterweg zum Fort Tabourde. Ich gehe einmal rund um die verlassene Festung mit ihrer wunderbaren Aussicht und folge dann dem aussichtsreichen Hangweg ins Vallon de Framoursoure.

Entlang eines kleinen Baches führt der Pfad zum ersten Mal wirklich bergauf. Es geht über buntblühende Wiesen und in der prallen Sonne, zurück Richtung Grenzkamm.

Unterwegs schrecke ich eine Gruppe Murmeltiere aus, die sich ungeniert in der Sonne räkeln, dann aber schneller als ich gucken kann, irgendwo auf den Wiesen verschwinden.

Eine Gruppe rosafarbener, alpiner Blumen sprießt aus den Felsen am Rand eines steinigen Bergweges. Die kleinen Blüten setzen farbliche Akzente in der kargen Felslandschaft und zeigen die Widerstandsfähigkeit der Natur in dieser Höhe. Der Hintergrund verschwimmt sanft und gibt den Blick auf das bergige Panorama des Grenzkamms frei.
Alpine Blumen auf dem Hangweg vom Fort Tabourde zum Grenzkamm

Vom Cime du Bec Roux zum Fort Pépin

Auf dem Grenzkamm besteige ich den Cime du Bec Roux mit seinem Gipfelkreuz. Auf 2214 m.ü.M. haben 2 Gämsen, die hier ungestört grasen und ich eine fantastische 360 Grad Sicht, nach Norden fast bis in die Schweiz.

Weiter geht es, in Serpentinen einen kleinen Hügel aufwärts und dann wunderschön aussichtsreich, auf breitem, ebenen Wanderweg zum Fort Pépin.

Es steht auf 2263 m.ü.M. und ist somit die höchstgelegene Festung auf der Verteidigungslinie des Colle di Tenda.

Ein hölzernes Gipfelkreuz steht majestätisch auf dem Cima del Becco Rosso, umgeben von einer weiten, alpinen Kulisse. Im Vordergrund sind felsige Steine und das weite Tal im Hintergrund sichtbar, was die Höhe und die Abgeschiedenheit des Gipfels betont. Das warme Licht der Sonne verleiht der Szene eine friedliche und erhabene Atmosphäre.
Gipfelkreuz auf dem Cima del Becco Rosso

Info: Von hier kannst Du jetzt gemütlich auf dem selben Weg zurück zum Grenzkamm und dann auf der Via del Sale MTB Weg zurück zum Colle di Tenda wandern. Insgesamt währen dies dann ca. 12,8km und 510 Höhenmeter Steigung.

Wegentscheidungen am Fort Pépin

Ich möchte noch ein Stück weiter nach Osten wandern. Vom Fort Pépin gibt es dafür 2 Wegoptionen. Entlang des Berghanges muss man gleich hinter dem Festung, die vorher umrundet werden muss, einen steinigen und teils rutschigen Steinhang entlang.

Dieses schwere Wegstück ist zwar nicht lang und der Rest des Pfades zum Grenzkamm verläuft wunderschön über eine Wiese, allerdings empfand ich die Überquerung des steinigen, rutschigen Steinhang als sehr gefährlich und würde nächstes Mal die andere Variante wählen.

Die zweite Wegoption, die ich wählen würde, führt vom Fort über den Gipfel des Cime de Pepin, wunderschön aussichtsreich zurück auf den Grenzkamm.

Da Du wieder am Ausgangspunkt oberhalb des Cima del Becco Rosso angekommen bist, geht es über den wieder nach Italien blickenden Grenzkamm weiter nach Osten. Der Weg ist dementsprechend etwas länger und da er über den Gipfel führt, anstrengender.

Ein schmaler, steiniger Pfad windet sich entlang eines steilen Berghangs und führt von Fort Pépin hinauf zum Grenzkamm. Die steinige Beschaffenheit des Weges und das steile Gefälle zur Seite machen die alpine Wanderung anspruchsvoll. Der Blick auf die umliegenden Gipfel und Täler verleiht der Strecke eine dramatische Note und lädt zum Erkunden ein.
Steiniger Hangweg vom Fort Pépin zum Grenzkamm

Rückweg vom Colle della Perla über die ligurische Grenzkammstrasse

Der tolle Pfad bleibt dann lange auf einer Höhe, während er den Cima del Becco rechts umrundet und ich wieder herausragende Weitsichten auf die französischen Seealpen habe.

Anschließend folgt der Abstieg zum Colle della Perla und ich stehe auf der bei Offroadern und Mountainbikern beliebten Ligurischen Grenzkammstraße.

Dieser breiten Schotterpiste folge ich nun unermüdlich zurück in Richtung Ausgangspunkt am Colle di Tenda. Nun habe ich den Berghang wieder links und ich kann wunderschön in die Valle La Perla schauen.

Unterhalb des Cima del Becco Rosso, auf dessen Spitze ich vorher gestanden habe, macht die Piste eine scharfe Kurve und ich habe das Skigebiet der Riserva Bianca mit seinen Skiliften unter mir.

Am Skilift Baita 2000 geht es um eine weitere scharfe Kurve und das Forte Centrale am Grenzpass Colle di Tenda und das Charlet Marmotte, kommen in Sicht. Ca. 30 Minuten später bin ich wieder an meinem Ausgangspunkt.

Tipp: Die Ligurische Grenzkammstrasse ist Dienstags und Donnerstags für motorisierte Fahrzeuge gesperrt und somit viel angenehmer zu wandern!

Eine staubige Bergstraße führt durch grüne Wiesen mit Parkschildern und Informationstafeln an der Seite, während ein Auto am Straßenrand parkt. Schilder wie „Baita 2000 Aperto“ deuten auf eine geöffnete Hütte hin und laden Wanderer ein. Die umliegenden Berge erheben sich majestätisch und bilden eine natürliche Kulisse für den Beginn der ligurischen Grenzkammstraße.
Baita 2000, der Start der ligurischen Grenzkammstraße

Wandertipps für den Colle di Tenda

  • Es gibt hier oben so gut wie keinerlei Schatten! Du brauchst also dementsprechend zwingend Sonnencreme und viel Wasser.
  • Starte Deine Wanderung so früh am Morgen wie möglich. Da ist es noch nicht ganz so warm / heiß und je nachdem welchen Weg Du einschlägst, menschenleer. Nachmittags ist es voll am Pass.
  • Wander- und MTB Wege sind in dieser Region sehr gut ausgeschildert, sodass Du grundsätzlich keine weiteren Wanderkarten benötigst
  • Solltest Du über den ligurischen Grenzkamm (Alta Via del Sale) wandern wollen, versuche dies Dienstags oder Donnerstags wenn der motorisierte Verkehr auf dieser Straße verboten ist.

    Ich war an einem Samstag im Juli auf der Straße unterwegs und es war jetzt nicht dramatisch schlimm mit dem Verkehr aber schöner und entspannter ist es natürlich ohne Autos und Motoräder.
Blick auf das durch die Abendsonne angestrahlte Forte Centrale auf dem Colle di Tenda. Dahinter erheben sich die mächtigen Berggipfel der Seealpen.
Blick vom Wanderweg zum Fort Tabourde zum Forte Centrale auf dem Colle di Tenda

Colle di Tenda

Alta Via del Sale (Alte Salzstraße / Ligurische Grenzkammstrasse)

Die Alta Via del Sale ist eine historische Route zwischen den Alpen des Piemont und der Provence. War sie früher für den Handel von Rohstoffen (hauptsächlich Salz, Öl, Käse, Korn) essenziell, ist sie heute der Spielplatz für Wanderer, Mountainbiker sowie Motorrad- und Offroad-Fans.

Die Hauptroute verläuft entlang der Wasserscheide auf der italienisch-französischen Grenze ca. 30km von Limone Piemonte bis nach Monesi di Triora, im bergigen ligurischen Hinterland.

Weiterhin gibt es verschiedene Alternativen und grenzüberschreitende Zusatzrouten, verschiedener Längen und Schwierigkeitsgrade, rund um das Kernstück.

Es gibt auch größere, organisierte Treffen bzw. Touren in Offroad-Fahrzeugen, die innerhalb der Mauern des Forte Centrale / Fort de Colle Alto und morgens die ligurische Grenzkammstraße nehmen.

⇨ Hier findest Du alle Infos zur Ligurischen Grenzkammstrasse

Eine Gruppe bunter Offroad-Fahrzeuge steht in einer Reihe auf einem Plateau, umgeben von weiten Bergen und klarem Himmel. Menschen versammeln sich um die Autos und genießen die entspannte Atmosphäre auf dem Colle di Tenda. Die kurvige, staubige Strecke im Hintergrund deutet auf eine abenteuerliche Fahrt durch das alpine Gelände hin.
Offroad Fahrzeuge auf dem Colle di Tenda

Erreichbarkeit des Colle di Tenda – Wie komme ich auf den Pass?

Anfahrt zum Colle di Tenda: Vom dem Großraum Turin sind es knapp 2 Fahrstunden auf den Grenzpass. Von der Regionalhauptstadt Cuneo brauchst Du auf der SS20 für die 40km ungefähr 50 Minuten bis zum Pass.

Auch das letzte Straßenstück, die Nordrampe von Limone di Piemonte zum Colle di Tenda, ist durchgehend, bis zur Passhöhe, asphaltiert.

Parken am Colle di Tenda: Es gibt kostenfreie Parkmöglichkeiten am Chalet Marmotte und entlang der Straße vor dem Restaurant. Diese sind nur 10 Minuten Fußweg vom Colle di Tenda entfernt.

Die Nordrampe ab Limonetto ist grundsätzlich nachts gesperrt und ab 8:00 Uhr morgens zur Fahrt geöffnet. Mit einem gelände gängigen Fahrzeug könntest Du auch bis in die Festung fahren.

Restaurant Charlet Marmotte
Öffnungszeiten: Montag – Freitag 8:30 – 17:30 Uhr / Samstag & Sonntag 8:30 – 18:00 Uhr

Das Chalet Marmotte liegt malerisch unterhalb des Colle di Tenda, umgeben von sanften Hügeln und einer ruhigen Berglandschaft. Die asphaltierte Straße im Vordergrund führt zu diesem beliebten Rastpunkt.
Chalet Marmotte unterhalb des Colle di Tenda

Insidertipp: Übernachten auf oder nah dem Colle di Tenda
Hast Du einen autarken Camper kannst Du wunderbar auf dem Parkplatz nah dem Chalet Marmotte übernachten. Am besten kommst Du zwischen 18:00 – 20:00 Uhr an, damit Du freie Platzwahl hast.

Hat Dein Camper Allradantrieb kannst Du sogar innerhalb der Ruinen des Forte Centrale übernachten!


Sessellifte und Gondeln am Tendapass im Sommer

Insgesamt gibt es in der Region um den Tenda Pass und innerhalb des Skigebietes Riserva Bianca 15 Liftanlagen. Im Sommer sind jedoch nur 2 dieser Anlagen geöffnet.

Seggiovia Cabanaira (Sessellift): Der Sessellift Cabanaira hat seine Talstation in Quoata 1400, nah dem Eingang des Tunnels und Limonetto. Von 1378m.ü.M. geht es nach Baita 2000, auf 1972m.ü.M.

Öffnungszeiten: Täglich im Juli & August von 8:30 – 16:30 Uhr. An den Wochenenden eine Stunde länger.
Preise: € 10.00 pro Person (Berg- & Talfahrt) / € 6.00 pro Person (Einfach Fahrt)

Severino Bottero (Gondel): Die 8er-Gondel Severino Bottero fährt direkt aus Ort Limone Pimonte zur Laghetti Bergstation.

Öffnungszeiten: Vom 30. Juli – 28. August täglich von 9:30 – 17:30 Uhr. Außerdem an ausgewählten Wochenenden.
Preise: € 10.00 pro Person (Berg- & Talfahrt) / € 6.00 pro Person (Einfach Fahrt)

Ein Sessellift überquert eine grüne Bergwiese und führt zur Bergstation Baita 2000, die sanft in die Umgebung eingebettet ist. Der Blick schweift über das Tal und die angrenzenden Berghänge, während die klare Luft die Konturen der Berge hervorhebt. Diese Szenerie ist charakteristisch für die Erschließung alpiner Landschaften durch moderne Infrastruktur.
Blick von der Bergstation Baita 2000 des Sessellift Seggiovia Cabanaira nach Limonetto

Fazit

Der Colle di Tenda ist nicht nur ein historischer Ort, sondern auch ein einzigartiges Wanderziel, das Besuchern eine spannende Reise in die Vergangenheit und eine atemberaubende Landschaft bietet.

Von den verlassenen Militärfestungen bis zu den Panoramablicken auf die Seealpen und das Roya-Tal – hier kommen Geschichtsliebhaber und Naturfreunde gleichermaßen auf ihre Kosten.

Ob für ambitionierte Wanderer oder kulturell Interessierte – der Colle di Tenda ist (noch) ein wahrer Geheimtipp im alpinen Grenzgebiet.


Weitere Inspiration gefällig?

Ein ähnlich schöner Grenzpass ist der Col du Mont Cenis. Auch hier finden sich Ruinen alter, italienischer Militäranlagen, die seit 1947 allerdings zum französischen Savoyen gehören.

In anderes, wunderschönes piemontesisches Tal an der Grenze zu Frankreich ist das Valle Gesso. Auch hier kannst Du zum Beispiel oberhalb des Piano de Valasco nah des Grenzkammes wandern.

Etwas nördlicher gibt es im Valle Stura eine herausragende Pässe- und Seenwanderung mit Start am höchsten Heiligtums Europas: Die Tour du Lausfer ab Sant’Anna di Vinadio.

Etwas weiter nördlich steht der markante und von fast überall sichtbare Gipfel des Monviso. In separaten Berichten habe ich Dir alle Infos über den König aus Stein, sowie eine Wanderbeschreibung der wunderschönen 4-Seen-Tour ab der Hochebene Pian del Re aufgeschrieben.

Das Val Germanasca ist ebenfalls im Piemont allerdings weiter nördlich. In diesem traumhaften Tal solltest Du unbedingt die Runde der 13 Bergseen, 13 Laghi von Prali machen.


Lust auf Berge, aber keine Ahnung, wohin?

Ich schicke Dir regelmäßig, aber nicht mehr als einmal im Monat, Wanderideen und Inspiration für die Westalpen, die Dich träumen und planen lassen.

    Linda steht auf einem Berghang und blickt auf den türkisfarbenen Lago d'Apsoi, umgeben von steilen Felswänden.